Schadstoffgrenzen : Mehr Gift im Spielzeug

Eine EU-Richtlinie erlaubt ab 2013 mehr Schadstoffe in Puppen und Bauklötzen. Die Grünen fordern deshalb eine Selbstverpflichtung der Industrie für "sauberes" Spielzeug.

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Gefahr im Sandkasten. Kunststoffe und Farben können etwa Blei enthalten. Foto: dapd
Gefahr im Sandkasten. Kunststoffe und Farben können etwa Blei enthalten. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Minibagger, Kunststoffdinosaurier und Glitzerponys: Die deutschen Kinderzimmer sind voll davon. Doch ist das Spielzeug wirklich unbedenklich? Oder kann es den Kindern gar schaden? Auf EU-Ebene streiten die Politiker darüber, wie viel an Schadstoffen künftig drinstecken darf. Bleibt die bisherige EU-Richtlinie unverändert, sind ab Juli 2013 höhere Mengen an Stoffen wie Blei, Arsen und Quecksilber im Spielzeug erlaubt, als die deutschen Vorschriften bislang tolerieren. Das geht jetzt aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor.

Demnach könnte Spielzeug bald 50 Prozent mehr Quecksilber, doppelt so viel Blei und dreimal so viel Arsen enthalten. Damit habe sich die Lobby durchgesetzt, sagen die Grünen. Schwermetalle kommen zum Beispiel in Farben und Kunststoffen vor, sie sind laut Experten gesundheitsschädlich. Blei würde „schon in geringen Mengen die Intelligenz mindern“, schreibt die Stiftung Warentest. Andere Giftstoffe stehen im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen oder Krebs zu erzeugen.

Die Grünen werfen der Bundesregierung daher eine „bürokratische Verschleppungstaktik“ vor. Verbraucherministerin Ilse Aigner sei es nicht gelungen, „die strengeren deutschen Grenzwerte zu verteidigen“, kritisiert Grünen-Politikerin Nicole Maisch.

Das Bundesverbraucherministerium wehrte sich am Mittwoch gegen die Vorwürfe. Es gebe Verhandlungen mit der EU-Kommission, um die Grenzwerte nach unten zu korrigieren. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich in Deutschland die Situation mit der Umsetzung der neuen EU-Spielzeugrichtlinie im Juli 2013 verschlechtern wird“, sagte Staatssekretär Robert Kloos. Die Bundesregierung habe zudem Klage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht, um die niedrigeren deutschen Grenzwerte in jedem Fall beibehalten zu können. Die Grünen fürchten allerdings, das Gericht werde nicht rechtzeitig entscheiden. Würde das Urteil etwa erst 2014 gefällt, seien stärker belastete Spielwaren längst auf dem Markt. Sie fordern daher eine Selbstverpflichtung der Spielzeughersteller. Das Verbraucherministerium sieht dafür derzeit keinen Bedarf. „Das ist für uns zum Stand der Dinge kein Thema“, so Staatssekretär Kloos. Auch die Industrie lehnt das ab. Carla Neuhaus

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