Private Krankenversicherung : Immer weniger Vollmitglieder

Die privaten Krankenversicherer haben zum dritten Mal in Folge einen Mitgliederrückgang zu verkraften. Doch die Verbandsspitze weigert sich, darin einen Trend zu sehen.

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Privat oder gesetzlich? Immer mehr entscheiden sich für Letzteres.
Privat oder gesetzlich? Immer mehr entscheiden sich für Letzteres.Foto: ddp

Die privaten Krankenversicherer verlieren weiter Mitglieder. Nach Angaben ihres Verbandes hat sich der Bestand an Vollversicherten im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge verringert, er sank um 0,6 Prozent. Die Mitgliederzahl lag Ende 2014 bei 8,83 Millionen, das waren 55 600 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Gegenzug stieg die Zahl der Zusatzversicherungen, insbesondere für die Pflege.

Angestellte verdienen zu wenig

Verbandschef Uwe Laue weigerte sich wie schon in Vorjahren, in dem Minus einen Trend zu sehen. „Ich bin immer noch der Meinung, dass es sich um Sondereffekte handelt“, sagte er bei der Jahrestagung des PKV-Verbandes in Berlin. So hätten sich die Versicherer „ganz bewusst“ dafür entschieden, unseriöse Billigtarife aus dem Portfolio zu nehmen. Durch die mäßige Einkommensentwicklung und den jährlichen Anstieg der Versicherungspflichtgrenze (derzeit 54 000 Euro brutto im Jahr) werde es immer schwieriger, den Angestelltenmarkt abzugreifen – das durchschnittliche Eintrittsalter liege dadurch bereits bei 36 bis 38 Jahren.

Und schließlich sei der neuerliche Rückgang auf die weiter gesunkene Zahl von Selbständigen zurückzuführen. Während diese sich im vergangenen Jahr um 52 000 verringert habe, sei die der sozialversicherten Arbeitnehmer um 424 000 gestiegen. Durch den Wechsel in ein solches Angestelltenverhältnis mit einem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze hätten viele nicht mehr privat versichert bleiben dürfen, sondern sich gesetzlich versichern müssen.

Starker Zuwachs bei Pflegeversicherungen

Bei den Zusatz-Krankenversicherungen dagegen können sich die Privaten erneut über Zuwachs freuen. Er betrug 1,7 Prozent, die Zahl der Policen lag bei 23,93 Millionen.

Und besonders üppig fiel das Plus in der Pflegezusatzversicherung aus. Hier lag der Bestand Ende 2014 erstmals über drei Millionen. Die Zahl staatlich geförderter Verträge stieg um 55,5 Prozent auf 549 900 Policen. In der klassischen Pflegezusatzbranche betrug der Zuwachs 4,5 Prozent, die Zahl der Policen erreichte 2,46 Millionen.

Rücklagen von mehr als 200 Milliarden Euro

Auch bei ihren Alterungsrückstellungen hatten die Privatversicherer einen Rekord zu vermelden. Sie überstiegen im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 200 Milliarden Euro. Seit 2004 hätten sich die Rückstellungen damit trotz Schuldenkrise mehr als verdoppelt. Laue räumte zwar ein, dass die Niedrigzinsphase der Branche zunehmend Probleme bereite. Doch anders als die Lebensversicherer habe man ja die Möglichkeit, dies mit Beitragssteigerungen abzufangen. „Uns geht die Luft nicht aus“, versicherte Laue.

Bei der anstehenden Reform des missratenen Pflege-TÜV empfahl der Verband der Politik, die neue Prüfsystematik stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten. Dafür bedürfe es keines neuen Qualitätsinstitutes, sagte Laue. Vielmehr wäre es sinnvoll, die von den Privatversicherern gegründete gemeinnützige Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP) mit dieser Aufgabe zu betrauen, denn damit lasse sich Zeit und Geld sparen. Außerdem habe sich das ZQP in den sechs Jahren seiner Tätigkeit als "nationales Kompetenzzentrum der Pflegewissenschaft" große Anerkennung erworben.

Neue Stiftung für mehr Gesundheitswissen

Darüberhinaus kündigte Laue eine neue Stiftung an, um das „Gesundheitswissen“ der Patienten zu verbessern. Ihre Aufgabe sei die Entwicklung und Bereitstellung von laienverständlicher Patienteninformation auf wissenschaftlicher Basis. Die Informationen aus dem Internet seien "oft widersprüchlich, zuweilen sogar falsch oder mit Verkaufsabsichten verbunden", sagte der Verbandschef.

Für ihre Stiftung werde die PKV in der Startphase pro Jahr zwei Millionen Euro investieren, stellte Laue in Aussicht. Außerdem wolle man - nach der Verpflichtung der gesetzlichen Krankenkassen auf deutlich höhere Präventionsausgaben - freiwillig auch die eigenen Präventionsausgaben erhöhen. Gedacht sei an mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr, sagte der Verbandschef. Bisher waren es rund 13,5 Millionen.

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