Rückhalt in Steueraffäre : Zweierlei Maß im Fall Uli Hoeneß

Adidas, Telekom und Volkswagen stützen den Präsidenten des FC Bayern München Uli Hoeneß, der wegen Steuerhinterziehung angeklagt worden ist. Investoren und Aktionären gefällt das gar nicht.

von und
Der Präsident des FC Bayern München wurde wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Dennoch erfährt er von vielen Seiten Rückhalt.
Der Präsident des FC Bayern München wurde wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Dennoch erfährt er von vielen Seiten Rückhalt.Foto: Reuters

Die Unterstützung des FC Bayern München und seines wegen Steuerhinterziehung angeklagten Präsidenten Uli Hoeneß droht zu einem ernsthaften Risiko für die börsennotierten Unternehmen Adidas, Deutsche Telekom und Volkswagen/Audi zu werden. Investoren und Aktionäre werfen den Konzernen gravierende Versäumnisse bei der rechtlich sauberen Unternehmensführung (Compliance) vor. Als Anteilseigner und Sponsoren des Fußballklubs setzten sie ihren guten Ruf und ihren Unternehmenswert aufs Spiel, wenn sie sich in der Steueraffäre geschlossen hinter Hoeneß stellten.

„Das ist für uns ein sehr wichtiges Thema“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, dem Tagesspiegel. „Die Unternehmen müssen sich fragen lassen, wie glaubwürdig ihre Compliance-Regeln sind.“ Union Investment hält als eine der größten deutschen Fondsgesellschaften größere Aktienpakete an den betroffenen Dax-Konzernen. Werde Hoeneß, der sich vom 10. März 2014 an vor Gericht wegen Steuerbetrugs verantworten muss, verurteilt, „werden wir uns den Fall sehr genau ansehen“, drohte Speich. Was der Fondsmanager nicht ausspricht, aber mit seiner Drohung andeutet: Eskaliert die Situation, könnte der Großaktionär zum Verkauf seiner Aktien gezwungen sein.

Es werde offenkundig mit „zweierlei Maß gemessen“, sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dem Tagesspiegel. „Gäbe es ein ähnliches Vergehen bei einer Audi-Tochter oder einer Adidas-Beteiligung wären die Beschuldigten ihren Job sofort los.“ Als Bayern-Aktionäre seien die Unternehmen nachsichtiger. Der Imageschaden sei groß, sagte Bauer. „Wir sehen das sehr kritisch.“ Von einer Unschuldsvermutung dürfe man bei Hoeneß, der seine Steuerhinterziehung selbst angezeigt hatte, nicht ausgehen.

Adidas ist mit 9,1 Prozent an der FC Bayern AG beteiligt und Hauptsponsor des Vereins, die VW-Tochter Audi hält ebenfalls 9,1 Prozent. Im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzen unter anderem VW- Chef Martin Winterkorn und der künftige Chef des Bayern-Sponsors Telekom Timotheus Höttges. Die Adidas- und Audi-Chefs Herbert Hainer und Rupert Stadler sind Stellvertreter von Aufsichtsratschef Hoeneß.

Als börsennotierte Unternehmen haben sich die Bayern-Unterstützer selbst auf strenge Compliance-Regeln gemäß Aktiengesetz (Paragraf 93) verpflichtet. Darin versprechen sie die Einhaltung von Sorgfaltspflichten und Verantwortlichkeit, um Interessenkonflikte etwa zum Nachteil ihrer Anteilseigner zu vermeiden. Bereits im Mai hatte Fondsmanager Speich auf der Hauptversammlung der Telekom gefordert: „Was nach innen gilt, muss auch nach außen gelten. Wir mahnen hier zu besonderer Vorsicht mit Blick auf mögliche Reputationsrisiken.“ Auch für Adidas und Audi seien Beschädigungen ihres Markenwerts gefährlich, da sie „sehr konsumnah“ aufgestellt und von der Gunst markentreuer Kunden abhängig seien, sagte Speich dem Tagesspiegel.

Fan aus Niedersachsen. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (r.) sitzt im Aufsichtsrat der FC Bayern AG. Im Vorjahr gratulierte er Uli Hoeneß zum 60. Geburtstag.
Fan aus Niedersachsen. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (r.) sitzt im Aufsichtsrat der FC Bayern AG. Im Vorjahr gratulierte er...Foto: Reuters

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre will den Fall Hoeneß ebenfalls bei den kommenden Hauptversammlungen zur Sprache bringen. „Sport-Sponsoring ist nur dann zu tolerieren, wenn ein spürbar positiver Imagetransfer zu den Unternehmen stattfindet“, sagte Verbandschef Markus Dufner. „Es ist sehr fraglich, ob dies im Fall einer Verurteilung von Hoeneß noch der Fall ist.“ Bliebe Uli Hoeneß als rechtskräftig verurteilter Steuerbetrüger tatsächlich im Amt: Wären öffentliche Sympathiebekundungen zwischen VW-Chef Martin Winterkorn, dem erklärten Bayern-Fan, und Hoeneß noch vermittelbar? Geriete zum Beispiel das rot-grün regierte Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, nicht in Erklärungsnöte? Schließlich sitzen Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) im Aufsichtsrat des Autokonzerns. In Hannover will man zum Fall Hoeneß keine Stellung nehmen. Zu hören ist aber, dass im Fall einer Verurteilung von Hoeneß „alle miteinander neu nachdenken müssten“. Noch sei freilich „kein Schaden für das Land Niedersachsen entstanden“. Und die Marke FC Bayern München habe ebenfalls keinen Schaden genommen.

Während Aktionäre und Sponsoren der Bayern abwarten, wie die Richter des Landgerichts München entscheiden, sorgt Uli Hoeneß derweil selbst vor, um Schaden von seinen Geldgebern abzuwenden. So verbindet den Versicherungskonzern Allianz und den FC Bayern eine langjährige Partnerschaft. Das Stadion, in dem der FC Bayern bei Heimspielen antritt, trägt den Namen des Versicherers. Man kennt sich, immerhin sitzen beide Unternehmen in München, Uli Hoeneß war zudem Aufsichtsratsmitglied bei einer Allianz-Tochter. Doch nun zeigt die Steueraffäre auch im Verhältnis zur Allianz Wirkung. Zum 30. November gibt der Bayern-Präsident sein Amt im Gremium der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG auf. Aus eigenem Antrieb, wie man bei der Allianz betont. „Herr Hoeneß ist auf uns zugekommen und hat uns mitgeteilt, dass er das Mandat niederlegt“, berichtete vor dem Wochenende Finanzvorstand Dieter Wemmer. „Wir haben seine Entscheidung respektiert.“

Trotz des Danks für seine „sehr engagierte Arbeit“ lassen sich in der vornehmen Münchner Königinstraße, wo die Allianz ihren Hauptsitz hat, aber leichte Absetzbewegungen zum Steuersünder Hoeneß nicht übersehen. Man habe eine langjährige Partnerschaft mit dem Verein und nicht mit einer Einzelperson, sagt man bei der Allianz. Um gleich noch klarzustellen, dass andere Unternehmen wohl eher am Zug seien, Position zu beziehen. „Wir sind nicht der Hauptsponsor“, betont Wemmer.

52 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben