Shisha-Bars : Mit halbem Dampf voraus

Immer mehr Shisha-Bars eröffnen in deutschen Städten. Doch der Boom könnte bald ein Ende haben.

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Shisha-Bar-Betreiber fürchten, dass bald ein Verbot für Aromastoffen in Sisha-Tabak kommt.
Shisha-Bar-Betreiber fürchten, dass bald ein Verbot für Aromastoffen in Sisha-Tabak kommt.Foto: picture-alliance/ dpa

Ein süßer Duft liegt im Raum. An den niedrigen Tischen in der Friedrichshainer „Anu Bar“ sitzen Grüppchen und unterhalten sich. Feierabendstimmung, endlich entspannen, dazu eine Shisha mit Apfelaroma. Die traditionelle Wasserpfeife aus der arabischen Welt feierte in den vergangenen Jahren auch im Okzident einen Siegeszug. Und während das Geschäft mit E-Zigaretten und E-Shishas vom jüngsten Bundestagsbeschluss zur EU-Tabakrichtlinie betroffen ist, ändert sich für Konsumenten der klassischen Shisha erst mal nichts – der Tabak ist weiterhin in unzähligen Geschmackssorten erhältlich.

Mehr als 100 Shisha-Bars in Berlin

Vor allem jüngere Menschen treffen sich gern auf eine Shisha, das ist in der „Anu Bar“ von Ali Altunbas nicht anders. Das Ambiente liegt irgendwo zwischen Hipsterkneipe und Kronleuchterkitsch. 2004 hat er eröffnet, die Idee dazu importierte er aus der Türkei. „Eine der ersten Shisha-Bars Berlins“, sagt er. Seither ist viel Konkurrenz dazugekommen, auch in seinem Kiez nahe der bei Touristen beliebten Simon-Dach-Straße, aber vor allem in Wedding, Neukölln, Kreuzberg, Charlottenburg.

Wie viele Shisha-Bars und Cafés es in Berlin und Deutschland gibt, können weder der Deutsche Hotel-und Gaststättenverband noch die Industrie-und Handelskammer sagen, denn sie werden von den Gewerbeämtern nicht gesondert erfasst. Laut dem Bewertungsportal „Yelp“ gibt es mehr als 110 allein in Berlin, die Betreiber des Online-Verzeichnisses Shishaberlin.de zählen 150 Bars, außerdem etwa 100 „Männercafés“, in denen es traditioneller zugeht: Neben der Shishapfeife gibt es Kartenspiele und Softdrinks. Dazu dürfte noch eine Reihe von Shisha-Bars kommen, die sich im Internet nicht präsentieren, Cafés, die hier und da aufploppen, manchmal rasch wieder schließen und woanders neu eröffnen. „Vor fünf, sechs Jahren gab es einen Boom in Berlin“, sagt Ali Altunbas. „Das ist ein typisches Geschäft für jemanden, der ein bisschen Geld hat und sich selbstständig machen will.“ Eine Shisha-Bar zu führen, das sei wie Spätibesitzer, Backshop-Betreiber oder Taxifahrer zu sein. Ein Großteil der Cafébesitzer sei selbst mal guter Kunde in einer Shishabar gewesen.

Absatz von Shisha-Tabak steigt um 28 Prozent

Keine Branche also, in der großer Reichtum lockt – aber eine Branche, die sich seit Jahren zu einem Nischenmarkt mit treuen Fans entwickelt. In den Tabakmarktzahlen des Statistischen Bundesamtes fällt seit einiger Zeit der Posten „Pfeifentabak“ mit jährlich zweistelligem Wachstum auf. Shisha-Tabak zählt bei den Statistikern zum Pfeifentabak. 2015 konnte der Absatz wieder um rund 28 Prozent auf 1732 Tonnen gesteigert werden. „Hierbei handelt es sich ausschließlich um ein Wachstum bei Wasserpfeifentabaken“, sagt Michael von Foerster, Chef des Verbands der deutschen Rauchtabakindustrie. Klassische Pfeifentabake seien rückläufig. Doch an die regulären Rauchwaren reicht Shisha-Tabak längst nicht heran. Allein der Absatz von Feinschnitttabaken für Selbstdreher betrug im vergangenen Jahr 25 470 Tonnen. Der Staat verdiente daran fast zwei Milliarden Euro an Steuergeldern. Pfeifentabake werden nicht nur weniger gekauft, sie sind auch geringer besteuert.

