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Sparprogramm "Turbine" : Air Berlin gliedert Kundenservice aus

Air Berlin will zwei Dienstleistungsabteilungen mit insgesamt 300 Mitarbeitern verschmelzen und diese zum 1. Oktober verkaufen - an den Bertelsmann-Konzern. So will die Airline den Service verbessern, teilt sie mit. Mancher Mitarbeiter zeigt sich "entsetzt".

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Sparprogramm Turbine: Air Berlin gliedert seinen Kundenservice aus.
Sparprogramm Turbine: Air Berlin gliedert seinen Kundenservice aus.Foto: Picture Alliance / dpa

220 Angestellte des Service Centers und 80 des Kundenservices sollen zur Bertelsmann-Tochter Arvato wechseln. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. Die Abteilungen müssten einen Beitrag zum Sparprogramm „Turbine 2013“ leisten, heißt es zur Begründung in einer Präsentation der Strategie-Abteilung. Es seien größere Investitionen in IT und Know-how „zeitnah notwendig“, ohne Partner aber "nicht finanzierbar für Air Berlin".

Die Arbeitsverträge der 300 Mitarbeiter sollen mindestens zwölf Monate fortbestehen, heißt es in einem am 11. Juli verschickten Brief von Air-Berlin-Vertriebsvorstand Paul Gregorowitsch an die betroffenen Mitarbeiter. Im Anschluss strebe Arvato die Fortsetzung der Arbeitsverhältnisse zu „marktüblichen Konditionen“ an und biete weitere sechs Monate Vergütung auf Air-Berlin-Niveau. Ein dauerhafter Fortbestand des Betriebes werde allerdings nur gewährleistet sein, wenn nach zwölf Monaten mindestens 98 Prozent aller dann noch verbliebenen Mitarbeiter dem Abschluss neuer Arbeitsverträge zustimmen, schrieb der Vorstand weiter.

Air Berlin bestätigte dem Tagesspiegel, dass beide Abteilungen zum 1. Oktober in einer neuen Einheit namens „Customer Interaction Center“ zusammengeführt werden sollen. „Ziel ist es, den Air-Berlin-Gästen einen einheitlichen Kontaktpunkt zu bieten und die Kundenzufriedenheit zu steigern“, teilte eine Sprecherin mit. Details dazu wolle man derzeit nicht kommunizieren. Ein Sprecher von Arvato in Gütersloh erklärte, man sei bereits seit mehreren Jahren als Dienstleister für Air Berlin tätig und bestätigte: „Derzeit sprechen wir mit unserem Kunden über einen Ausbau dieser Partnerschaft.“

"Mitarbeiter und Reisebüros warnen seit Jahren den Vorstand über den schlechten Bearbeitungsstandard der Arvato-Mitarbeiter", schrieb ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, der Tagesspiegel-Readktion. Die Fluktuationsrate bei Arvato sei hoch wegen der schlechten Bezahlung. Die Servie-Center-Mitarbeiter seien "entsetzt", schrieb er. "Um der Öffentlichkeit eine schlankere Air-Berlin-Group vorzustellen, schreckt der Vorstand vor nichts zurück".

Arvato ist der größte Anbieter von Kundenkommunikationsdienstleitungen hierzulande und bearbeitet unter anderem auch Kundenbeschwerden für Air Berlins größten Konkurrenten Lufthansa. Er betreibt 18 Call-Center in Deutschland, eines davon in der Badenschen Straße in Berlin-Wilmersdorf und eines in Potsdam. Gut möglich, dass die Mitarbeiter dorthin umziehen, allerdings wohl erst im Sommer oder Herbst 2014. Bis dahin können sie offenbar mit ihren dann ehemaligen Kollegen in der Air-Berlin-Zentrale am Saatwinkler Damm (Charlottenburg-Nord) bleiben, wie es in der Präsentation heißt.

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