Siemens steht vor Milliardenübernahme : Brüssel gibt grünes Licht zum Kauf von Dresser-Rand

Siemens darf den amerikanischen Kompressorenhersteller Dresser-Rand kaufen. Die Übernahme kostet den Konzern rund sieben Milliarden Euro.

Fracking ist in der USA weit verbreitet.
Fracking ist in der USA weit verbreitet.Foto: dpa

Der Elektrokonzern Siemens steht vor dem Abschluss seiner umstrittenen Milliarden-Übernahme in den USA. Von der EU-Kommission hat Siemens grünes Licht für den Kauf des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand bekommen. Man sei überzeugt, „dass der Zusammenschluss nicht zulasten der europäischen Verbraucher geht“, sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Montag in Brüssel. Siemens muss daher keine Auflagen erfüllen. Bereits bis diesen Dienstag will der Konzern das Geschäft abschließen.

Rund sieben Milliarden Euro kostet der Zukauf

Einschließlich ausstehender Finanz-Verbindlichkeiten von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar von Dresser-Rand beläuft sich der Kaufpreis auf 7,8 Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro). Damit ist es der teuerste Zukauf für Siemens seit langem. „Mit Dresser-Rand verfügen wir nun über ein umfassendes Portfolio an Ausrüstung und Fähigkeiten für die Öl- und Gasindustrie und eine deutlich größere installierte Basis“, erklärte Siemens-Vorständin Lisa Davis.

Den Deal fädelte Konzernchef Kaeser vor dem drastischen Ölpreisverfall ein

Konzernchef Joe Kaeser hatte den Deal, mit dem er vom Fracking-Boom in den USA profitieren wollte, ausgerechnet kurz vor dem drastischen Ölpreisverfall eingefädelt. Inzwischen muss die Branche sparen und baut auch Stellen ab, was für Kritik am hohen Kaufpreis sorgte. Siemens-Managerin Davis verteidigte das Geschäft. Angesichts der niedrigen Ölpreise suchten die Kunden verstärkt nach Wegen, ihre Kosten zu senken. „Das eröffnet uns trotz der Herausforderungen des niedrigen Ölpreises auch Chancen, da wir uns auf Angebote zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung verstärkt konzentrieren werden“, so Davis. „Die langfristige Wachstumsgeschichte bei Öl und Gas ist intakt.“ Sowohl Siemens als auch Dresser-Rand produzieren unter anderem Antriebe wie zum Beispiel Gasturbinen, Industriegasturbinen, Dampfturbinen und Elektromotoren. Die Abnehmer dieser Maschinen sind hauptsächlich in der Öl- und Gaswirtschaft tätig. Dresser-Rand mit rund 7900 Beschäftigten kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 2,8 Milliarden Dollar. Großer Konkurrent von Siemens und Dresser-Rand ist der US-Konzern General Electric.

Der derzeitige Dresser-Rand-Chef soll das Geschäft noch bis Ende August führen.

Das Geschäft von Dresser-Rand werde mit der Kompressor-Einheit und dem zugehörigen Service-Geschäft von Siemens eine neue Einheit Dresser-Rand in der Siemens-Division Power and Gas bilden und sich vornehmlich auf die Öl- und Gas-Branche konzentrieren, hieß es. Der derzeitige Dresser-Rand-Chef Vincent Volpe soll das Geschäft noch bis Ende August führen. Ab 1. September übernimmt dann der Dresser-Rand-Manager Christopher Rossi die Führung. Vom Jahr 2019 an erwartet Siemens jährliche Synergieeffekte von rund 200 Millionen Euro durch die Integration des US-Unternehmens. Die obersten Wettbewerbshüter Europas hatten zunächst Bedenken gehabt, dass es nach dem Zusammenschluss zu wenig Konkurrenz auf dem Markt geben würde, was höhere Preise nach sich gezogen hätte. Diese Bedenken hätten sich bei der genauen Untersuchung aber nicht erhärtet, hieß es. dpa

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