Prokon-Insolvenz : Experte: Keine Hoffnung für Anleger

Die Nachricht von der Prokon-Insolvenz hinterlässt viele schockierte Anleger. Der Rechtsexperte Christoph Paulus erklärt, wieso das Geld ziemlich sicher verloren ist.

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Wie groß ist die Chance, dass die Prokon-Anleger noch etwas von ihrem Geld sehen?
Das hängt generell davon ab, wie groß der Schuldenberg ist im Vergleich zum Eigenkapital und Vermögen. Wer bei Prokon Geld angelegt hat, hat zudem häufig Genussscheine erworben, gehört also zu den nachrangigen Gläubigern. Die bekommen erst dann etwas, wenn alle anderen zu 100 Prozent befriedigt wurden. Dieser Fall kommt wirklich nur alle hunderttausend Mal vor. Bis die dran sind, ist nichts mehr übrig.

Es gibt Anwälte, die Prokon-Anlegern versprechen, sich für eine Besserstellung in der Gläubiger-Hierarchie einzusetzen...

Um Gottes willen! Genussscheine sind nicht nur das Ende der Fahnenstange, das ist am Ende der Fahnenstange noch ein Wimpelchen draufgesetzt. Die Sache ist wirklich so was von gegessen, anwaltlich vorzugehen lohnt sich nicht. Da lohnt es sich mehr, den Anwälten etwas wegen falscher Versprechen anzuhängen. Das Geld ist weg. Das ist bitter, aber da sollte man bloß kein weiteres nachschießen.

Sind Genussscheine Abzocke?

Das Konstrukt Genussschein an sich ist nicht verkehrt. Das ist wie mit allem Risikokapital, es gibt die Chance, Geld zu gewinnen, und das Risiko, dass Geld flöten geht. Und in diesem Fall hat sich das Risiko realisiert. Das ist für den Einzelnen katastrophal, aber das normale Risiko bei einer Unternehmensbeteiligung.

Und die Eigentümer sind fein raus? Die Prokon ist eine KG (Kommanditgesellschaft, Anm.). Das heißt, das Privateigentum der Betreiber, das nicht in der Firma steckt, ist geschützt. Diese Konstruktion kann man verteufeln, doch sie ist absolut notwendig in unserem Wirtschaftssystem. Gäbe es keine Firmeninsolvenzen ohne Rückgriff auf das Privatvermögen der Betreiber, würde sich niemand mehr unternehmerisch betätigen.

Prokon selbst behauptet, es sei nur insolvent gegangen, weil Gläubiger nach einer Medienkampagne ihr Geld abzogen.

Das ist eine raffinierte Schuldzuweisung und Dolchstoßlegende. Der Energiemarkt ist außerordentlich heikel, natürlich zählt da der gute Ruf. Aber eine Insolvenz passiert nicht aus einem einzigen Grund. Da kommt immer mehr zusammen. Ich bin als Akademiker immer wieder erstaunt, dass Schneeballsysteme funktionieren und die Initiatoren so viel Geld lockermachen. Der Mensch ist einfach zu verliebt ins Geld.

Christoph G. Paulus ist Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozess- und Insolvenzrecht sowie Römisches Recht an der Humboldt-Universität in Berlin.

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