Samsung warnt vor eigenem Smartphone : Vorsicht, sonst knallt's

Wegen Explosionsgefahr warnt Samsung jetzt sogar vorm Einschalten des Galaxy Note 7. Werden Smartphone-Akkus generell immer anfälliger?

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Besser nicht einschalten: Ein Samsung Galaxy Note 7
Besser nicht einschalten: Ein Samsung Galaxy Note 7Foto: dpa/Jannis Mattar

Berlin - Samsung geht auf Nummer sicher. Wer das neue Smartphone-Modell Galaxy Note 7 gekauft hat, soll es jetzt besser erst gar nicht einschalten – oder ganz schnell wieder ausschalten. Zu groß ist offenbar die Gefahr, dass der Akku des Geräts explodiert oder in Brand gerät. Die Sicherheit der Kunden habe höchste Priorität, sagte der Chef der Sparte Mobile Kommunikation, Koh Dong Jin, am Sonntag. Damit verschärft Samsung noch einmal seine Warnungen.

Werden auch die Akkus immer empfindlicher?


Nachdem im Galaxy Note 7 kürzlich Akkus explodiert waren und Nutzer Videos und Fotos von angesengten Geräten ins Internet gestellt hatten, stoppte Samsung den Verkauf des neuen Modells und rief etwa 2,5 Millionen bereits ausgelieferte Exemplare zurück. Zwar gab es bisher nur 35 Vorfälle, doch auch Nutzer anderer Smartphone-Marken sind nun verunsichert: Werden die Akkus in Smartphones womöglich generell immer empfindlicher?
Schließlich werden Handys längst nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt, sondern sie sind Computer im Taschenformat – mit einem entsprechend hohen Energiebedarf. Wer den Zeiten hinterhertrauert, als das Handy nur einmal in der Woche geladen werden musste, darf nicht vergessen: Damals waren die Geräte weder mit Farbdisplay, noch mit Internet oder GPS-Empfängern ausgestattet. „Ein einziges Smartphone könnte heute von seiner Rechenleistung her fünf Apollo 13 steuern“, erklärt Jens Tübke, Spezialist für angewandte Elektrochemie am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie. Auch die Akkus seien mit der Weiterentwicklung leistungsfähiger geworden, doch würden die größeren Energiemengen gleich wieder aufgefressen durch die zusätzlichen Dienste.

Schon der kleine Fehler kann zur Panne führen


Fast alle Smartphones sind heute mit Lithium-Ionen-Speichern ausgestattet, „die chemische Zusammensetzung muss dabei sehr genau aufeinander abgestimmt sein. Schon der kleinste Fehler kann dann zu einer Panne führen, wie wir sie jetzt bei Samsung sehen“, erläutert Jürgen Ripperger, Leiter des Bereichs für technische Entwicklung und Projektmanagement beim Verband der Elektrotechnik (VDE). Generell heiße das aber nicht, dass damit auch die Explosionsgefahr steige. „Gerade nach dem aktuellen Fall wird jeder Hersteller seine Prozesse jetzt sicher noch einmal genau überprüfen, schließlich droht sonst nicht nur ein Imageverlust, sondern auch Verbraucher könnten ernsthaft Schaden nehmen.“

Nutzer haben Mitverantwortung bei der Lebensdauer von Akkus


Samsung bezieht Batterien von verschiedenen Akku-Herstellern, weshalb auch nicht alle Geräte von dem Überhitzungsproblem betroffen sind. Allerdings betont Ripperger, dass die Verantwortung nicht allein bei den Herstellern liege. „Auch die Verbraucher haben eine Mitverantwortung dafür, wenn es um den richtigen Umgang mit Akkus geht.“
Dazu gehöre bereits beim Kauf des Smartphones auf Qualität zu achten. „Es drängen immer mehr Billiganbieter in den Markt, aber dann muss man damit rechnen, dass die darin verbaute Technik nicht ausreichend geprüft sein könnte“, warnt Ripperger. Namhafte Hersteller würden ihre Produkte dagegen von unabhängiger Stelle wie vom VDE prüfen lassen. Auch sollten kaputte Akkus nicht von den Nutzern selbst getauscht werden – selbst wenn das angesichts der teuren Original-Ersatzteile und preiswerter Alternativen aus dem Netz verlockend erscheinen mag. „Ansonsten erlischt nämlich der Garantieanspruch“, sagt Ripperger. Hinzu würden mögliche Sicherheitsrisiken kommen. Das würde auch für Ladekabel von Drittanbietern gelten.

Nicht das Handy direkt nach dem Sonnenbad lade


Aber nicht nur beim Kauf von Gerät und Ausrüstung sollte der Nutzer auf Qualität achten, sondern auch beim Ladevorgang selbst aufmerksam sein, um die Lebensdauer des Akkus nicht unnötig zu verkürzen.

„Wer mit seinem Smartphone im Schwimmbad oder am Strand in der prallen Sonne liegt oder beim Skiurlaub von hohen Minustemperaturen in die kalte Hütte komme und das Handy direkt lädt, der riskiert einen Kurzschluss“, warnt Ripperger. In einem solchen Fall sollte besser einige Minuten gewartet werden, um das Handy wieder auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen – wo die liegt, steht in der Bedienungsanleitung des Geräts.

Samsung empfiehlt vorerst den Gebrauch vorheriger Modelle


Samsung will bis März kommenden Jahres alle Geräte umgetauscht haben. Bis dahin sollen Käufer ihr vorheriges Modell gebrauchen, „falls vorhanden“, lautet die Empfehlung.

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