„Irgendwann werden Aroma-Verbote wohl kommen"

Obwohl die Shishas von den neuen EU-Aromaverboten vorerst ausgenommen wurden, geht man in der Branche davon aus, dass sich die Politik künftig auch die Wasserpfeifen vornehmen wird. „Irgendwann werden Aroma-Verbote wohl kommen, aber dann mischen wir Tabak und Aromen eben selbst“, sagt Erdal Zorsöker, Sprecher der Deutschen Shisha Vereinigung. Er gründete 2000 nach eigenen Angaben Deutschlands ersten Onlineshop für Wasserpfeifenbedarf und glaubt, dass Gesetze nicht zum Ende des Shisha-Rauchens führen würden, sondern nur zu einer Verlagerung. In Brasilien etwa seien die ShishaRaucher nach umfänglichen Rauchverboten dazu übergegangen, private Shisha-Abende zu organisieren. Doch auch in Deutschland sei das Geschäft der Shisha-Bars nicht immer ganz legal. Schon das geltende Verbot für Minderjährige spiele wohl vielerorts keine Rolle. „Und nach dem Steuergesetz dürfte der Tabak nicht in Portionen verkauft werden. Bisher drückt der Zoll ein Auge zu.“

In anderen Fällen versteht der Zoll keinen Spaß, bei illegal eingeführter Ware etwa, die meist aus dem nordafrikanischen Raum kommt. „Das hat sich seit dem Jahr 2000 stark entwickelt und wird mittlerweile von internationalen Banden organisiert, die darüber auch Geldwäsche betreiben“, erzählt Wolfgang Schmitz, Sprecher der Generalzolldirektion. Doch der Steuerschaden halte sich in Grenzen, viel schlimmer seien die gesundheitlichen Gefahren, die durch manche der Produkte drohen. Sie sind oft mit Glycerin verunreinigt und deshalb hoch giftig, auch Nagellackentferner als Streck- und Feuchtmittel sei schon gefunden worden. 2011 beschlagnahmte der Zoll 22 Tonnen Shisha-Tabak. „Einen vorläufigen Höhepunkt gab es 2013 mit 95 Tonnen“, sagt Schmitz. Danach ließen es die Schmuggler etwas ruhiger angehen, den Fahndern fielen 2014 nur 23 Tonnen in die Hände. 2015 soll die Menge wieder etwas gestiegen sein.

„Berlin ist da eher locker“

Ausgerechnet im Ruhrgebiet, das der Zoll als einen Schwerpunkt der Kriminalität rund um Shisha-Tabak sieht, wird das Nichtraucherschutzgesetz streng ausgelegt. Nordrhein-Westfalen erlaubt das Rauchen nikotinhaltigen Tabaks in geschlossenen Räumen gar nicht – dort werden jetzt eben Früchte statt Tabak geraucht. „Berlin ist da eher locker“, sagt Vereinsmann Erdal Zorsörker. In Friedrichshain, wo Ali Altunbas seine Bar betreibt, kontrollieren nur zwei Ordnungsamtsmitarbeiter die Einhaltung des Nichtraucherschutzes. Zorsörker glaubt, dass die Gesetzeslage für Shisha-Cafés in den nächsten Jahren schwieriger wird und sagt das auch allen hoffnungsvollen Gründern. „Ich rate immer, nicht länger als zwei Jahre zu planen.“

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