Preisstreit : Milchbauern bekommen mehr Geld

Der Discounter Lidl erhöht den Preis um zehn Cent, auch die erste Molkerei zahlt mehr – Das Kartellamt prüft den Boykottaufruf.

Maren Peters
Milch
Der Kampf um die Milchpreise dauert an. -Foto: dpa

Berlin - Gut eine Woche nach Beginn des Milchstreiks hat die erste Handelskette dem Druck nachgegeben: Discounter Lidl will den Verkaufspreis je Liter Milch vom kommenden Montag an um zehn Cent und für das Päckchen Butter um 20 Cent erhöhen, wie eine Sprecherin am Mittwochabend bestätigte. Der Netto-Mehrpreis sei ausschließlich für die Landwirte bestimmt, erklärte Lidl nach Verhandlungen mit Vertretern des Deutschen Bauernverbands. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) freute sich: „Das ist ein ganz wichtiger Signalschritt“, sagte BDM-Chef Romuald Schaber in Berlin. Auch Rewe schließt eine Preiserhöhung nicht mehr aus.

Die Bauern hatte ihre Proteste am Mittwoch vor die Zentralen großer Handelsketten wie Aldi, Lidl, Edeka und Norma verlegt. Am heutigen Donnerstag soll es eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor geben. Der Boykott der Molkereien sei dagegen beendet worden, hieß es beim Milchindustrie-Verband (MIV).

Der Einzelhandel reagierte erleichtert auf das Boykott-Ende. „In den Regalen der Supermärkte wird es in den nächsten Tagen keine Engpässe mit Milch und Molkereiprodukten mehr geben“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, dieser Zeitung. Unklar ist aber, ob die Molkereien genug Milch zur Verarbeitung haben werden, denn die Bauern wollen den Lieferstopp fortsetzen.

Als erste Großmolkerei gab am Mittwoch die Milchwerke Berchtesgadener Land-Chiemgau den Forderungen nach und erhöhte den Milchpreis, den sie den Bauern zahlt, ab 1. Juni auf 43 Cent je Liter, wie eine Sprecherin sagte. Das ist exakt der Preis, den die Bauern gefordert hatte. Noch ist offen, ob sie den höheren Preis auch gegenüber ihren Abnehmern im Handel durchsetzen kann.

Milchbauern und Molkereien wollen sich laut Industrie-Verband vielleicht schon am heutigen Donnerstag erneut treffen. „Einen neuen Preis können die Verbände aber nicht abschließen“, sagte MIV-Sprecher Michael Brandl. Dies sei kartellrechtlich nicht zulässig.

Das Bundeskartellamt beschäftigt bereits ein anderer Aspekt des Milchstreits. Die Behörde hat ein offizielles Verfahren gegen den Milchbauernbund BDM eingeleitet, wie Behördensprecherin Silke Kaul bestätigte. Sollte sich der Tatbestand des Boykottaufrufs bestätigen, wäre das ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz. Ärger droht den Bauern auch seitens der Molkereien. „Wir prüfen Schadenersatzforderungen“, sagt MIV-Sprecher Brandl. Man rechne mit einem Schaden „in dreistelliger Größenordnung“. Der BDM sieht den möglichen Forderungen „gelassen entgegen“.

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