Schneller Dreh : Deutsche Verlage und die Folgen der Fusion

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Berlin - Die deutsche Niederlassung, so versicherte Markus Dohle in einem am Montag veröffentlichten Brief, bleibe bei der Megafusion von Random House und Penguin außen vor. Er muss es wissen: Als internationaler Vorstandsvorsitzender des Medienmultis wird der 44-jährige Sauerländer mit Büro in New York die Zusammenlegung der englischsprachigen und lateinamerikanischen Märkte operativ verantworten. Den Vorsitz der deutschen Buchgeschäfte von Bertelsmann, so Dohle, behält wie bisher Frank Sambeth, der an ihn berichtet. Zunächst wünsche er aber „weiterhin ein überaus erfolgreiches Herbst- und Weihnachtsgeschäft“ und künftiges Wachstum – „zum Vorteil aller Marktteilnehmer“.

Aus internationaler Sicht lässt sich die Logik des Deals nachvollziehen. Denn mit Penguin Random House entsteht ein solides vertriebliches Bollwerk gegen die Expansionspolitik von Amazon und dessen Preisdiktat. Auch die elektronischen Rechte werden sich künftig gemeinsam besser verwalten lassen. Womöglich entsteht sogar ein eigener Versandbuchhandel. Wenn der deutsche Arm des Unternehmens davon erst einmal ausgenommen bleibt, dann liegt das zum einen an der Buchpreisbindung, die den Wettbewerb durch Dumpingangebote zumindest im Handel verhindert. Zum anderen gibt es, davon nicht unabhängig, jenseits der Konzerne eine ansehnlicher Zahl mittelgroßer Verlage, die für eine anderswo längst verschwundene Vielfalt sorgen.

Ob sich dieser deutsche Sonderweg auf Dauer durchhalten lässt, ist aber eine große Frage. Die Europäische Union arbeitet seit Jahren daran, diese Form von kulturerhaltendem Protektionismus abzuschaffen. Und es ist anzunehmen, dass andere Verlage ähnliche Allianzen suchen.

International, so erwarten Branchenkenner, werde Rupert Murdochs Antwort, der mit Harper Collins bis zuletzt auch um Penguin buhlte, nicht lange auf sich warten lassen. Aber auch europäische Unternehmen wie die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe, zu der S. Fischer und Rowohlt gehören, oder die Stockholmer Bonnier-Gruppe, zu der Ullstein, Piper und der Berlin Verlag gehören, werden sich der Akquisitionsspirale nicht entziehen können. Ob Random House Deutschland, unter dessen Dach mit Luchterhand, DVA oder Manesse auch angesehene literarische Verlage arbeiten, dem Zug zur Zentralisierung also auf Dauer widerstehen wird, muss sich zeigen.

Die Konsequenzen der angekündigten Fusion sind so unabsehbar, dass die meisten darüber nur spekulieren können und sich nicht namentlich äußern wollen. Eine mögliche Folge ist beispielsweise, dass Großautoren von marktmächtigen Zusammenschlüssen wie Penguin Random House künftig gezielt abgeworben und fast weltweit gleichzeitig veröffentlicht werden können  – in den Verlagen, die von der Konzernspitze dafür ausersehen sind. Das könnte über kurz oder lang auch die Subagenten, die viele internationale Häuser noch unterhalten, in Bedrängnis bringen. Die wahren Verlierer dürften aber die mittleren Verlage sein: Zwischen den ganz Großen und den ganz Kleinen wird es immer weniger literarisches Leben geben. Gregor Dotzauer

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