Russland : Herzen aus Gold für Putins Wahlkampf

Juwelier will an krebskranke Kinder spenden.

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Moskau - Die Ausführung ist schlicht. Zu einem Römerkopf kann selbst ein gottbegnadeter Künstler Wladimir Putin nicht verhelfen, wenn der Betrachter der Büste das Original wiedererkennen soll. Dafür ist das Material vom Allerfeinsten: 585-er Gelbgold. Jenes mit dem leicht rötlichen Touch – Branchenspott: Räubergold –, bei dessen Anblick die Herzen erst kürzlich zu Reichtum gekommener Russinnen nach wie vor höher schlagen. Mehr als sechzehn Kilo davon hat ein Petersburger Schmuckgroßhändler, der den russischen Namen des Edelmetalls Zolotoy auch als Firmennamen führt, jetzt für die Anfertigung einer überlebensgroßen Putin-Büste zur Verfügung gestellt. Einen Monat lang soll die verehrte Kundschaft sich in einem der Verkaufssalons an dem Kunstwerk erfreuen dürfen. Dann wird das Opus eingeschmolzen. Zu Massenware: Kettenanhängern in Form von Herzen. Damit jeder, der es wünscht, sich ein Stück Putin kaufen kann. So jedenfalls zitierte die Online-Agentur Rusnewcom aus der offiziellen Begründung des Klunker-Konzerns für den angeblichen Werbegag.

Ein Schelm, wer Arges dabei denkt, zum Beispiel an das Goldene Kalb, wie die Anführer der Protestbewegung die Kreation bereits verunglimpften. Oder gar an Wahlkampf, was naheliegt. Am 4. März steht der Chefsessel im Kreml zur Disposition. Ein Putin zum Anfassen ist da nicht schlecht, um die Damenwelt noch mal daran zu erinnern, in welcher Spalte sie ihr Kreuz zu machen hat. Als Macho weiß man schließlich, wie trügerisch Weiberherzen sind. Und womöglich war es auch der Putin zum Anbeißen, der bei einer früheren Abstimmung für eindeutige Mehrheiten sorgte: wahlweise aus Nougat, Marzipan oder Schokolade. Die Petersburger Confiserie-Kette, die sie zum Stückpreis von umgerechnet bis zu 100 Euro verkaufte, machte damit jedenfalls den goldenen Schnitt. Die Schmuckhersteller dagegen treiben weder schnöder Mammon noch politische Dividende um. Sagen sie jedenfalls. Zeitliche Nähe zum Wahltermin sei purer Zufall, die Putin-Büste Teil der Aktion „Goldener Mensch“, mit der der Konzern herausragendes karitatives Engagement ehrt. Putin gebühre vor allem Dank dafür, dass er 2005 in seiner Heimatstadt den Bau eines Zentrums zur Behandlung krebskranker Kinder auf den Weg gebracht habe. An krebskranke Kinder gehe auch der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Putin-Herzen.

So weit so gut. Dumm ist nur, dass derartige Zentren in Russland noch immer Seltenheitswert haben und dass Putin mit karitativen Projekten schon häufiger kein glückliches Händchen hatte und von gewissenlosen Geschäftemachern zuweilen regelrecht über den Tisch gezogen wurde. Seine Gegner wittern auch jetzt Ungemach. So behauptet Ex-Schachweltmeister und Oppositionsführer Gari Kasparow, die Schauspielerin und Präsidentin einer Stiftung für krebskranke Kinder Tschulpan Chamatowa sei von Putins Wahlkampfstab vor die Alternative gestellt worden: Entweder sie lasse sich in einem Wahlkampfspot ablichten oder der Staat werde die Finanzierung ihrer Stiftung einstellen (wir berichteten). Putins Pressechef dementierte, Chamatowa wollte sich nicht äußern.Elke Windisch

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