Wirtschaft : Rubel-Krise erschüttert Lateinamerika

MEXIKO-STADT (mmb/HB).Die De-facto-Abwertung des russischen Rubels hat den Abwärtstrend auf den lateinamerikanischen Finanzmärkten verstärkt.Die Analysten rechnen jedoch nicht mit gravierenden Konsequenzen, solange der Abwertungssog nicht auch den chinesischen Yuan erfaßt.

In Lateinamerika richteten sich nach Bekanntwerden der Rubelabwertung alle Blicke auf Brasilien.Ähnlich wie Rußland leidet dieses Land unter einer hohen kurzfristigen Binnenverschuldung sowie großen Defiziten in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt.Außerdem gilt der brasilianische Real seit längerem als leicht überbewertet.Doch die Analysten halten ein Übergreifen des Abwertungsdrucks auf den Real für wenig wahrscheinlich.Denn: Brasiliens Wirtschaft und sein Finanzsystem sind vergleichsweise solide.Außerdem verfügt die Zentralbank über ein komfortables Polster von über 70 Mrd.Dollar an Währungsreserven, um im Fall einer Kapitalflucht den Real zu verteidigen.

In Mexiko verlor der Peso in Reaktion auf die Ereignisse in Rußland markant an Boden.Die Zentralbank sah sich zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gezwungen, auf dem Geldmarkt einzugreifen.Sie erhöhte den Betrag, um den sie täglich die Geldmenge kürzt, von 50 auf 70 Mill.Dollar.

Die Währungsturbulenzen wirkten sich auch auf den Aktienmärkten negativ aus.Nach Einschätzung von Analysten hatten jedoch die Probleme in Rußland bereits in den vergangenen Wochen Wertkorrekturen bewirkt, womit sich das Panorama mit der Abwertung vom Montag nicht grundsätzlich veränderte.

Entscheidend wird nun sein, daß sich der chinesische Yuan vom Rubel nicht anstecken läßt.Denn wertet auch China ab, würde die gesamte asiatische Region neuen Schaden nehmen - und damit auch Lateinamerika, das mit Asien weit enger wirtschaftlich verbunden ist als mit Rußland.

So oder so wird die Rubelabwertung nicht dazu beitragen, daß die Investoren ihr Vertrauen in die aufstrebenden Märkte zurückgewinnen.Nach den Wertverlusten von bis über 30 Prozent im Verlauf dieses Jahres wäre der Einstieg in die lateinamerikanischen Börsen zwar verlockend - zumal die Volkswirtschaften nach wie vor kräftig wachsen.Mexiko zum Beispiel wartete am Wochenanfang mit der Nachricht auf, daß die Industrieproduktion im Juni mit sieben Prozent deutlich stärker gestiegen war als erwartet.Die Analysten raten den Investoren aber mindestens bis Ende des Jahres zur Zurückhaltung.Bis dahin rechnen sie noch mit hohen Schwankungen.

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