Schufa veröffentlicht Kredit-Kompass 2015 : Deutsche Verbraucher zahlen ihre Rechnungen pünktlich

Laut der Schufa und dem Branchenverband der Inkassofirmen war die Zahlungsmoral in Deutschland auch 2014 wieder vorbildlich – nur Berlin und die öffentliche Hand machen nach wie vor Probleme.

Alexander Triesch
Deutsche Verbraucher haben wieder mehr Geld in der Tasche und zahlen ihre Rechnungen pünktlich
Deutsche Verbraucher haben wieder mehr Geld in der Tasche und zahlen ihre Rechnungen pünktlichFoto: dpa

Die Deutschen haben ihre Finanzen im Griff. Über 97 Prozent der Kreditnehmer haben ihre Schulden im vergangenen Jahr reibungslos zurückgezahlt. Das geht aus dem Kredit-Kompass 2015 hervor, den die Auskunftei Schufa am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. „Auch im derzeitigen Zinsumfeld ist das Kreditverhalten der deutschen Verbraucher weiter vorbildlich“, sagte Schufa-Chef Michael Freytag. Deshalb habe seine Auskunftei derzeit auch über knapp 91 Prozent der Deutschen nur positive Einträge gespeichert.

13 Prozent der Berliner mit Zahlungsproblemen

In Berlin sieht das Ganze allerdings etwas anders aus. Geht es um die Zahlungsmoral, landet die Stadt wieder einmal im Bundesvergleich auf dem letzten Platz. 13 Prozent der Berliner hatten im vergangenen Jahr Zahlungsprobleme: Sie konnten ihre Rechnungen nicht bezahlen oder ihre Kredite nicht begleichen. Bei der Schufa haben sie deshalb mindestens einen negativen Eintrag.

Arbeitslosigkeit, die Scheidung vom Partner und Krankheitsfälle: Es gibt viele Gründe, warum Verbraucher in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Ein Vertrag zu viel wird dann schnell zum Verhängnis. Kann man seine Rechnung nicht bezahlen, wird das jedoch der Schufa gemeldet. Die Auskunftei sammelt diese Daten und berechnet daraus eine Bonitätsnote. Die verkauft sie an Unternehmen weiter, die sich für die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden interessieren: zum Beispiel Banken, Versicherungen oder Mobilfunkanbieter. Fällt die Note zu schlecht aus, bekommt der Kunde keinen Kredit, keine Versicherung, keinen Handyvertrag.

Weniger Kredite, dafür höhere Darlehen

Auch wenn es angesichts der niedrigen Zinsen derzeit besonders günstig ist, sich zu verschulden, machen davon viele Deutsche keinen Gebrauch. Laut Freytag ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ratenkredite im vergangenen Jahr weiter gesunken – um vier Prozent auf 7,4 Millionen Verträge. Gleichzeitig stieg aber die durchschnittliche Höhe der Darlehen: Im Schnitt verschulden sich die Deutschen derzeit mit 8792 Euro. „Es freut uns, dass die Menschen offenbar nur dann einen Kredit aufnehmen, wenn sie auch wirklich einen brauchen“, sagte Freytag. Zum Jahresende 2014 gab es bundesweit 17,5 Millionen Ratenkredite und damit 200 000 weniger als ein Jahr zuvor.

Ein neues Auto bleibt für die Deutschen der Hauptgrund, einen Kredit aufzunehmen. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Schufa wollten 2014 über 46 Prozent der Kreditkunden ein Fahrzeug finanzieren, sagt Karsten John, Head of Financial Services der GfK. Auch für technische Geräte oder neue Möbel verschulden sich die Bundesbürger häufig. Dabei sind es vor allem die 18 bis 34-Jährigen, die sich per Kredit ein Auto anschaffen, während die Gruppe der über 60-Jährigen technische Geräte bevorzugt.

Inkassounternehmen berichten von schlechter Zahlungsmoral bei öffentlichen Auftraggebern

Für das bessere Zahlungsverhalten der Deutschen gibt es nach Angaben des Branchenverband der Inkassofirmen (BDIU) einen einfachen Grund: „Die Kunden haben jetzt mehr Geld im Portemonnaie“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Spitz. Zwei Drittel der Inkassounternehmen berichteten, dass die Deutschen Rechnungen zuletzt genauso gut bezahlt haben wie vor sechs Monaten. Rund 20 Prozent der Firmen stellten sogar eine bessere Zahlungsmoral fest. Probleme mit der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden haben demnach noch immer vor allem Handwerker, Onlinehändler und Energieversorger.

Wegen der positiven Entwicklung rechnet der Verband für 2015 mit einem Rückgang der Firmenpleiten auf rund 22 500, nach gut 24 000 im Vorjahr. Auch die Verbraucherinsolvenzen dürften weiter abebben. „Völlig anders ist die Entwicklung bei öffentlichen Auftraggebern“, sagte Spitz. Fast neun von zehn Inkassounternehmen berichteten hier von schlechter Zahlungsmoral. Elf Prozent berichteten sogar von einer weiteren Verschlechterung. Dabei sagt Spitz: „Die öffentliche Hand sollte beim Zahlungsverhalten eine Vorbildfunktion haben.“