Spielzeug im Stall, keine Ferkelkastration : Bauern sollen fürs Tierwohl bezahlt werden

Bauern, Fleischwirtschaft und Handel reagieren auf die Kritik an der Massentierhaltung. Schweine- und Geflügelhalter sollen ab dem nächsten Jahr von Aldi und Co. Geld bekommen, wenn es ihren Tieren besser geht.

Heike Jahberg
Sauwohl: Schweine wälzen sich gern im Matsch. Doch in den modernen Großställen geht das nicht.
Sauwohl: Schweine wälzen sich gern im Matsch. Doch in den modernen Großställen geht das nicht.Foto: dpa

Mit einer „Tierwohl-Initiative“ wollen die großen Lebensmittelketten Bauern belohnen, die freiwillig höhere Haltungsstandards bei Geflügel und Schweinen einführen. Schweinehalter sollen eine jährliche Prämie von 500 Euro erhalten, wenn sie bestimmte Grundanforderungen (mehr Licht, bessere Luft, Wasser) erfüllen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, am Donnerstag in Berlin. Um die Prämie zu bekommen, müssen die Landwirte ihren Tieren zudem mehr Platz einräumen als gesetzlich vorgeschrieben ist oder ihnen Raufutter (Gras, Rüben) geben. Über die Prämie hinaus können die Landwirte weitere Zahlungen erwarten, wenn sie in das Tierwohl investieren, in dem sie Spielzeug anschaffen, die Kühlung im Stall verbessern oder Jungeber aufziehen, und so die umstrittene Kastration von Ferkeln vermeiden. Die Jungebermast wird mit 1,50 Euro pro Tier vergütet, der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze mit sechs Euro.
Das Geld kommt vom Lebensmitteleinzelhandel, der pro Jahr 65 Millionen Euro in einen Fonds einzahlt. Beteiligt sind alle Großen wie Aldi, Lidl, Kaufland, Kaiser’s Tengelmann, Rewe, Edeka und Real. „90 Prozent des Marktes sind dabei“, betonte Krüsken. Die Händler zahlen einen Aufschlag von maximal vier Cent pro Kilo für die Tierwohl-Initiative, wollen das aber nicht auf die Preise aufschlagen. Starten soll das neue System Anfang 2015. Rund ein Viertel der 25 000 Schweinehalter wollen von Anfang an mitmachen, heißt es beim Bauernverband. Auch die Geflügelbranche soll Teil der Initiative sein, dort laufen die Detailverhandlungen jedoch noch.
Anders als beim Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds werden die Verbraucher im Laden nicht erkennen können, ob die Tiere nach den neuen Tierwohl-Regeln gehalten worden sind oder nicht. Ziel der Initiative sei es nicht, dem Verbraucher im Laden eine Kaufentscheidung zu geben, sondern generell die Haltung der Tiere zu verbessern, hieß es.
Für sein Label „Für mehr Tierschutz“, das im vergangenen Jahr eingeführt worden war, zog der Tierschutzbund am Donnerstag auf Tagesspiegel-Anfrage eine gemischte Bilanz. Im Hühnerbereich verzeichnet die Organisationen einen deutlichen Anstieg der Hühnerhalter, die mitmachen. Von 14 Betrieben zu Beginn seien es nun 38 Masthuhnbetriebe, die das Tierschutzlabel tragen. Anders sieht es aber bei den Schweinehaltern aus. „Im Schweinebereich stocken wir“, räumte der Tierschutzbund ein. „Im ersten Jahr haben wir noch keinen Durchbruch in der Breite gefunden.“

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