Reaktionen auf Fitschen-Interview : Politik wundert sich über den Chef der Deutschen Bank

Der Ko-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat im Tagesspiegel-Interview vor zu viel Ungleichheit in Deutschland gewarnt. Politiker der Großen Koalition reagieren überrascht.

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Jürgen Fitschen führt die Deutsche Bank zusammen mit dem Ex-Investmentbanker Anshu Jain. Foto: picture-alliance/dpa
Jürgen Fitschen führt die Deutsche Bank zusammen mit dem Ex-Investmentbanker Anshu Jain.Foto: picture-alliance/dpa

Die Warnung des Deutsche- Bank-Ko-Chefs Jürgen Fitschen vor einem weiteren Auseinanderklaffen der Vermögensverhältnisse in Deutschland stößt auf ein positives Echo in der Politik. „Dass der Chef der Deutschen Bank so redet, ist erstaunlich“, sagte Peter Weiß, der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am Montag dem Tagesspiegel. „Aber Fitschen spricht etwas Richtiges an: Deutschland verträgt nicht zu viel Ungleichheit. Sie ist ein Sprengsatz für die Gesellschaft“. Mit dem Ausbau des Niedriglohnsektors habe die soziale Ausgewogenheit in Deutschland gelitten. „Es wäre wünschenswert, wenn sich die Einkommens- und Vermögenschere nicht noch weiter öffnet“, sagte Weiß. Auch deshalb sei die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns richtig gewesen.

Fitschen hatte im Tagesspiegel-Interview (Montagausgabe) gesagt, viele Menschen hätten in den vergangenen zehn Jahren keine Reallohnerhöhung gesehen. „Irgendwann könnte der Geduldsfaden reißen, wenn die Vermögenden in Zukunft immer mehr verdienen, während zu viele Bürger das Gefühl entwickeln, nicht angemessen teilhaben zu können an dem gemeinsam erwirtschafteten Mehrwert“, sagte der Banker. „Die Reichen dürfen ihre Augen nicht vor den Sorgen der anderen verschließen.“ Fitschen stehe mit seinem Vorstoß unter den deutschen Top-Managern wohl allein, sagte Weiß. „Das ist eine Einzelmeinung.“ Der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Carsten Sieling, fügte hinzu: „Die Worte von Herrn Fitschen höre ich gerne, noch lieber wäre mir, wenn die Deutsche Bank ihre Millionenboni abbauen sowie Reichen und Vermögenden nicht mehr den Fluchtweg in Steueroasen bereiten würde.“

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