Wirtschaft : Schlappe für Bayer

Pharmakonzern verliert im Patentstreit um seine Antibaby-Pille Yaz vor US-Gericht.

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Berlin - Anleger waren am Mittwoch offenbar wenig erfreut über die Nachricht aus den USA: Weil Bayer im Streit um das Patent für seine Antibaby-Pille Yaz eine Schlappe einstecken musste, verlor die Aktie des Pharmakonzerns im Dax 4,3 Prozent. Ein Berufungsgericht in Washington hatte den Patentschutz des Präparats teilweise für ungültig erklärt – und damit ein gegenteiliges Urteil eines Gerichtes in Nevada aus dem vergangenen Jahr aufgehoben. Eigentlich sollte der Schutz für Yaz in den USA noch bis zum 30. Juni 2014 gelten. Eine Bayer-Sprecherin sagte zu der Gerichtsentscheidung, der Konzern sei anderer Auffassung und prüfe, wie er sich verhalten werde.

Die Auseinandersetzung zwischen Bayer und Generikaherstellern, die günstigere Nachahmerpräparate von Yaz in den USA verkaufen wollen, dauert schon länger an. Die Pharmafirma Actavis hatte im Januar 2012 Yaz-Kopien auf den Markt gebracht, musste sie aber nach dem Richterspruch in Nevada wieder zurückziehen. Das Unternehmen kündigten nun an, das Generikum ab sofort wieder zu verkaufen. Neben Actavis wollen auch die Novartis-Tochter Sandoz und der indische Hersteller Lupin Yaz-Kopien in den USA vermarkten. In Europa sind bereits Generika zugelassen. Das macht Druck auf den Umsatz mit den Verhütungsmitteln, die mit der Übernahme des Berliner Pharmaunternehmens Schering an Bayer übergingen. Noch aber gehören sie zu den stärksten Präparaten von Bayer: 2012 erlöste der Leverkusener Konzern mit den Pillen Yaz, Yasmin und Yasminelle, die unter anderem in Berlin produziert werden, weltweit 1,045 Milliarden Euro.

In den USA hat Bayer ohnehin gravierende Probleme mit seinen Verhütungsmitteln. Derzeit sind dort gut 13 000 Klagen wegen angeblicher Gesundheitsschäden durch Yaz und Yasmin anhängig. Wegen des umstrittenen Wirkstoffs Drospirenon stehen diese im Verdacht, ein höheres Thrombose-Risiko zu bergen als andere Antibaby-Pillen. Den Konzern haben die Prozesse bereits viel Geld gekostet: Bis Mitte Februar hatte Bayer – ohne Anerkennung einer Haftung – mit insgesamt 4800 Klägerinnen Vergleiche geschlossen und dafür rund eine Milliarde Dollar gezahlt. Jahel Mielke