Putzen, Kochen, Bügeln : Der wahre Wert der Hausarbeit

Hausarbeit ist Arbeit, die weitgehend im Verborgenen erledigt wird. Und unbezahlt ist sie auch noch. Doch je mehr Frauen arbeiten gehen, umso deutlicher wird, wie groß die Lücke ist, die sie zu Hause hinterlassen.

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Hausarbeit ist Frauensache. Doch damit ist es nicht getan. Viele Frauen pflegen zu Hause ältere Verwandte oder kümmern sich um die Kinder. Wie wertvoll das ist, merkt man erst dann, wenn die Hausfrauen arbeiten gehen. Foto: iStock
Hausarbeit ist Frauensache. Doch damit ist es nicht getan. Viele Frauen pflegen zu Hause ältere Verwandte oder kümmern sich um die...Foto: iStock

Der große Festsaal im Estrel an der Sonnenallee war bis auf den letzten Platz besetzt, hunderte Mitglieder waren gekommen – so viele, dass die Veranstaltung nicht wie geplant in der Zitadelle in Spandau hatte stattfinden können, sondern nach Neukölln verlegt werden musste. Die Zitadelle wäre zu klein gewesen. Der Anlass: Das 100-jährige Bestehen des „DHB – Netzwerk Haushalt“, 1915 mitten im Ersten Weltkrieg gegründet. Lange Zeit hieß der Verband „Deutscher Hausfrauen-Bund“, benannte sich aber im Jahr 2009 um.

Das Netzwerk ist mitnichten ein Hausfrauen-Verein, in dem gemeinsam gehäkelt und Rezepte ausgetauscht werden. „Unser Verband vertritt nicht die Mutti auf der Couch!“, rief Angelika Grözinger, die Präsidentin des DHB, in den Saal. Tatsächlich hat der Verband sich in seiner wechselvollen Geschichte immer stark für die Rechte der Frauen eingesetzt. Dass zum Beispiel die Gleichheit von Männern und Frauen im Grundgesetz festgeschrieben ist, daran hat er wesentlichen Anteil.

Es zählt nur das als Arbeit, was Geld bringt

Bis heute ist erklärtes Ziel des Verbandes, dass Hausarbeit die gesellschaftliche Anerkennung erfährt, die ihr zusteht. Denn diese Arbeit findet im Privaten statt, nahezu unsichtbar. Wie wertvoll sie ist, erfahren wir heute auf einem Umweg: Frauen drängen in die Arbeitswelt, und die Lücke, die sie daheim hinterlassen, ist nur schwer zu füllen. Denn Hausarbeit ist mehr als nur kochen oder putzen, auch Kinderbetreuung oder Altenpflege gehört dazu. All das wird unter dem Begriff „Care-Arbeit“ zusammengefasst. Dass sie als Frauenaufgaben gelten, hat eine lange Tradition. „Das ist diese alte Vorstellung, dass die Arbeit im Haushalt der Frau quasi natürlich zufällt, gekoppelt an ihre Mutterrolle“, sagt Eva Senghaas-Knobloch, Soziologin an der Universität Bremen.

Gleichzeitig wird sie noch nicht einmal als „richtige“ Arbeit anerkannt: „Bei uns zählt nur das, was Geld bringt“, sagt Senghaas-Knobloch. Dabei sind viele dieser Tätigkeiten längst eigene Berufe geworden – werden sie zu Hause ausgeübt, zählen sie aber nicht als Erwerbstätigkeit. Hausarbeit erfährt wenig gesellschaftliche Anerkennung, die Frauen erhalten keinen Lohn dafür und auf ihre Rente wird die Arbeit auch nicht angerechnet. „Unser Rentensystem ist darauf ausgerichtet, 40 Jahre in Vollzeit zu arbeiten“, kritisiert Karin Wiedemann, ehemalige Staatssekretärin der CDU. „Und das tun nun einmal eher die Männer.“ Die Folge für so manche Hausfrau: Armut im Alter. Ihre lebenslange Arbeit zu Hause zählt da nicht.

Man kann Altenpflege nicht organisieren wie eine Fabrik

Welchen gesellschaftlichen Wert Hausarbeit hat, kann man an den Mini-Jobs beispielhaft ablesen. Ein Großteil der Mini-Jobber unterstützt im Haushalt: Putzen, Gartenarbeit, Kinderbetreuung. Eine Viertelmillion dieser Beschäftigungsverhältnisse sind offiziell angemeldet, sie erwirtschaften eine Bruttowertschöpfung von über 600 Millionen Euro und spülen 100 Millionen Euro in die Sozialkassen. Gleichzeitig schätzt man bei der Minijob-Zentrale, dass der Viertelmillion angemeldeter Mini-Jobber etwa vier Millionen gegenüberstehen, die nicht angemeldet sind.

Auch das Netzwerk „Care-Revolution“beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Anerkennung heimischer Care-Tätigkeiten. „Wie schaffen wir es, diese Arbeiten zu erledigen und wie organisieren wir das?“, umreißt die Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp die Hauptfragestellungen des Netzwerkes. „Man kann Altenpflege eben nicht organisieren wie eine Fabrik“, sagt auch Soziologin Senghaas-Knobloch. „Denn zur selben Zeit, in dem die Leistung erbracht wird, wird sie auch empfangen. Dem Auto ist es egal, wer es zusammenbaut, dem kranken Menschen aber nicht, wer ihn pflegt.“ Ökonomisch rechnet Care-Arbeit sich deshalb kaum, weil sie nicht effizient ausgestaltet werden kann, ohne dass ihre Qualität leidet.

In der außerhäuslichen Organisation von Care-Arbeit schwinge in hohem Maße mit, wie wir leben wollen und welches Menschenbild wir haben, meint Schrupp. Deshalb schließt das Netzwerk auch soziale Arbeit wie die Arbeit mit Jugendlichen oder mit Obdachlosen ein. Und die kann bezahlt oder ehrenamtlich erfolgen. „Die Wirtschaftswissenschaften interessieren sich aber nur für formalisiert bezahlte Arbeit“, sagt Schrupp. Ein blinder Fleck, in dem auch die Arbeit der Hausfrauen verschwindet.

Für Schrupp ist Care-Arbeit deshalb auch weniger Arbeit, denn mehr eine Haltung den Menschen gegenüber. Und das macht es auch so schwer, ihr einen Geldbetrag zuzumessen – ihre Bedeutung schmälert das aber kein bisschen.

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