• Rüstungskonzern baut politisches Netzwerk aus: Ex-Verteidigungsminister Jung soll in Rheinmetall-Aufsichtsrat
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Rüstungskonzern baut politisches Netzwerk aus : Ex-Verteidigungsminister Jung soll in Rheinmetall-Aufsichtsrat

Er wäre nach Dirk Niebel der zweite Ex-Minister im Aufsichtsrat von Rheinmetall. LobbyControl: "Rüstungskonzern baut politisches Kontaktnetzwerk aus"

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Franz Josef Jung (hier 2009) war von November 2005 bis zum Oktober 2009 Verteidigungsminister.
Franz Josef Jung (hier 2009) war von November 2005 bis zum Oktober 2009 Verteidigungsminister.Foto: Thilo Rückeis

Der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung soll in den Rheinmetall-Aufsichtsrat einziehen. Das geht aus den Unterlagen zur Hauptversammlung hervor, die am 9. Mai stattfinden wird. Der 68-jährige CDU-Politiker, der von 2005 bis 2009 an der Spitze des Verteidigungsministeriums stand und danach kurz Bundesarbeitsminister war, soll dann in das Kontrollgremium gewählt werden.

Der Rheinmetall-Konzern mit 5,6 Milliarden Euro Umsatz besitzt zwei nahezu gleich große Säulen aus Automobiltechnik sowie Rüstung. Das Düsseldorfer Unternehmen ist Deutschlands größter Rüstungskonzern, die Bundeswehr ist einer der größten Kunden des Konzerns.

Erst Niebel, dann Jung

Jung, der auch als Rechtsanwalt und Notar tätig ist, wäre nicht der erste Ex-Minister, der dann für Rheinmetall tätig ist. Seit Anfang 2015 ist der ehemalige Bundesentwicklungsminister und FDP-Politiker Dirk Niebel bei dem Düsseldorfer Unternehmen angestellt.

Die lobbykritische Vereinigung LobbyControl kritisierte die Personalie. "Es ist nicht überraschend, aber zugleich bedauerlich, dass nun mit Herrn Jung ein weiterer Ex-Minister bei Rheinmetall anheuert", sagte der Sprecher der NGO, Timo Lange, dem Tagesspiegel. "Der Rüstungskonzern baut damit sein politisches Kontaktnetzwerk weiter aus." Dass gerade ein ehemaliger Verteidigungsminister zu einem Rüstungsunternehmen wechsele, sende aber kein gutes Signal. "Hier hätten wir von Herrn Jung mehr politisches Fingerspitzengefühl erwartet", sagte Lange. Rein rechtlich gesehen, sei auf Grund des langen zeitlichen Abstands der Wechsel allerdings nicht zu beanstanden.

Ex-BDI-Chef Grillo soll Chef des Aufsichtsrats werden

Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" soll es auf der Hauptversammlung auch einen Wechsel im Aufsichtsratsvorsitz geben. Die Amtszeit des langjährigen Vorsitzenden Klaus Greinert läuft nach 20 Jahren in dem Gremium aus. Neuer Vorsitzender solle Ulrich Grillo werden. Der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gehört seit 2016 dem Kontrollorgan an. mit Reuters

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