Rüdiger Grube im Interview : Bahn-Chef: Züge so pünktlich wie seit sieben Jahren nicht mehr

2013 war für die Deutsche Bahn ein schlechtes Jahr. Jetzt werden die Züge zuverlässiger und das Geschäft besser, sagt der Bahn-Chef. Auch die Kunden sollen profitieren.

Carsten Brönstrup, Lorenz Maroldt
Bahn-Chef Rüdiger Grube gestikuliert mit Daumen und Zeigefinger.
Rüdiger Grube ist seit genau fünf Jahren Chef der Deutschen Bahn. In dieser Zeit hat die Bahn Rekordgewinne eingefahren - aber...Foto: Thilo Rückeis

Die Züge der Deutschen Bahn sind derzeit deutlich zuverlässiger unterwegs als im Krisen-Jahr 2013. „Unsere Züge waren in den vergangenen vier Monaten so pünktlich wie seit sieben Jahren nicht mehr“, sagte Konzernchef Rüdiger Grube dem Tagesspiegel. Selbst im Fernverkehr sei dies der Fall – „im Moment sind es weit über 80 Prozent, an einigen Tagen sogar 90 Prozent. Solch positive Werte habe ich bei der Bahn noch nie erlebt“, berichtete Grube. Das liege am milden Wetter, der gesunkenen Zahl von Baustellen und der lange erwarteten Lieferung neuer ICE-Züge von Siemens. Im vergangenen Jahr hatte vor allem das Elbe-Hochwasser für eine schlechtere Pünktlichkeit gesorgt.

 Auch im Schienen-Güterverkehr, einem der Sorgenkinder des Konzerns, bessert sich dem Bahn-Chef zufolge die Lage. „Wir liegen in den ersten vier Monaten über dem Vorjahr“, berichtete er. 2013 hatte die Bahn nach Zinsen hier noch Verlust gemacht.

 Grube kündigte an, dass die Bahn ihre Kunden in Zukunft besser informieren wolle. „Wir haben gerade ein Team von 20 Leuten ins Silicon Valley geschickt. Sie sollen dort nach Lösungen suchen, die unsere Computertechnik verbessern.“ Es gebe durch viele Erweiterungen Probleme an den Schnittstellen. „Das ist ein riesiges Projekt, das ich persönlich mit meinen Kollegen überwache.“ Er wandte sich gegen allzu heftige Kritik gegen die Leistungen der Bahn. „Man sollte bei Pannen nicht immer ins Bahn-Bashing verfallen, sondern anerkennen, was unsere Mitarbeiter leisten“, verlangte er.

 Zugleich stellte der Manager neue Angebote im Fernverkehr in Aussicht nach dem Muster des Interregio-Express (IRE), der seit Mitte April auch zwischen Berlin und Hamburg fährt. „Wenn der IRE auf Dauer erfolgreich ist, können wir uns vorstellen, weitere Strecken anzubieten“, kündigte Grube an. Der IRE ist günstiger als ein ICE, dafür aber länger unterwegs.

Die Konkurrenz der Fernbusse habe das Unternehmen im vergangenen  Jahr 20 Millionen Euro Gewinn gekostet, sagte der Bahn-Chef dem Blatt weiter. Er rechnet damit, dass sich der Markt bald bereinigt. „Der Boom bei den Bussen wird nicht ewig weitergehen – viele fahren keinen Gewinn ein, aber die Investoren werden irgendwann eine Rendite sehen wollen.“

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