Radfahren mit Strom : Merkel macht sich für Radfahrer stark

Die Bundeskanzlerin eröffnet die Fahrradmesse Eurobike – bislang haben Politiker vor allem auf das Auto gesetzt.

Wolfgang Scherreiks
Angela Merkel beugt sich über ein schwarzes Fahrrad.
Ein Siebtel aller Strecken legt der Bundesbürger inzwischen mit dem Fahrrad zurück. Auf viel viele Kilometer Kanzlerin Merkel...Foto: dpa

Friedrichshafen - Peter Altmaier hat es schon getan, Hannelore Kraft und Hans-Christian Ströbele auch; selbst Wladimir Putin weiß, dass man als radelnder Politiker bei Presseterminen eine gute Figur macht. Das Rad steht für Fitness, Jugend und Umweltschutz, das hilft im Wahlkampf. Davon hat auch Angela Merkel gehört. Erstmals kam sie am Mittwoch zur Eröffnung der Fahrrad-Leitmesse Eurobike nach Friedrichshafen am Bodensee. Bislang waren Regierungschefs eher in Flitzern auf Automessen aufgefallen. „Deutschland ist auch eine Fahrradnation“, befand die Bundeskanzlerin.

Vor allem in den Städten wird das Fahrrad immer wichtiger – ein Zehntel aller Strecken legen die Bundesbürger bereits auf diese Weise zurück. „Wir werden hier noch eine Steigerung erleben, davon bin ich überzeugt“, bekundete Merkel. Das Rad ist auch ein Wirtschaftsfaktor – knapp 300 000 Menschen arbeiten in der Branche, allein der Handel kommt auf fünf Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Allerdings ist die Regierungschefin kein bedingungsloser Fahrradfreund. „Ich glaube, für den gegenseitigen Respekt der Verkehrsteilnehmer auf der Straße ist es wichtig, dass jeder seinen Beitrag leistet“, findet sie. Das betreffe Autofahrer, aber auch Radler. „Regelwidrigkeiten können auch mit dem Fahrrad nicht erlaubt sein.“

In diesem Jahr machte der Branche lange Zeit das Wetter zu schaffen. Der lange Winter und das verregnete Frühjahr schmälerten das Geschäft. Hinzu kamen noch schlechte Noten für Elektrofahrräder von der Stiftung Warentest.

Dabei ruht die Hoffnung der Branche genau auf diesen E-Bikes. Bereits 1,3 Millionen solcher Exemplare rollen auf Deutschlands Straßen. Mittelfristig werde jedes siebte verkaufte Rad einen solchen Antrieb haben, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband. Auf der Eurobike orderten 40 000 Fachhändler aus 49 Ländern die Ware, die 2014 in den Läden stehen wird. „Alles, was unelektrifiziert war, wird in der Zukunft auch elektrifiziert auf dem Markt kommen“, sagt Markus Riese, Geschäftsführer des hessischen Herstellers Riese und Müller. „Die urbane Mobilität der Zukunft wird sich nachhaltig durch die E-Bikes verändern.“

Bei den E-Bikes geht es darum, Angebotslücken zu schließen. Beim Schweinfurter Hersteller Haibike gibt es etwa ein Enduro-Fahrrad namens Xduro Nduro Pro, das den Fahrer mit einem 250-Watt-Motor unterstützt. Preis: 6499 Euro. Auch für Schnellfahrer gibt es etwas im Angebot: Das E-Bike Xduro Race wartet auf Käufer, die 5999 Euro anlegen wollen. „Wir wollen denjenigen erreichen, der gerne Rennrad fährt, aber nicht mehr ganz so zum Trainieren kommt“, sagt Produktmanager Christian Malik. Der Trend gehe zum sportiven E-Bike. Allerdings verlangt der 350-Watt-Motor, der bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h unterstützt, ein Kennzeichen, eine Versicherung und einen Mopedführerschein.

Hercules setzt auf ein elektrisches Lastenrad namens Rob Cargo. Es rollt auf kleinen 24-Zoll-Rädern, um das Be- und Entladen zu erleichtern. Für 2799 Euro wechselt es den Besitzer. Pendlern bietet der Hersteller Electrolyte das 19 Kilo schwere Modell Brandstifter an. Auch hier helfen 250 Watt beim Fortkommen, der Preis der limitierten Auflage liegt bei 4750 Euro. Die großen Trends sind ansonsten eine gute Optik, Komfort und Individualität. Der niederländische Hersteller Koga präsentierte unter dem Namen Lifestijl einen Rahmen, bei dem Kabel und Züge nach innen verlegt sind. Auch der oft den Anblick störende Akku verschwindet im Rahmen. Auch beim Zubehör gibt es Neues, vor allem mehr Leistung. Beim Marktführer Bosch sorgt dafür ein Getriebe, das die Motorleistung IM Verhältnis 1:2,5 übersetzt.

Angela Merkel zeigte sich angetan von den schönen Neuheiten. Da wollte sie keine schlechte Laune verbreiten – und wies darauf hin, dass eine Helmpflicht für Radfahrer für sie weiter kein Thema sei. „Wir wollen nicht, dass jemand von der Benutzung abgehalten wird“, sagte sie.

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