Ruf des Geldes : Wege zum Reichtum

Nur noch Wenigen gelingt es, sich Reichtum zu erarbeiten. Was man dafür braucht, ist eine gute Idee - und ein bisschen Glück beim Vermarkten dieser Idee. Einfacher wird man aber auf einem ganz anderen Weg reich.

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Faszination Reichtum. Fast jeder wünscht sich reich zu sein, doch Studien zeigen: glücklicher macht das nicht. Foto: AFP
Faszination Reichtum. Fast jeder wünscht sich reich zu sein, doch Studien zeigen: glücklicher macht das nicht. Foto: AFPFoto: AFP

„Ich habe was gegen Millionäre“, soll Samuel Clemens einmal gesagt haben, „aber wenn ich die Chance hätte, einer zu werden, könnte ich für nichts garantieren.“ Sein Leben lang strebte der Amerikaner, besser bekannt unter dem Pseudonym Mark Twain, danach reich zu werden. Bevor er die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu Papier brachte, grub er nach Gold, später suchte Twain sein Glück als Unternehmer – ging aber bankrott. Wie er träumt auch heute noch so manch einer vom großen Reichtum. „Geld ist Ausdruck von Möglichkeiten“, begründet das der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Doch wirklich reich werden heute, noch mehr als früher, die wenigsten.

Weltweit gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) 12,6 Millionen Haushalte, die ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzen. Ein Großteil – 5,1 Millionen – findet sich in den USA. In Deutschland sind es laut BCG immerhin gut 345 000 Haushalte. Zu den „Superreichen“ mit 100 Millionen Dollar oder mehr, zählen in Deutschland lediglich 807 Haushalte.

Der Reichtum verteilt sich auf immer weniger Schultern. Wie aus dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervorgeht, gehören den reichsten zehn Prozent mittlerweile 53 Prozent des deutschen Vermögens, 1998 waren es noch 45 Prozent. Gleichzeitig wird es schwerer, sich Reichtum zu erarbeiten. Der Grund: „Die Lücke zwischen einfachen Einkommen und Spitzengehältern wird immer größer“, sagt Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt. Habe Mitte der 90er Jahre ein Dax-Vorstand nur das 14-fache eines durchschnittlichen Beschäftigten seines Unternehmens verdient, bekomme er heute das 54-fache. Reich durch Arbeit wird heute also nur, wer es in die Vorstandsetage schafft.

„Die überwiegende Zahl der Reichen sind heute Erben“, sagt Hartmann. So wie zum Beispiel Berthold und Theo junior Albrecht, die zu den reichsten Erben Deutschlands gehören. Sie sind die Söhne von Theo senior Albrecht, einem der beiden Aldi-Gründer, der 2010 starb. Geschätztes Vermögen der beiden Juniors: 16 Milliarden Euro. Auf der Liste der Reichsten der Welt, die das amerikanische Forbes-Magazin regelmäßig aufstellt, belegen Berthold und Theo junior Albrecht damit gemeinsam Platz 32. In Deutschland ist nur ihr Onkel, der zweite Aldi-Gründer Karl Albrecht, noch reicher.

So wie in der Familie Albrecht ist für einen Großteil des Vermögens, das heute vererbt wird, der Grundstock in den Fünfziger- bis Siebzigerjahren gelegt worden. „Wir haben jetzt zum ersten Mal seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Generation, die ohne große Abstriche durch Krieg oder hohe Inflation erbt“, sagt Hartmann. Und die Summe des vererbten Vermögens steigt weiter an. Allein in den kommenden acht Jahren sollen in Deutschland 2,6 Billionen Euro an die nächste Generation übergehen, schätzt das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Allerdings: „Die Erbenwelle erwischt vor allem die oberen zehn Prozent“, sagt der Politologe und Reichtumsforscher ErnstUlrich Huster. Das Vermögen wird sich also noch weiter konzentrieren.

Bleibt die Chance, reich zu heiraten. Friede Springer hat es einst vorgemacht. Als Kindermädchen kam sie ins Haus Springer, wurde die Frau des Verlegers Axel Springer und besitzt ein geschätztes Vermögen von 2,5 Milliarden Euro . Oder Liz Mohn, die als Telefonistin im Bertelsmann-Konzern anfing und später Ehefrau von Rheinhard Mohn wurde. Beide sind heute nicht nur reich, sie sind auch erfolgreiche Unternehmerinnen.

Bildergalerie - Die reichsten Deutschen:

Die reichsten Deutschen
Im Gesamtklassement reicht es nur für Platz 5. Aber Susanne Klatten ist die reichste Frau der Bundesrepublik. Die BMW-Erbin konnte ihr Vermögen stark ausbauen, es wuchs um 1,05 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden Euro.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
11.10.2011 10:38Im Gesamtklassement reicht es nur für Platz 5. Aber Susanne Klatten ist die reichste Frau der Bundesrepublik. Die BMW-Erbin konnte...

Auch wenn ein Großteil des künftigen Reichtums aus einem Erbe oder Heirat resultieren wird, ist es nicht unmöglich sich auch ohne das Geld früherer Generation ein Vermögen aufzubauen. „Sie brauchen dafür vor allem eine außergewöhnliche Idee“, sagt Politologe Huster. Und die muss sich dann auch noch vermarkten lassen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte solch eine Idee: Noch während des Studiums schuf er das soziale Netzwerk und wurde Milliardär. Laut Forbes summiert sich sein Vermögen derzeit auf neun Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro), womit er auf Platz 36 der reichsten US-Amerikaner rangiert. Vor seinem verpatzten Börsengang lag er mit über 17 Milliarden Dollar sogar schon einmal auf Platz 14.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel Facebook aber auch, wie wichtig die richtige Geldanlage ist, um reich zu werden oder das Vermögen zu erhalten. Der in Deutschland geborene Investor Peter Thiel etwa stieg 2004 als einer der ersten Großanleger mit einer halben Million Dollar bei dem sozialen Netzwerk ein. Im August verkaufte er den Großteil seiner Aktien für rund 400 Millionen Dollar. Dennoch machen die Investoren unter den Reichsten nur einen Bruchteil aus. Nur die wenigsten von ihnen schaffen es wie Warren Buffett (Vermögen: 44 Milliarden Dollar) oder George Soros (19 Milliarden  Dollar) auf die Forbes-Liste.

Aber machen die Milliarden Menschen wie Buffett, Springer oder Zuckerberg zu zufriedeneren Menschen? „Wir leben in dem Irrtum, dass Geld gleichbedeutend mit Glück ist“, meint Psychotherapeut Krüger. Der Beleg dafür kommt aus den USA: Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann und sein Kollege Angus Deaton haben für eine Studie der Universität Princeton 450 000 US-Amerikaner danach befragt, wie hoch ihr Einkommen ist und wie sie sich derzeit fühlen. Das Ergebnis: Geld macht uns zwar glücklich, aber nur zu einem gewissen Grad. Ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 75 000 Dollar (gut 60 000 Euro) lässt sich das Gefühl nicht mehr steigern.

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