Wirtschaft : Siemens elektrisiert Volvo

Deutscher Konzern liefert Elektromotoren für schwedisch-chinesischen Autobauer – China bleibt Wachstumstreiber der Branche

H. Mortsiefer,R. Obertreis
Volle Ladung. Auf dem Autosalon in Paris zeigte Volvo 2010 den elektrischen C30. Ende 2011 wird eine Kleinserie produziert. Foto: dpa
Volle Ladung. Auf dem Autosalon in Paris zeigte Volvo 2010 den elektrischen C30. Ende 2011 wird eine Kleinserie produziert. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Volvo setzt bei der Elektrifizierung seiner Autos auf Siemens. Das schwedische Unternehmen, das seit 2010 zum chinesischen Autobauer Geely gehört, beginnt Ende 2011 mit der Kleinserienproduktion seines Modells C30 Electric, in dem Elektromotoren von Siemens zum Einsatz kommen. Ende 2012 bringt Volvo außerdem den V60 Plug-in-Hybrid in Serie auf den Markt, in dem ebenfalls Siemenstechnologie steckt. Beide Unternehmen verkündeten am Mittwoch eine „umfassende Kooperation“, die zunächst auf zwei Jahre angelegt ist. „Es ist ein Beginn, aber wir sind bereit, die Kooperation in Zukunft noch deutlich zu vertiefen“, sagte Stefan Jacoby, Chef der Volvo Car Corporation. Zusammen mit Siemens wolle Volvo Standards in der Elektromobilität setzen, sagte der frühere VW-Manager.

Nicht weniger ambitioniert sind die Ziele des Siemens-Konzerns, der erstmals als Lieferant für Elektroantriebe in der Automobilproduktion auftritt. „Wir wollen uns als führender Systemlieferant der Branche etablieren“, sagte Siemens- Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm. Langfristiges Ziel sei es, im globalen Wettbewerb mit klassischen Autozulieferern aufzutreten. Siemens biete beim Thema Elektromobilität das „gesamte Technologiespektrum“ – von der einzelnen Fahrzeugkomponente über die Ladeinfrastruktur bis zum intelligenten Stromnetz. „Unsere Wettbewerber beschäftigen sich nur mit einzelnen Technologiebereichen“, sagte Russwurm.

Siemens lasse sich das Engagement, das in den neuen Geschäftsbereich „Inside Electric Car“ fällt, „einiges kosten“. Russwurm sprach von einem „erheblichen Investment“, das er nicht näher bezifferte. 150 Entwickler und Ingenieure seien damit beschäftigt, den elektrischen Volvo C30 „auf die Straße zu bringen“. Produziert wird der Kleinserienantrieb im Siemens-Elektromotorenwerk Bad Neustadt. Ob und wo künftig in Großserie gefertigt wird, ist noch offen.

Die hohen Erwartungen der beiden Partner werden in der Branche skeptisch gesehen. Alle großen Autohersteller haben bereits Kooperationen im Bereich Elektromobilität geschlossen. Der Global Player Siemens, so die Kritik, sei hier spät dran. Zuletzt hatten vor sechs Wochen Bosch und Daimler eine Zusammenarbeit bei Elektromotoren vereinbart. Hier war zunächst auch über eine Kooperation mit Siemens spekuliert worden.

Siegfried Russwurm zeigte sich am Mittwoch gleichwohl entspannt. Siemens sei ein „hochattraktiver Partner“ auch für andere Anbieter aus der Autoindustrie. Die Hardwarekomponenten für elektrische Fahrzeuge würden auf Plattformen entwickelt, die auch auf andere Hersteller individuell zugeschnitten werden könnten. „Wir können die Kapazität schnell hochfahren, wenn der Markt es erfordert“, sagte Russwurm. Aber: Der Markt sei heiß umkämpft – auch, weil neue Anbieter, etwa aus China, in das Geschäft drängten. In der Volksrepublik und in Europa werde die Elektromobilität ihren Durchbruch erleben, glaubt Russwurm. „Die USA hinken hinterher.“

Der schnell wachsende chinesische Automarkt ist zum Motor für die gesamte Branche geworden. Und dies wird auch in Zukunft so bleiben, glaubt man einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC). Mit Blick auf die Elektromobilität seien aber Investitionen der deutschen Hersteller nötig. 2020 sollen nach der Vorstellung der Regierung in Peking rund fünf Millionen Elektrofahrzeuge auf den chinesischen Straßen rollen. Dies unterstützt der Staat mit Subventionen in Höhe von zehn Milliarden Euro. Mit umgerechnet 6000 Euro fördert der Staat den Kauf eines Elektroautos.

Generell sei für die deutschen Anbieter VW, Audi, Mercedes und BMW entscheidend, dass ihre Produktion vor Ort mit der Nachfrage Schritt halten könne, sagte Autoexperte Felix Kuhnert am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt. PwC rechnet bis 2017 mit einer Verdoppelung des Marktvolumens im Reich der Mitte auf rund 27 Millionen Fahrzeuge, das Potenzial reiche sogar bis zu 31 Millionen. Die deutschen Hersteller hätten daran wie bereits heute einen Marktanteil von rund 20 Prozent, sagte Kuhnert. PwC erwartet, dass die Produktion von VW, BMW und Mercedes in China von aktuell zwei Millionen Einheiten auf drei Millionen im Jahr 2017 zulegen wird.

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