Startup Camp in Berlin : Junge lernen von alten Gründern

Beim Startup-Camp treffen junge Gründer auf erfahrene Firmenchefs. Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold gibt seinen Rat weiter genauso wie Investor Florian Heinemann. Ein Ortstermin.

Thomas Walbröhl
Der Hörsaal füllt sich nur langsam beim Startup-Camp.
Der Hörsaal füllt sich nur langsam beim Startup-Camp.Foto: dpa

Vielleicht liegt es an diesem – für gestandene Geschäftsleute – eher fremden Ort, dass die Gäste einen lässigen Umgang mit der Zeit pflegen. Oder es liegt an den Gästen, viele Besucher des „Startup Camps Berlin“ sind ja selbst noch nicht so lange raus aus der Uni: Um 9.30 Uhr sollte es beginnen, um 9.40 Uhr sind erst drei Viertel der Plätze besetzt im Audimax der Humboldt Universität in Berlin- Mitte. Cum Tempore, also 15 Minuten später, geht es dann wirklich los.

Beim Startup-Camp treffen junge auf alte Gründer

Zur ersten Auflage dieser Konferenz „Startup Camp“ vor elf Jahren waren 50 Teilnehmer gekommen. An diesem Freitag hatten sich allein als Sprecher 186 Gäste registrieren lassen – und insgesamt 970 Besucher, teilte der Veranstalter, der Entrepreneurs Club Berlin mit. Zwei Tage lang Seminare, Vorträge und Workshops, das volle Programm ab 109 Euro Eintritt: Junge Gründer treffen alte Gründer, das hat wohl die meisten Besucher gelockt – wobei „alt“ relativ ist, „gestanden“ passt besser.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold (l), und der Botschaftsrat an der US-Botschaft, Thomas Miller gehörten zu den Rednern des Startup-Camps.
Der frühere Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold (l), und der Botschaftsrat an der US-Botschaft,...Foto: dpa

Da ist zum Beispiel Florian Heinemann, 40 Jahre jung. Er war schon in den Gründungstagen bei Rocket Internet dabei, gründete vor drei Jahren in Berlin aber mit Project A Ventures seinen eigenen Inkubator, der stetig wächst. „Es gewinnt, wer am schnellsten lernt“, ist eine Weisheit, die Heinemann im Audimax zum besten gibt – und kräftig Applaus bekommt.

Thomas Miller berichtet vom amerikanischen Gründerspirit

Thomas Miller, Gesandter der US-Botschaft, verbreitet etwas von dem amerikanischen Gründerspirit, den viele in Deutschland vermissen. Miller kritisiert im größten Hörsaal der HU formale Bildung. Die werde immer unwichtiger, sei zu theoretisch, zu bürokratisch und fördere uniformes Denken und Rationalität zulasten von Kreativität. Auch das kommt hier gut an.

Laune verbreitet auch Frank Thelen, der seit 1997 Internet-Start-ups in Serie gründet und einem breiteren Publikum bekannt wurde, seit er auf dem Sender Vox in „Die Höhle der Löwen“ Geschäftsmodelle vor laufender Kamera zerpflückt.

Hätte es einen Ehrenpreis an diesem ersten Tag im „Startup Camp“ gegeben, er wäre wohl an Joachim Hunold gegangen, den 65-jährigen Gründer von Air Berlin. Der hat wirklich alle Höhen und Tiefen des Unternehmertums erlebt. Hunold berichtet von seinem Werdegang, zähen Verhandlungen, Medienskandälchen und davon, wie sein Erfolg am Ende von der Prüfung eines einzigen Technikers abhing. Das alles ist immerhin 24 Jahre her. Da war mancher Zuhörer noch nicht einmal auf der Welt.

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