Stahlbranche in Angst : Europa droht Verlust von 60 Prozent der Stahlproduktion

Wolfgang Eder, Präsident des Weltstahlverbands und Chef des Stahlherstellers Voestalpine: Ein Großteil der Produktion verschwindet aus Europa.

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Wolfgang Eder
Wolfgang EderFoto: Kai-Uwe Heinrich

Wolfgang Eder, Vorstandschef der österreichischen Voestalpine und Präsident des Weltstahlverbandes, befürchtet, dass ein Großteil der Produktion aus Europa verschwinden wird. "Ich schätze, etwa 60 Prozent der Stahlerzeugung in Europa werden wir aus Kostengründen langfristig verlieren. Hier wird es nur noch industrielles High-Tech geben können", sagte Eder dem Tagesspiegel (Montagausgabe).  "Ein neuer Hochofen wird in Europa wohl nicht mehr gebaut werden, die sich schon sehr konkret abzeichnenden Rahmenbedingungen lassen das einfach nicht zu."

Konkret nannte Eder die hohen Energiekosten und den CO2-Zertifikate-Handel. "Die Verringerung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2030 und um 85 Prozent bis 2050 - das ist mit der heutigen Technologie im Stahl nicht zu erreichen", sagte Eder. Für Voestalpine zeichne sich ab, dass der Konzern von 2020 an jedes Jahr rund 200 Millionen Euro für Zertifikate ausgeben müsse. "Das ist wiederum mehr als wir operativ im Stahlgeschäft verdienen, das wir uns damit dann schlicht nicht mehr leisten könnten", sagte Eder. Der Voestalpine-Chef war erst vor kurzem in Chicago als Weltstahlpräsident wiedergewählt worden.

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