Start-ups : Im Wald der virtuellen Bäume

Das Start-up „Laubwerk“ hat eine Technologie entwickelt, mit der sich Bäume in 3-D darstellen lassen. Jetzt sind Risikokapitalgeber eingestiegen.

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Philip Paar (rechts) und Timm Dapper lassen sie sich von der Natur.
Philip Paar (rechts) und Timm Dapper lassen sie sich von der Natur.Foto: Mike Wolff

Ein Mausklick und aus dem blühenden Kirschbaum auf dem Bildschirm wird eine Eiche. Noch ein Klick und der Baum verliert seine Blätter, an die Stelle der grünen Krone tritt kahles Geäst. Und das alles in 3-D-Optik. Wenn Timm Dapper mit der Maus über den Bildschirm fährt, ändert sich die Ansicht, zeigt den Baum mal von rechts, mal von links, mal von oben, mal von der Seite. Zwei Jahre haben Dapper und sein Kollege Philip Paar an ihrer Technologie geforscht, mit der sich Bäume auch in 3-D realistisch darstellen lassen. Auf Knopfdruck lassen sich die Baumart, das Alter des Baums und die Jahreszeit ändern. „Wir sind eine virtuelle Baumschule“, sagt Paar.

Was für den Laien wie eine Spielerei klingt, ist für Architekten oder Postproduzenten beim Film unerlässlich. Beide müssen Pflanzen realistisch darstellen – ob bei der Visualisierung eines Architekturmodells oder der 3-D-Animation eines Films. „Die Botanik ist nicht das Wichtigste im Bild“, sagt Paar, „aber der Betrachter ist verwöhnt. Er merkt sofort, wenn zum Beispiel die Blätter am Baum zu groß wirken.“ Weil Pflanzen aufgrund ihrer vielen Details schwer nachzubauen sind, wurden sie bislang in 3-D-Darstellungen häufig vernachlässigt. Mit ihrem Start-up „Laubwerk“ haben Dapper und Paar sich deshalb auf die Nische der „digitalen Botanik“ spezialisiert.

Nach zwei Jahren der Entwicklung, in denen sie sich vor allem über Stipendien finanziert haben, sind jetzt zwei Risikokapitalgeber bei Laubwerk eingestiegen. Einer ist die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), die über ihren Frühphasenfonds Jungunternehmern je zwischen einer halben und einer Million Euro bereitstellt. Der andere ist ein privater Investor, der anonym bleiben will und über die Höhe seines Investments schweigt. Mit dem Geld wollen Paar und Dapper ihre Produktlinie weiter ausbauen – also mehr Baumarten in 3-D anbieten – und die weltweite Vermarktung vorantreiben. 2014, so steht es im Business Plan, wollen sie mit ihrer virtuellen Botanik Gewinn erwirtschaften.

Zunächst heißt es für die beiden aber erst einmal Packen. Die letzten 18 Monate hatte das Start-up seinen Sitz in der Gründerwerkstatt der Berliner Beuth Hochschule. In diesen Tagen beziehen Paar und Dapper ihre neuen Büroräume in Potsdam-Babelsberg. Zusätzlich zu ihren bisherigen vier festen Mitarbeitern wollen sie dann auch weiteres Personal für Software-Entwicklung sowie Marketing und Vertrieb einstellen.

Die erste Version ihrer Software haben Paar und Dapper im Dezember auf den Markt gebracht – und schon jetzt kommen ihre Kunden aus der ganzen Welt. Einer der ersten Anwender war ein Architektenteam aus Singapur, das die 3-D-Bäume der Berliner Programmierer in ihre Präsentation einbauten, mit der sie sich bei der Ausschreibung für ein Hochhaus in Frankfurt am Main bewarben.

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