Wirtschaft : Schlag gegen die Pillen-Mafia

Interpol steuerte Razzien gegen illegale Online-Pharmahändler in 81 Ländern

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Aus dem Verkehr.
Aus dem Verkehr.

Berlin - Polizei- und Zollbehörden aus 81 Ländern haben zum Schlag gegen Pharma-Fälscher und Internetbetrüger ausgeholt. In einer achttägigen Aktion sind bis zum vergangenen Dienstag auch in Deutschland Händler und Käufer gefälschter Arzneien ermittelt worden. Es habe sich um die bisher größte Aktion dieser Art überhaupt gehandelt, teilte die internationale Polizeiorganisation Interpol am Donnerstag im französischen Lyon mit. Weltweit habe man bei Razzien in dieser Woche 55 Personen festgenommen und 2,4 Millionen möglicherweise gesundheitsschädliche Medikamente im Gesamtmarktwert von 6,3 Millionen Dollar beschlagnahmt, hieß es. Zudem wurden 13 500 Internetseiten gesperrt.

Interpol taufte die Aktion „Operation Pangea IV“ nach dem gleichnamigen Urkontinent, bei dem vor 150 Millionen Jahren alle Erdteile miteinander verbunden waren. Die Behörde arbeitete dabei mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, Arzneimittelkontrollbehörden, Pharmakonzernen und Anbietern von Online-Bezahlsystemen zusammen.

Bundeskriminalamt (BKA) und Zollkriminalamt (ZKA) konzentrierten sich während dieser Tage auf die Durchsuchungen bei Post- und Kurierdiensten. Sie zogen dabei insgesamt 1132 Brief- und Paketsendungen mit 53 500 Tabletten aus dem Verkehr – zu 80 Prozent handelte es sich um Potenzmittel, teilte das BKA in Wiesbaden mit. Es wurden aber auch Schlaf-, Schmerz- und Diätmittel sowie Herzpräparate, Anabolika und Wachstumshormone beschlagnahmt. Die Personen, an die die Sendungen adressiert waren, würden nun mit einer Geldbuße in Höhe von mindestens 35 Euro je Sendung belegt, teilte die Polizei mit.

„Dem Handel mit illegalen, zum Teil äußerst gefährlichen Arzneimitteln, die von skrupellosen Händlern via Internet vertrieben werden, muss endlich Einhalt geboten werden“, sagte der Präsident des Zollkriminalamts, Paul Wamers.

In Deutschland hat die Polizei in diesem Jahr nach BKA-Angaben 268 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz geführt, bei denen das Internet für die Tat benutzt wurde. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass viele illegale Pharma-Händler in Deutschland sitzen, den Handel selbst aber über Internetserver im Ausland abwickeln. Die Präparate stammten dabei meist aus Indien, China und Osteuropa.

Eine besondere Rolle bei der Fahndung nach illegalen Internet-Pharmahändlern spielt die Zollfahndung Berlin-Brandenburg, die unter anderem eine Gruppe Internet-Fahnder in Frankfurt an der Oder beschäftigt. Die Behörde hatte im April nach 25-monatiger Vorarbeit 60 Objekte in Deutschland und Tschechien durchsuchen lassen. Der Ring soll monatlich etwa eine Million Euro erlöst haben. Sieben Personen sitzen seither in Berlin in Untersuchungshaft.

Eines der größten wirtschaftlichen Opfer dieses Handels, der Viagra-Hersteller Pfizer, begrüßte die „Operation Pangea“ gestern. Das Unternehmen habe selbst auch Hinweise auf Internetseiten und mögliche Täter gegeben, sagte ein Sprecher der Berliner Deutschland-Zentrale dem Tagesspiegel. Kevin P. Hoffmann

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