Wirtschaft : Schlechte Noten für Japan Moody’s stuft Kreditwürdigkeit ab

Jan Keuchel (HB)

Tokio - Japan kämpft an mehreren Fronten gegen die Finanzkrise. Dem Land macht neben den Folgen der Natur- und Atomkatastrophe vom 11. März vor allem eine ungebrochene Yen-Aufwertung zu schaffen – und seit gestern auch eine Abstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die US-Ratingagentur Moody’s setzte die Bonität Japans von der bisherigen Note „Aa2“ auf „Aa3“ herab.

Japans Finanzminister Yoshihiko Noda gab gestern deshalb nicht nur ein 100-Milliarden-Dollar-Hilfspaket (69,3 Milliarden Euro) bekannt, das den Höhenflug des Yen gegenüber Dollar und Euro bremsen soll. Der Mann, der sich Hoffnungen macht, in Kürze dem Premier Naoto Kan im Amt zu folgen, musste auch den Ruf japanischer Staatsanleihen verteidigen. Das „Vertrauen“ in die Zuverlässigkeit der Staatspapiere, so Noda, sei „nicht erschüttert“. Japan ist fast ausschließlich bei den eigenen Bürgern verschuldet.

Japans Wirtschaft steckt gleichwohl in einer äußerst schwierigen Lage. Wenige Tage vor dem erwarteten Machtwechsel an der Spitze des Landes werden die finanziellen Aussichten düsterer, zumal das neue Yen-Hilfspaket bei Experten nicht viel Anklang findet. „Die Notfallmaßnahme zielt vor allem darauf, Unternehmen zu stützen, und nicht darauf, den Anstieg des Yen zu bremsen“, sagte Tomoko Fujii von Merrill Lynch Japan. Die Regierung will entsprechende Währungsreserven an die Japan Bank for International Cooperation ausgeben. Diese soll das Geld nutzen, um Japans Exporteure mit Krediten zu unterstützen und den Auslandsverkauf anzukurbeln, sagte Noda.

Der Minister betonte zugleich, dass er das Verhalten von Währungsspekulanten weiter genau beobachten werde. Hintergrund ist, dass die Aufwertung des Yen vor allem den Krisen in den USA und Europa geschuldet ist, die Anleger in den vermeintlich sicheren Yen flüchten lassen. Das bedeutet zugleich ein gutes Spielfeld für Devisenspekulanten. Der Chef der japanischen Notenbank, Masaaki Shirakawa, sagte, er hoffe, dass die Schritte der Regierung die Währung stabilisierten.

Moody’s folgt mit seiner Abstufung dem Beispiel der Kollegen von Standard & Poor’s, die Japans Bewertung bereits im Januar auf „AA-“ abgestuft hatten, Fitch hat ebenfalls ein „AA-“ vergeben mit negativem Ausblick. Als Begründung führte Moody’s die hohe Staatsverschuldung von 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an sowie den weiteren Anstieg der Schulden. Zugleich äußerte sich die Agentur skeptisch über die Chance für eine neue Regierung, die Probleme in den Griff zu bekommen. Jan Keuchel (HB)

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