Stadtumbau : Abriss hunderttausender Wohnungen im Osten gefordert

Wegen einer weiter drastisch schrumpfenden Bevölkerung in Ostdeutschland hält die Immobilienwirtschaft den Abriss zahlreicher Wohnungen auch in Zukunft für nötig. Einige Häuser stehen aber nicht komplett leer.

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Abriss in Ostdeutschland: Am Brühl in Leipzig mussten bereits Wohnungen für den Stadtumbau weichen. -Foto: dpa

LeipzigDer von Bund und Ländern geförderte "Stadtumbau Ost" müsse über das Jahr 2009 hinaus fortgesetzt werden, forderten die ostdeutschen Mitglieder im GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen am Montag in Leipzig. Von 2010 bis 2016 müssten in den neuen Ländern voraussichtlich 200.000 bis 250.000 Wohnungen abgerissen werden. Dieser "Rückbau" sei nur mit einer Förderung von 60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche möglich. Zudem müssten die Unternehmen von Altschulden entlastet werden.

Statistiker gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahl im Osten bis 2050 um 32 Prozent auf 9,13 Millionen Einwohner sinkt. Ohne Abriss drohe eine "zweite Leerstandswelle". "Man muss nicht fatalistisch diese Entwicklung über sich ergehen lassen", betonte Joachim Wege, Direktor des Verbandes der norddeutschen Wohnungsunternehmen. "Sie sollte auch ein Impuls sein, dass man sich etwas überlegt, wie man Lebensqualität bieten kann." Der Trend gehe klar zur Stärkung der Innenstädte; der Rückbau solle "von außen nach innen" erfolgen.

"Die einfachen Abrisse sind vorbei"

Nach Angaben der Unternehmen ist der Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen komplizierter geworden, was wiederum den Stadtumbau verzögert. "Die einfachen Abrisse sind vorbei", sagte Axel Viehweger vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften. Früher habe es reihenweise verlassene Häuser gegeben, "die standen leer, die waren unsaniert und alle waren sich einig: Die müssen weg". Jetzt stünden die Häuser aber nicht mehr komplett leer, sondern vielleicht nur noch zur Hälfte. Deswegen sei "Umzugsmanagement" gefragt - und das sei aufwendig und koste Geld.

Der "Stadtumbau Ost" sah im Zeitraum von 2002 bis 2009 den Abriss von 350.000 Wohnungen vor und war auf 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. "Wir denken, dass es in dieser Größenordnung weitergehen muss", sagte Wege. Für die "nächste Runde" des Abrisses rechne er mit 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, hinzu käme die geforderte Entlastung von Altschulden, die auf den Beständen lasten. Die Wohnungsunternehmen plädierten dafür, dass die Politik die nötigen Weichen für die Fortsetzung des Programms schon im ersten Halbjahr 2009 stellt. (imo/dpa)

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