Siemens kauft Dresser-Rand : Mehr Energie

Siemens kauft in den USA einen Ausrüster für die Öl-und Gasindustrie und verkauft seinen Anteil am Hausgerätehersteller BSH.

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Ergänzung. Siemens baut Gasturbinen für die Stromerzeugung, wie hier in Berlin-Moabit. Die US-Firma Dresser-Rand, die Siemens nun übernehmen will, stellt Kompressoren, Dampf- und Gasturbinen für die Öl- und Gasindustrie her.
Ergänzung. Siemens baut Gasturbinen für die Stromerzeugung, wie hier in Berlin-Moabit. Die US-Firma Dresser-Rand, die Siemens nun...Foto: Thilo Rückeis

Mehr Dampfturbinen, aber keine Dampfgarer mehr – Siemens-Chef Joe Kaeser treibt den Umbau des Unternehmens voran. Siemens kauft in den USA einen Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie und steigt gleichzeitig in Deutschland aus dem Geschäft mit Hausgeräten aus. Für die Übernahme von Dresser-Rand aus Texas zahlt Siemens umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro. Damit sticht Kaeser auch seinen ehemaligen Chef und Vorgänger Peter Löscher aus. Löscher ist heute Verwaltungsratspräsident des Schweizer Sulzer-Konzerns, der ebenfalls Interesse an einer Übernahme von Dresser-Rand hatte und sich nun geschlagen geben muss.

Passt ins Siemens-Portfolio

Das texanische Unternehmen passe „perfekt in das Siemens-Portfolio“, sagte Kaeser. „Beide Geschäfte zusammen schaffen einen Weltklasse-Anbieter für die wachsenden Öl- und Gasmärkte.“ Der Preis sei sicherlich „kein Schnäppchen“, gab der Manager zu. Aber Dresser-Rand werde „das Öl- und Gas-Unternehmen“ innerhalb von Siemens und entspreche genau der Siemens-„Vision 2020”, argumentierte Kaeser. In eben diese Strategie passt auch, dass das Unternehmen seinen Anteil von 50 Prozent an Bosch Siemens Hausgeräte abgibt. Bosch zahlt dafür gut drei Milliarden Euro.

Siemens neu geordnet

Als Siemens-Chef Kaeser am 1. August vergangenen Jahres sein Amt antrat, versprach er Mitarbeitern und Aktionären, zunächst einmal wieder Ruhe und Ordnung ins Unternehmen zu bringen. Mit der Ruhe ist es allerdings vorbei und Ordnung bedeutet vor allem Neuordnung: Seit Kaeser im Mai dieses Jahres seine „Vision 2020“ vorgestellt hat, wird Siemens – wieder einmal – radikal umgebaut. Ab dem 1. Oktober arbeitet das Unternehmen in der neuen Konzernstruktur. Die vom Vorgänger Löscher eingeführten Sektoren Industrie, Energie, Gesundheit sowie Infrastruktur und Städte werden abgeschafft, eine ganze Management-Ebene verschwindet. Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung – das sind die Felder, auf die sich Siemens künftig konzentrieren will, wobei Kaeser in der Digitalisierung die größte Wachstumsdynamik erwartet, auch wenn sie an anderer Stelle womöglich traditionelles Geschäft ersetze.

Neues Standbein in Houston

Kaeser hatte im Mai in Berlin betont, dass Siemens vom wachsenden Energiegeschäft in den USA – insbesondere vom Schiefergasboom – profitieren will. Das macht auch die Entscheidung deutlich, die ehemalige Shell-Managerin Lisa Davis mit der Verantwortung für das Ressort Energie in den Vorstand zu holen. Mit Dresser-Rand habe das Unternehmen nun ein Standbein in Houston, Texas, wo die wichtigen Spieler der Öl-Industrie sitzen, sagte Kaeser.

Das Dresser-Rand-Management bleibt

Der erste große Zukauf von Kaeser als Konzernchef ist gleich einer der größten in der Unternehmensgeschichte – seit dem überteuerten Kauf des US-Diagnostikanbieters Dade Behring vor sieben Jahren. Das Angebot für alle Anteilsscheine beträgt 83 Dollar je Dresser-Rand-Aktie in bar. Am Freitag hatte die in New York gelistete Aktie mit 79,91 Dollar geschlossen. Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Bar-Offerte einstimmig und habe den Aktionären empfohlen, das Gebot anzunehmen, teilte Siemens mit. Eine Hauptversammlung Anfang kommenden Jahres werde darüber abstimmen. Der bisherige Dresser-Rand-Chef Vincent Volpe habe angeboten zu bleiben, sagte Kaeser. Siemens erhofft sich von der Übernahme in den Jahren bis 2019 Synergien von mindestens 150 Millionen Euro jährlich. Die Integration wiederum werde rund 180 Millionen Euro kosten.

Erst britische, jetzt amerikanische Turbinen

Dresser-Rand rüstet die Öl- und Gasindustrie aus und ist bisher vor allem in den USA aktiv. Das Unternehmen stellt Kompressoren, Dampf- und Gasturbinen sowie Motoren her. Mit etwa 8100 Mitarbeitern setzte das Unternehmen zuletzt gut drei Milliarden Dollar im Jahr um. Damit ist das Geschäft im Vergleich zum bestehenden Energietechnikgeschäft von Siemens, das im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 27 Milliarden Euro erwirtschaftete, eher klein. Doch es ist eine gute Ergänzung zum bisherigen Portfolio. Erst im Frühjahr hatte Siemens das Kleinturbinengeschäft der britischen Rolls-Royce übernommen, um sich eine bessere Position in der Pipeline-Ausrüstung zu verschaffen.

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