Soziale Berufe : Zehn Prozent mehr Geld für Erzieher?

Verdi will soziale Berufe materiell aufwerten und hat die entsprechende Entgeltregelung gekündigt. Anfang kommenden Jahres könnte es zu Streiks in den Kitas kommen.

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Allein in den Kitas arbeiten inzwischen gut 520 000 Erzieher und Pfleger.Foto: picture alliance / dpa

Beschäftigte in sozialen Berufen sollen zehn Prozent mehr Geld bekommen. Mindestens. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat jetzt die entsprechenden Regelungen gekündigt, um Anfang kommenden Jahres gegenüber der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) eine kräftige Tariferhöhung durchzusetzen. Eine Kinderpflegerin mit staatlicher Anerkennung und mindestens vier Jahren Berufserfahrung verdient derzeit 2376 Euro brutto. Wenn Verdi sich durchsetzt, steigt das Gehalt auf 2692 Euro. Bei einer Erzieherin mit staatlicher Anerkennung und entsprechend verantwortlicher Tätigkeit, zum Beispiel als Gruppenleiterin, sieht Verdi einen Sprung von 2703 auf 2921 Euro vor. Über alle Beschäftigten und Branchen hinweg soll es im Durchschnitt zehn Prozent mehr Geld geben. „Wir wollen damit den Veränderungen im Anforderungsprofil Rechnung tragen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Montag in Berlin. Die materielle Aufwertung der sozialen Berufe sei „überfällig“.

Nach Angaben der Gewerkschaft arbeiten im Sozial- und Erziehungsdienst 722 533 Personen. Rund ein Drittel davon ist bei Kommunen tätig, der überwiegende Teil bei kirchlichen Trägern. Auch die Letztgenannten orientieren sich bei der Bezahlung am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) und den dort bestehenden Eingruppierungsregelungen. Deshalb ist das, was Verdi mit der VKA vereinbart, auch relevant für kirchliche oder private Träger.

Die letzte Änderung der Entgeltgruppen war 2009

Die entsprechenden Eingruppierungen für die sozialen Berufe nach Tätigkeitsmerkmalen waren zuletzt 2009 angehoben worden. In der Zwischenzeit gab es zwar diverse Tariferhöhungen im Rahmen des TVÖD, die Entgeltgruppen blieben aber unverändert. Nun macht Verdi einen Anlauf, um dort gravierende Veränderungen für die Beschäftigten zu erreichen. Das wird vermutlich nicht ohne Arbeitskampf abgehen; 2009 gab es – vor allem in den Kitas – einen mehrwöchigen Arbeitskampf.

Verdi begründet die Auseinandersetzung mit der gestiegenen Bedeutung der Sozial- und Erziehungsberufe für die Gesellschaft. Erzieher und Sozialarbeiter, Pfleger und Pädagogen hätten aus verschiedenen Gründen immer mehr zu tun: „Die hohe Arbeitslosigkeit und die steigende Zahl von Geringverdienern, zunehmende Kinderarmut und Perspektivlosigkeit von Jugendlichen sowie veränderte Familienkonstellationen verweisen auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, in denen soziale Arbeit noch bedeutsamer geworden ist“, heißt es bei der Gewerkschaft. Die Kitas haben mit gut 527 000 die weitaus meisten Beschäftigten in sozialen Berufen, davon 355000 Erzieher und knapp 61 000 Kinderpfleger. Nur 40 Prozent der Kitabeschäftigten arbeiten Vollzeit, im Osten sogar nur 25 Prozent; die hohe Teilzeitquote ist für Verdi ein weiterer Grund für eine deutliche Entgelterhöhung.

Die Arbeitgeber sehen das natürlich anders. Sie verweisen auf die Tariferhöhung im TVÖD von 6,3 Prozent für die Jahre 2012 und 2013 sowie weitere 5,4 Prozent für 2014 und 2015. Weitere Erhöhung durch Veränderungen in den Entgelttabellen seien deshalb nicht erforderlich, und schon gar nicht im Volumen von zehn Prozent, argumentiert die VKA.

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