Resistente Keime : Gefährliche Bakterien in Wurst und Aufschnitt

Guten Appetit: Bei Stichproben in 13 deutschen Städten fanden Forscher in verschiedenen rohen Wurstwaren gesundheitsgefährdende Keime. Schuld daran sind offenbar Antibiotika in der Masttierhaltung.

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In Dänemark sind zwölf Menschen gestorben, nachdem sie mit Listerien-Bakterien infizierte Wurst gegessen hatten.
In Dänemark sind zwölf Menschen gestorben, nachdem sie mit Listerien-Bakterien infizierte Wurst gegessen hatten.Foto: dpa

Sie stecken im Mettbrötchen, in der Salami und in der Teewurst: Keime, die resistent gegen Antibiotika sind. Wer sie zu sich nimmt, in dessen Körper vermehren sie sich – und können so dauerhaft die Wirkung von Antibiotika beeinträchtigen. Im Rahmen einer Untersuchung in 13 deutschen Städten haben Wissenschaftler in 16 Prozent aller Roh-Wurstwaren solche sogenannten ESBL-Keime gefunden. Unter Putenprodukten waren es sogar 66 Prozent. Die Studie war von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben worden. Die Prüfer wiesen die Keime in zehn von 63 Produkten nach, die sie in Discountern, Supermärkten und Bäckereien eingekauft hatten. Zweimal bekamen sie belastete Fleischprodukte in Potsdam, fünf Berliner Proben waren okay.

Ursache ist der Einsatz von Antibiotika in der Masttierhaltung

Die Keime gelangen ins Fleisch, weil Bauern in der Masttierhaltung im großen Stil Antibiotika einsetzen. Wo viele Tiere auf engem Raum leben, soll so die Ausbreitung von Krankheiten verhindert werden. Manche Tiere entwickeln dadurch aber eigene Bakterien, die gegen Antibiotika immun sind. Unsere Magensäure kann diesen Bakterien nichts anhaben. Sie überleben die menschliche Verdauung und vermehren sich im Darm, können so dauerhaft Antibiotika behindern und medizinische Behandlungen erschweren.

Besonders häufig kamen die Keime in Mettprodukten vor (22 Prozent). Im Dezember 2012 hatte die Rate in diesem Segment mit 16 Prozent noch niedriger gelegen. Vor allem Putenprodukte waren belastet: Putenzwiebelmettwurst von Rewe, Penny und Kaufland sowie Putenmettwurst von Netto wurden im Labor positiv getestet. In Potsdam enthielt neben einer Zwiebelmettwurst von Kaufland ein Mettbrötchen der Fleischerei Bendig die Bakterien. Auch eine Teewurst der Marke Rügenwalder und die Paprikaschinkenmettwurst von Aldi trugen Keime in sich.

Die Grünen wollen den großflächigen Einsatz von Antibiotika stoppen

Die Grünen fordern die Regierung auf, den großflächigen Einsatz von Antibiotika zu stoppen. „Das Tiermastsystem ist eine tickende Zeitbombe“, sagte Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Bundestag, dem Tagesspiegel. „Mit den Produktionsmethoden beim Billigfleisch gefährden wir unsere eigene Gesundheit.“ Auch das Bundesamt für Risikoforschung sieht wegen der Keime in Lebensmitteln ein Problem für die Verbrauchergesundheit. Schätzungen zufolge haben bereits sechs Millionen Deutsche die Keime in sich. Und jährlich sterben rund 30 000 Menschen in Deutschland, weil sie nicht mehr auf Antibiotika ansprechen.

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