Rewe verschärft den Ton im Fall Kaiser's : "Wir werden nicht den Ausputzer für Edeka spielen"

Notfalls vor Gericht: Rewe-Chef Alain Caparros will auf keinen Fall zusehen, wie Edeka Kaiser's-Tengelmann schluckt. Das Vorgehen des Marktführers sei "eine Riesensauerei", sagte er dem Tagesspiegel.

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Rewe-Chef Alain Caparros
Rewe-Chef Alain Caparros will mit aller Macht dagegen kämpfen, dass Edeka Kaiser's-Tengelmann bekommt.Foto: dpa

Herr Caparros, Edeka will Kaiser's-Tengelmann übernehmen und ist bereit, ein Viertel der Märkte abzugeben, um das Kartellamt zu versöhnen. Wären Sie an den übrigen Filialen interessiert?
Nein. Wir werden nicht den Ausputzer spielen, damit Edeka seine Pläne verwirklichen kann. Ein solches Angebot lehnen wir ab.

Was, wenn ein anderer den Rest nimmt?
Unser Ziel ist es, dass Edeka dieses Unternehmen nicht bekommt. Edeka hat jetzt schon 25 Prozent Marktmacht. Wir sind der zweitstärkste Händler, aber mit 15 Prozent deutlich dahinter. Wir wissen, dass wir in den Augen des Kartellamts nicht der weiße Ritter sind. Aber wir stehen zu unserem Versprechen: Wir sind bereit, sämtliche Kaiser's-Tengelmann-Standorte und Mitarbeiter zu übernehmen, inklusive Zentrale, Logistik, Produktion, Betriebsrat und Tariflöhnen. Am Besten wäre es jedoch, wenn ein Dritter die Standorte bekäme.

Sie lassen anderen edel den Vortritt?
Wir profitieren, wenn wir nicht alleine gegen Edeka stehen. Damit der Wettbewerb weiter funktioniert, muss die Konkurrenz auf eine kritische Masse kommen. Wenn kleinere Mitbewerber eingehen, stärkt das vor allem den Marktführer. Das Kartellamt hat das missbräuchliche Verhalten von Edeka gegenüber Lieferanten bereits nach der Übernahme von Plus festgestellt, als rückwirkend Vergünstigungen für Produkte verlangt wurden, die der Discounter zu besseren Konditionen beim Hersteller bezogen hatte.

Und wenn sich kein Dritter findet?
Unter der Bedingung, dass der große Edeka-Deal nicht zustande kommt, übernehmen wir gerne auch einzelne Märkte. 90 Prozent des Filialnetzes sind für uns interessant, vor allem in den Regionen München und Berlin. Fakt ist: Jeder Laden, den Edeka bekommt, schwächt uns. Wir wissen aber, dass auch Andere an Teilen des Unternehmens interessiert sind. Die Schweizer Migros könnte sich zum Beispiel für ein Bayernpaket interessieren. Vielleicht bieten die einzelnen Investoren nicht den Kaufpreis, den sich Herr Haub vorgestellt hat, aber die Jobs wären gerettet.

Das Argument für eine Sondergenehmigung durch den Wirtschaftsminister wäre also hinfällig?
Es ist eine Riesensauerei, wie Edeka versucht, Herrn Gabriel als Trauzeuge für diese Hochzeit zu gewinnen. Kaiser’s-Tengelmann hat in den zurückliegenden Jahren viel in seine Läden investiert, die Märkte sind attraktiv. So zu tun, als wäre der Marktführer Edeka die letzte Rettung, ist eine Frechheit.

Was bedeutet es für Rewe konkret, wenn Edeka weiter wächst?
Dann werden wir bei den Preisen absehbar nicht mehr mithalten können. Es gibt vier große Akteure in der Branche – neben Edeka und uns die Familienunternehmen Albrecht und Schwarz. Wenn sich der Wettbewerb weiter zuspitzt, wird früher oder später einer untergehen. Ich möchte nicht, dass wir das sind.

Sind Sie entschlossen, rechtlich gegen eine Entscheidung des Kartellamts vorzugehen, wenn sie zugunsten von Edeka ausfällt?
Ja. Wir werden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen.

Der Markt in Deutschland ist satt, neue Supermärkte werden kaum noch genehmigt. Wo wollen Sie mit Rewe hin?
Wenn es keine Möglichkeit der Expansion mehr gibt, muss das Unternehmen von innen heraus entwickelt werden. Also setzen wir auf neue Konzepte, mit Biomärkten oder Rewe to go, kleinen City-Shops für den schnellen Bedarf. Dort sehen wir Potenzial für 400 bis 500 Märkte in Deutschland. Auch die Kooperation mit Tankstellen ist ein Geschäftsmodell, das wir ausschöpfen wollen.

Wie läuft es mit dem Onlinehandel?
Das ist eine große Chance für uns! Der Lieferservice kann uns helfen, den Abstand zu Edeka zu reduzieren. Wir haben die besten Spezialisten an Bord geholt, beliefern aktuell 57 Städte in Deutschland. Dieses Angebot bauen wir weiter aus. Die Reise geht dorthin, wo der Kunde auf uns wartet – das heißt im Zweifel: Zuhause. Mit der Umsatzentwicklung sind wir zufrieden. Online bietet uns die Möglichkeit, überall da hinzukommen, wo wir nicht so stark sind. Zum Beispiel in Berlin. Berlin ist unsere absolute Priorität.

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