Start-ups in Berlin : Die Berliner Gründerszene ist nicht tot

Viel Geld, aber wenig Know-how: "Die Berliner Gründerszene ist nicht morbide – das Gegenteil ist der Fall", sagen die Dailydeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann.

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In der Backfabrik in Prenzlauer Berg bauen die Brüder Fabian (links) und Ferry Heilemann neue Firmen auf.
In der Backfabrik in Prenzlauer Berg bauen die Brüder Fabian (links) und Ferry Heilemann neue Firmen auf.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

In Start-ups investieren ist ein riskantes Geschäft. Viele junge Firmen scheitern, das liegt in der Natur der Sache, denn sie wagen Neues. Berlin hat in den letzten Jahren viele Gründer angezogen, vor allem aus der Internet-Welt. Fabian Heilemann zeichnet eine Pyramide auf ein Blatt Papier: „Das hier ist die Situation von 2008“, erklärt der 31-Jährige. „Damals haben ungefähr 50 Firmen eine Gründungsfinanzierung bekommen.“ Die Pyramide hinauf, in den späteren Phasen, wenn es um höhere Summen geht, nimmt die Zahl der Firmen ab. „Und das ist die Situation heute“, sagt Heilemann und zeichnet unten einen breiten Fladen aus dem oben eine kleine Spitze ragt. „Es gibt einfach zu viel dummes Geld in der Frühphase“, konstatiert er. „Aber das heißt nicht, dass die ganze Szene morbide ist, das Gegenteil ist der Fall.“

Heilemann kommt aus der Szene. Gemeinsam mit seinem Bruder Ferry hat er 2009 das Gutscheinportal Dailydeal gegründet und 2011 für 114 Millionen Dollar an Google verkauft. Seither sind die Brüder selbst Investoren – und sie sind ziemlich aufgebracht, wie viele ihrer Kollegen. Noch vor wenigen Monaten haben sich die Medien überschlagen mit Berichten über die boomende Berliner Start-up- Szene. Nun ärgern sich die Berliner, dass die Berichte einen anderen Dreh bekommen – und vor allem auf Start-ups abzielen, die inzwischen gescheitert sind. „Berlin hat bei Weitem die beste Infrastruktur für Gründer auf dem europäischen Kontinent“, sagt Fabian Heilemann. „Und nur weil man Berlin schlechtredet, werden die anderen Standorte nicht besser.“

Die Firmen kommen heute viel leichter an Kapital

Früher habe es in Deutschland etwa 30 Business Angels gegeben. „Heute sind es hunderte und die haben nicht alle den nötigen Sachverstand“, gibt Fabian Heilemann zu. Business Angels sind private Investoren, meist erfolgreiche Geschäftsleute. Sie stecken zehntausend oder hunderttausend Euro in ein Team mit einer Idee, damit daraus ein Geschäft wird. „Dumm“ ist das Geld dann, wenn die Investoren nicht auch Erfahrung und Know-how ins Team stecken und Kontakte knüpfen können. Das ist am Anfang so wichtig wie das Geld selbst.

„Heute bekommen immer mehr Teams Geld, die früher nie eine Finanzierung bekommen hätten“, sagt Heilemann. Das bedeute aber nicht, dass nicht auch die Zahl der tragfähigen Geschäftsmodelle gestiegen sei. „Untergegangen sind die hippen und coolen Spielereien“, sagt er. „Aber unsere Geschäftsmodelle machen Umsatz vom ersten Tag an.“

Heilemann Ventures selbst ist derzeit an 14 Unternehmen beteiligt. Daneben steht die Holding Sky & Sand, eine Firma, die andere Firmen aufbaut. Vier Unternehmen mit rund 120 Mitarbeitern in Berlin, Erfurt und Wien gehören dazu. Darunter: Dailydeal. Vor einem Jahr kauften die Gründer das Unternehmen von Google zurück, zu welchem Preis, darüber schweigen sie. „Das Geschäftsmodell von Dailydeal hat in der damaligen Form nicht in das Konzept von Google gepasst“, sagt Ferry Heilemann. Das Geschäft sei zu schnell gewachsen, geben die Heilemanns zu. Die Erfahrung musste auch der Konkurrent Groupon machen. Dennoch funktioniere das Geschäftsmodell. „Es gibt keinen effektiveren Weg, um online für lokale Geschäfte zu werben“, sagt Ferry Heilemann. Und: „Dailydeal wird 2014 profitabel.“

Die Konkurrenz schläft nicht

Seit einigen Monaten ist Ferry auch Geschäftsführer von Pepperbill. Im September übernahmen die Brüder die Mehrheit an dem Anbieter mobiler Kassensysteme aus Erfurt. „Das Team hat das technologische Know-how, wir haben die Expertise in der Vermarktung“, sagt Ferry Heilemann. Das System basiert auf dem Apple-Betriebssystem iOS. Der Wirt kann damit in Echtzeit analysieren, wie sein Geschäft gerade läuft. „Pepperbill ist benutzerfreundlicher, preiswerter und hat mehr Funktionen als die etablierten Systeme“, wirbt Ferry Heilemann. Mehrere hundert Kunden hat das Start-up bereits, allerdings gibt es in Berlin mit Orderbird auch schon einen starken Wettbewerber.



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