Reiche Pensionäre : Beamte halten Vermögensvergleich für unseriös

Ex-Staatsdiener haben im Schnitt 300.000 Euro, hat das Statistische Bundesamt herausgefunden, doppelt so viel wie der Schnitt der Deutschen. Der Beamtenbund warnt vor einer Neiddebatte.

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Sorglos im Alter: Das trifft vor allem auf Pensionäre und Selbstständige zu.
Sorglos im Alter: Das trifft vor allem auf Pensionäre und Selbstständige zu.Foto: dpa

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts haben die Diskussion über eine gerechte Verteilung der Vermögen in Deutschland wieder entfacht. Nach der jüngsten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) der Behörde gehören nämlich die Pensionäre zu den größten Gewinnern der vergangenen Jahre. Ein Pensionärshaushalt verfügte 2013 im Schnitt über ein Netto-Gesamtvermögen von 298 700 Euro und hatte damit mehr als doppelt so viel wie der Schnitt der Deutschen. Angestellte kommen nach den Zahlen der Statistiker gerade einmal auf 112 000 Euro, Rentner auf 127 000 Euro, nur Selbstständige reichen mit einem Gesamtvermögen von netto 257 500 Euro an die Pensionäre heran. Allerdings bleiben Top-Verdiener bei der Studie außen vor: Haushalte mit Einnahmen von über 18 000 Euro im Monat werden nicht berücksichtigt.

Daher stehen die Ex-Staatsdiener im Fokus der Untersuchung. Dass sie in den vergangenen fünf Jahren ihr Vermögen um über 21 Prozent verbessern konnten, liegt vor allem an ihren Immobilien und Aktien. Drei Viertel der Pensionäre haben Haus- und Grundbesitz, oft in guten Lagen, und profitieren daher vom Immobilienboom. Zudem verfügt jeder Pensionärshaushalt über Wertpapiere im Wert von durchschnittlich 35 100 Euro.

Hinzu kommen die Pensionen. Das Durchschnittsruhegehalt eines Bundesbeamten liegt bei 2850 Euro im Monat, deutlich höher also als die Durchschnittsrente von gerade einmal 854 Euro. Während das Niveau in der gesetzlichen Rentenversicherung sinkt und private Zusatzversicherungen wegen der dauerhaften niedrigen Zinsen immer weniger Gewinne abwerfen, bekommen Beamte nach 40 Jahren im Dienst 71,75 Prozent ihres letzten ruhestandsfähigen Dienstbezugs als Pension.

Grafik: Anna Schmidt

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält das für ungerecht. „Beamte genießen viele Privilegien“, sagte der Ökonom dem Tagesspiegel. „Ihre Arbeitsplätze sind sicher, und für ihre Altersversorgung zahlt der Staat, deshalb können Beamte mehr sparen als Angestellte.“ Als sichere Schuldner bekämen Staatsdiener zudem günstigere Kredite und könnten sich daher eher Immobilien leisten. „In den letzten Jahren sind die Geldvermögen stark gestiegen“, weiß Grabka. „Davon profitiert aber nur, wer Kapital hat“ – also vor allem die Pensionäre und die Selbstständigen. Privilegiert seien die Beamten auch bei den Pensionen, findet Grabka. Während bei der gesetzlichen Rente Ausbildungszeiten nicht mehr für eine höhere Rente sorgen, ist das bei den Pensionen anders. „Hier wünsche ich mir eine Gleichbehandlung“, fordert Grabka.

Beim Beamtenbund sieht man die Dinge anders. „Die Pensionen werden voll besteuert, außerdem müssen die Beamten davon ihre private Krankenversicherung bezahlen“, gibt Britta Ibald zu bedenken. Auch den Vergleich von Renten und Pensionen hält die Sprecherin des Beamtenbundes für unseriös. In die Berechnung der Durchschnittsrente fließen nämlich auch Menschen mit geringen Ansprüchen ein – Rentner mit gebrochenen Erwerbsbiographien, Frauen, die wegen der Kindererziehung zu Hause geblieben sind, Arbeitslose. Beamte seien dagegen meist ununterbrochen beschäftigt, kein Wunder also, dass die Durchschnittspension höher ist, sagt Ibald. Auf 71,75 Prozent des letzten Bruttoverdienstes kämen aber auch die meisten Ruheständler längst nicht mehr. Wegen der längeren Ausbildungszeiten und dem späteren Eintritt in den Dienst liege das Pensionsniveau eher bei 68 Prozent. Zum Vergleich: In der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Bruttorentenniveau inzwischen auf gerade einmal 44 Prozent gesunken.

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