Wirtschaft : Sagt es allen weiter

Internetnetzwerke wie der Kurznachrichtendienst Twitter werden zum Karrierehelfer.

M. Peer[D. Meiländer/HB]

Die Revolution der Jobsuche hat längst begonnen. Wie stark soziale Medien wie Facebook und Twitter oder Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn zukünftige Karrierewege beeinflussen, ist in den USA schon jetzt zu sehen. Die Chancen des Web 2.0 sind dort bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber kaum noch wegzudenken. Laut einer Studie des Recruitingdienstleisters Jobvite hat jeder sechste Befragte im laufenden Jahr seinen Job über einen Hinweis in sozialen Netzwerken erhalten. Noch vor einem Jahr traf das nur auf jeden zehnten zu.

Dass dieser Trend auch in Deutschland greift, hat Mike Schnoor am eigenen Leib erfahren. Am 14. März schrieb der Kommunikationsprofi bei Twitter: „Suche neue Herausforderung.“ Wenige Worte, mit großem Effekt. 40 Personen leiteten Schnoors Gesuch an Bekannte bei Twitter weiter, 29 Menschen wiesen auf interessante freie Stellen hin und auch mehrere Headhunter machten dem gut vernetzten PR-Fachmann ein Angebot.

Bereits zwei Wochen nach seinem Twitter-Eintrag hatte Schnoor die neue Herausforderung gefunden: Er wurde Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).

Um seine Erfahrungen auch an andere Jobsuchende weiterzugeben, hat Schnoor für den BVDW einen Bewerberleitfaden mit dem Titel „Karrieresprungbrett Social Media“ entwickelt, in dem der Verband Ratschläge gibt, wie sich Jobchancen mit Facebook, Twitter & Co. erhöhen lassen. „Vor allem die großen Konzerne nutzen soziale Netzwerke bereits stark als Recruitingwerkzeug“, sagt Schnoor. „Bewerber, die diese Angebote nutzen, kommen oft schneller und einfacher an relevante Informationen.“

Ein Beispiel ist der umfassende Karriereauftritt des Versicherers Allianz bei Facebook. „Wir versuchen hier, nicht nur harte Fakten, sondern unsere Unternehmenskultur zu vermitteln“, sagt Dominik Hahn, der bei der Allianz für das Personalmarketing in sozialen Medien zuständig ist. Künftig sollen Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen regelmäßig über ihre Arbeit informieren, damit Bewerber ein Bild davon bekommen, ob das Unternehmen zu ihnen passt.

Es empfehle sich, in den Aufbau seiner eigenen Onlinereputation zu investieren, sagt Mike Schnoor. Dazu gehöre etwa, bei Diensten wie Twitter regelmäßig auf Artikel zu verweisen, die für die Branche interessant sind. Auch ein fachspezifischer Blog könnte die Expertise unterstreichen. Nicht jede Information müsse aber mit dem Beruf zu tun haben. „Wer sich etwa mit Restaurantrezensionen online als Genussmensch präsentiert, kann dem Personalchef in der Masse der Bewerbungen ebenfalls eher in Erinnerung bleiben.“ M. Peer, D. Meiländer/HB

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