Rohstoffe : Seltene Erden - auf nach Kasachstan

06.02.2012 10:51 Uhrvon
Rohstoffreich. Demnächst sollen auch Seltene Erden in Kasachstan abgebaut werden. Dazu wird Unterstützung aus Deutschland gebraucht. Foto: Reuters
Rohstoffreich. Demnächst sollen auch Seltene Erden in Kasachstan abgebaut werden. Dazu wird Unterstützung aus Deutschland gebraucht. - Foto: Reuters

Die deutsche Industrie umgeht China und findet einen neuen Lieferanten für Seltene Erden. Kasachstans Staatschef Nasarbajew kommt nach Berlin.

Wenn man Wladimir Putin einen lupenreinen Demokraten nennen wollte, wäre Nursultan Nasarbajew wohl so etwas wie ein trüber Demokrat: Er regiert als Präsident die zentralasiatische Republik Kasachstan seit der Staatsgründung 1991. Beobachter bezeichneten die Parlamentswahl vor einem Monat als „Inszenierung“. Dennoch werden Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel dem 71-Jährigen an diesem Mittwoch in Berlin den roten Teppich ausrollen. Denn Nasarbajews Land hat etwas, was Deutschland (fast) nicht hat: Rohstoffe.

Die deutsche Wirtschaft braucht jeden Lieferanten, wie der jüngste Bericht der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) zeigt: Demnach wurden hierzulande im Jahr 2010 Rohstoffe im Wert von 17,7 Milliarden Euro produziert, vor allem auch Energierohstoffe wie Braunkohle und Erdgas. Daneben werden Kies, Ton und Gips in signifikanten Mengen gefördert. Zugleich musste Deutschland aber Rohstoffe für mehr als 109 Milliarden Euro importieren.

Eine wichtige und ausbaufähige Rolle spielt Kasachstan, das fast achtmal so groß wie Deutschland ist, aber kaum mehr Einwohner hat als Nordrhein-Westfalen. Kasachstan ist schon heute nach Russland und Großbritannien unser drittgrößter Rohöllieferant. Künftig soll das Land für die deutsche Wirtschaft aber auch den Zugang zu den berühmten Seltenen Erden sichern. Dahinter verbergen sich Spezialmetalle wie Samarium, das in Lasergeräten steckt. Oder Neodym, das man etwa zum Bau superstarker Magnete braucht, wie sie in Kernspintomographen oder Computerfestplatten verbaut werden. Andere Metalle braucht man etwa für Batterien von Elektroautos.

Um an diese Stoffe zu kommen, führte bisher kaum ein Weg an China vorbei. Die Chinesen haben die Kontrolle über rund 95 Prozent der erschlossenen Vorkommen für Seltene Erden – obwohl nur ein Drittel dieser Metalle in Chinas Böden liegt. Auch in Australien oder eben Kasachstan gibt es größere Vorkommen, die bisher aber kaum ausgebeutet werden. China nutzte sein Quasi-Monopol, und setzte die Seltenen Erden vor zwei Jahren auf eine Liste mit nunmehr 270 Produkten, die strengen Exportbeschränkungen unterliegen. Das verteuerte diese Metalle auf dem Weltmarkt extrem – mit Folgen für die Verbraucher: Vor einigen Monaten rechtfertigten zum Beispiel die führenden Leuchtmittelersteller Philips und Osram eine kräftige Verteuerung ihrer Energiesparlampen mit dem Verweis auf Chinas Rohstoffpolitik.

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