Wirtschaft : Spritkonzerne entgehen E10-Strafe Trotzdem kassieren sie bei Kunden Extra-Geld

16.09.2011 22:36 UhrVon Kevin P. Hoffmann

Berlin - Die Mineralölkonzerne haben erstmals bestätigt, dass sie nicht mit einer Strafabgabe rechnen, die fällig werden könnte, sollten sie in diesem Jahr zu wenig Biosprit E10 absetzen. Zwar könne man „mit Sicherheit sagen, dass für 2011 das vorgegebene Quotenziel bei Biokraftstoffen verfehlt wird“, erklärte Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes MWV, am Freitag schriftlich. Allerdings erwarte er nach heutigem Stand „keine gravierenden Abgaben“.

Die Aussage ist insofern brisant, als dass Uwe Franke, ehemaliger Vorsitzender des MWV und Europachef von BP, Ende August eine Schätzung abgegeben hatte, wonach die Tankstellenbetreiber im kommenden Jahr eine Abgabe in Höhe von 300 bis 400 Millionen Euro würden zahlen müssen.

Um diese angeblich erwartbaren Mehrkosten zu finanzieren, würden Tankstellenbetreiber seit dem Frühjahr zwei bis drei Cent auf jeden verkauften Liter normalen Superbenzins (E5) aufschlagen, räumte der Verband ergänzend ein.

Die Annahme, dass es nun doch keine Strafabgabe gibt, stützt der MWV auf die Erkenntnis, dass in den vergangenen Jahren die Biokraftstoffquote übererfüllt werden konnte. Diese Kontingente würden automatisch auf die im laufenden Jahr zu erfüllende Quote angerechnet, hieß es. Der Übertrag werde das aktuelle Defizit „weitgehend ausgleichen“.

Rechnerisch hat die Branche die Beimischungsquote also doch erfüllt – über den Umweg der Anrechnung. Autofahrer, die daher erwarten, dass die Tankstellen ihnen die Aufschläge erstatten, werden zugleich enttäuscht: „Wenn die Biokraftstoffquote erfüllt werden soll, kostet das Geld, unabhängig davon, wie und zu welchem Zeitpunkt Vorsorge für die Quotenerfüllung getroffen wurde“, argumentiert Picard. Soll heißen: Auch andere Biospritprodukte wie E85 und Biodiesel B100, das die Konzerne etwa in großen Kontingenten etwa an Speditionen verkaufen, mussten und müssen bezahlt, mitunter nachversteuert werden. „Klimaschutz gibt’s nicht umsonst“, schrieb Picard weiter.

„Ich begrüße, dass auch der MWV bestätigt, dass die Quote 2011 erfüllt wird und die Branche auch künftig alle verfügbaren Optionen nutzen will, die zur Verfügung stehen“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dem Tagesspiegel. „Damit hat sich bestätigt, dass es keinerlei Berechtigung für Aufschläge an den Tankstellen gibt und gegeben hat.“

Was für die Regierung daraus folgt, sagte Röttgen nicht. „Die ganze Sache ist völlig intransparent. Das Ministerium sollte sich endlich alle Akten der Unternehmen vorlegen lassen und prüfen, ob ein Missbrauch vorliegt“, forderte Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentralen. Kevin P. Hoffmann

    Ein Service von
    Angebote und Prospekte von kaufDA.de
Sie möchten sich beruflich verändern?
Dann sind Sie hier richtig! Recherchieren Sie in den Anzeigen der letzten sechs Tagesspiegel-Ausgaben und finden Sie Ihre neue Stelle.

eMobility-Spezial

Hintergründe und Analysen zum Thema eMobility.

Das eMobility-Spezial des Tagesspiegel.

Weitere Themen

Umfrage

Thilo Sarrazin hat wieder ein Buch geschrieben. Werden Sie es lesen?

Service

Immobilien

Eigenheimfinanzierung, Mietrecht, Immobilienmarkt und mehr.

Zur Immobilienseite des Tagesspiegel.
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Umfrage

Laut einer Studie erhält ein Viertel aller Beschäftigten Niedriglöhne. Wird es Zeit für einen gesetzlichen Mindestlohn?

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite
Foto:

Berlin maximal ist da - das erste Magazin für alle Aktiven der Berliner Wirtschaft.

    www.berlin-maximal.de