Spendenaktion : Sei ein Held – verzichte aufs Pfand

Es gibt einen Markt für das Gute.

Ehrenamtlich, also unentgeltlich, arbeitet der Vorstand. Maximal zehn Prozent aller Spenden dürfen für Verwaltung und Werbung verwendet werden. Ein Büro gibt es nicht. Im Internet vernetzen sich die Berliner „Sozialhelden“, die sich einer besseren, nachhaltigen Gesellschaft verschreiben. Nur eine 400-Euro-Kraft ist im Einsatz – damit die Freiwilligen koordiniert werden können und Spender sich nicht von einem Projektverantwortlichen zum nächsten durchfragen müssen. „Schlank“ nennt man eine solche Struktur im Wirtschaftsjargon wohl. Und leistungsfähig ist sie dazu noch: 100 000 Euro jährlich sammelt das bekannteste Projekt der Sozialhelden ein: „Pfandtastisch helfen“.

Das Konzept ist ebenso einfach wie einträglich: Neben der Pfandflaschen-Rückgabe von rund 300 Supermärkten im Lande steht eine metallene Box, in der die Kunden ihren gerade gezogenen Pfandbon wieder einwerfen können. Statt Geld an der Kasse gibt es das gute Gefühl im Herzen, Bedürftigen geholfen zu haben. Die Spende geht direkt an die Berliner Tafel, die mittellosen Menschen ein Mahl möglich macht.

Das ist ein Beispiel für die vielen neuen, sozial gesinnten Unternehmer. Sie sind jung und wollen finanztechnische Instrumente auf dem sozialen Feld anwenden. Raul Krauthausen, 29, Gründer und Vorstandschef der Sozialhelden, die die Initiative „Pfandtastisch“ ergriff, ist einer von ihnen. Auf ähnliche Weise wird auch beim Lebensmittelkonzern Lidl geholfen, wo auf den Pfandautomaten der Filialen nur noch eine Taste gedrückt wird, um das Leergut-Geld zu spenden – an den bundesweiten Tafel-Verband. Auch die Malteser stellten bereits im Juni vor zwei Jahren einen ähnlichen Automaten vor. Altehrwürdige Nichtregierungsorganisationen und die neue Generation der Sozialbewegten inspirieren sich wechselseitig.

Auf den Charity-Zug springen aber auch große, international operierende Firmen: Die Wirtschaftsberater von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) loben sogar einen sogenannten Transparenzpreis für die Branche aus. Den erhielt in diesem Jahr die Deutsche Welthungerhilfe. Der Preis habe einen Professionalisierungsschub bei der Dokumentation von Arbeit und Geldflüssen karitativer Vereine gebracht, heißt es in der Branche. Kritiker merken aber an, dass der Preis, von der Nennung seiner Träger abgesehen, Spendern wenig bringe. Vor allem PwC profitiere selbst davon: In der Welt der Wirtschaft, wo Verkaufserfolge vom Image abhängen, ist der Einsatz für den guten Zweck ein begehrter Mehrwert.

Ebenfalls aus dem Mutterland der freien Marktwirtschaft stammt die Idee zu „betterplace“. Die Website ist eine Informations- und Kontaktbörse für Spenden, Menschen, Initiativen und Projekte. Geld oder Arbeitskraft, Ideen oder Erfahrung, hier kann alles direkt ausgetauscht werden. ball

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