Schlechte Ernte, steigende Preise : Schokolade wird zur teuren Versuchung

Die Preise für Kakao, Haselnüsse und Mandeln sind gestiegen – das macht Schokolade teurer.  Zudem gehen den ersten Supermärkten nach schlechter Ernte die gemahlenen Nüsse aus.

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Mangelware. Vor allem die beliebte Nussschokolade könnte bald teurer werden.
Mangelware. Vor allem die beliebte Nussschokolade könnte bald teurer werden.Foto: Natalia Klenova Fotolia

Einmal im Jahr ist das Naschen erlaubt. Dominosteine, Schoko-Nikoläuse und Nussecken gehören zur Adventszeit einfach dazu. Zehn Kilogramm Schokolade isst der Deutsche im Schnitt jedes Jahr – ein Großteil an den Feiertagen. Dazu kommen pro Kopf 7,1 Kilogramm Feingebäck und 5,7 Kilogramm anderer Süßkram wie Marzipan oder Bonbons. Doch das Naschen wird teurer. Die Preise für wichtige Zutaten sind zuletzt gestiegen. Das gilt vor allem für Kakao, Haselnüsse und Mandeln.

Empfindlich. Kakao ist stark vom Wetter abhängig - und wächst sehr langsam.
Empfindlich. Kakao ist stark vom Wetter abhängig - und wächst sehr langsam.Foto: ramirc Fotolia

KAKAO 

Weltweit wächst die Nachfrage nach Schokotafeln, Pralinen und Riegeln. Während sich die Naschsucht der Deutschen auf einem hohen Niveau eingependelt hat, haben andere Länder Nachholbedarf. „Wachstumsmärkte sind derzeit Indien, Australien und China“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Allein in China haben sich die Ausgaben für Schokoartikel seit 2009 fast verdoppelt. Das Marktforschungsunternehmen Euromonitor prognostiziert, dass die Chinesen 2019 bereits Schokoartikel für 3,7 Milliarden Dollar kaufen werden.

Den deutschen Herstellern eröffnet das neue Märkte – es stellt sie aber auch vor eine Herausforderung. Denn die Nachfrage nach Kakaobohnen und der daraus gewonnenen Kakaomasse wächst schneller als das Angebot. Die ersten Schokoladenproduzenten warnen bereits vor einer Kakao-Lücke. 2020 könnte die Nachfrage das Angebot an Kakao um eine Million Tonnen übersteigen, heißt es bei den Schokoladenproduzenten Mars und Barry Callebaut.

Deshalb wird Schokolade teurer. In diesem Jahr sollen bereits mehrere Konzerne ihre Preise für einzelne Produkte wie Tafelschokolade erhöht haben: darunter Nestlé, Lindt & Sprüngli, Hershey und Mars. Andere Firmen könnten ihrem Beispiel bald folgen.

Das Problem: Die Kakao-Ernte lässt sich nicht schnell steigern. Denn Kakaopflanzen sind empfindlich. Sie wachsen nur in einem feuchten und warmen Klima entlang des Äquators – und sie wachsen sehr langsam. Fünf Jahre dauert es, bis nach dem Setzen der Pflanzen die ersten Kakaobohnen geerntet werden können. Hinzu kommt, dass Dürren und Schädlinge sehr oft zu Einbußen bei der Ernte führen.

Tendenz steigend. Die Rohstoffe für Schokolade sind deutlich teurer geworden.
Tendenz steigend. Die Rohstoffe für Schokolade sind deutlich teurer geworden.

Je knapper jedoch die Kakaobohnen werden, desto höher steigt ihr Preis. Kostete eine Tonne an der Warenterminbörse in London vor drei Jahren noch 1400 Pfund (1700 Euro), sind es heute bereits 1900 Pfund (2400 Euro). In diesem Jahr ist der Kakao zudem aufgrund der Ebola-Epidemie teurer geworden. Über die Hälfte der Kakaobohnen wird in Westafrika angebaut – vor allem an der Elfenbeinküste und in Ghana. Zwar sind diese Länder bislang von Ebola nicht betroffen – doch allein die Angst vor der Ausbreitung reicht aus, um den Preis für Kakao in die Höhe zu treiben. „Das ist ein rein psychologischer Effekt“, sagt Erbrath.

Zudem hängt der Kakaopreis nicht nur vom Angebot der Bauern und der Nachfrage der Süßwarenindustrie ab – sondern auch vom Verhalten der Spekulanten. Immer wieder verknappen Finanzinvestoren das Angebot für Kakao und treiben so die Preise in die Höhe. Gelungen ist das vor vier Jahren zum Beispiel dem britischen Hedgefondsmanager Anthony Ward, der auf steigende Kakaopreise gesetzt hat. Über Terminkontrakte hat der Geschäftsmann – Spitzname „Schokofinger“ – 241 000 Tonnen Kakao im Wert von einer Milliarde Dollar gekauft. Das entspricht etwa sieben Prozent der Welternte und würde reichen, um ein Jahr lang die Schokosucht der Deutschen zu stillen.

Für die Schokoladenfirmen sind die Spekulanten so etwas wie natürliche Feinde. Denn durch sie schwanken die Preise am Markt sehr stark, was den Firmen den Einkauf und die Kalkulation erschwert. Unternehmen wie Ritter Sport versuchen, sich deshalb weniger abhängig vom Weltmarkt zu machen. Der Hersteller aus Baden-Württemberg baut derzeit in Nicaragua eine eigene Kakaoplantage auf – die erste Ernte will er 2017 einfahren.

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