Steuerhinterziehung : Wie Anleger sich ehrlich machen können

Luxemburg kündigte letzte Woche an, sich an der automatischen Weitergabe von Informationen zu Zinserträgen zu beteiligen. Viele Deutsche haben dort noch Geld versteckt. Jetzt wächst die Angst, entdeckt zu werden. Eine Selbstanzeige hilft.

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Die Enthüllungen der Offshore-Leaks haben gezeigt, dass Steuerflucht ein globales Phänomen ist.
Die Enthüllungen der Offshore-Leaks haben gezeigt, dass Steuerflucht ein globales Phänomen ist.Foto: dpa

Das Geld reiste auf vielen verschiedenen Wegen nach Luxemburg. Versteckt in Kekspackungen oder ausgehöhlten Orangen, per Bankkurier oder schlicht via Überweisung schafften deutsche Anleger Anfang der 90er Jahre Milliarden Mark in das kleine EU-Land. Aus Angst vor den schärferen deutschen Zinssteuern, die 1992 eingeführt wurden, brachten selbst Kleinanleger ihr Erspartes in das als verschwiegen und sicher geltende Großherzogtum. Mindestens 100 Milliarden DM sammelten die luxemburgischen Töchter deutscher Banken und Sparkassen allein bis Sommer 1991 ein. Einige der einstigen Fluchtmilliarden liegen noch heute – längst umgewandelt in Euro – in den Tresoren der Geldinstitute. Ein Teil des Geldes dürfte sich demnächst wieder auf Reisen machen: zurück nach Deutschland oder weit weg in sicherere Steuerschlupflöcher in der Karibik oder in Asien.

Luxemburg wird offener

Klar ist: Für deutsche Steuerflüchtlinge ist Luxemburg schon bald keine sichere Bank mehr. Ab 2015 werde sich das Land an der automatischen Weitergabe von Informationen zu Zinserträgen beteiligen, kündigte Regierungschef Jean-Claude Juncker in der vergangenen Woche an. Eine Revolution: Denn bisher erfährt der deutsche Fiskus nicht, ob Bundesbürger ihr Geld in Luxemburg versteckt haben oder nicht. Zwar schreibt die EU-Zinsrichtlinie vor, dass EU-Länder Zinserträge von Ausländern an den heimischen Fiskus melden müssen. Doch Luxemburg und Österreich machen von einer Ausnahme Gebrauch: Sie erheben eine anonyme Quellensteuer von 35 Prozent und führen einen Großteil davon – in Luxemburg sind es 75 Prozent – an das Heimatland des Anlegers ab. Doch das will Luxemburg ändern. Mit der Kehrtwende reagiert das Land auf die weltweit verschärfte Jagd nach Steuerhinterziehern, die mit dem Ankauf von Steuer-CDs in Deutschland begann und mit neuen Dokumenten aus Steueroasen in aller Welt – „Offshore-Leaks“ – neue Nahrung bekommen hat. 2,5 Millionen Daten von vermeintlichen Steuerhinterziehern sind den Medien zugespielt worden, Material, das die Behörden ebenfalls gern sichten würden, und das den politischen Druck auf die Steueroasen verschärft hat.

Milliarden versteckt

Wie viel Geld die Deutschen ins Ausland gebracht haben, weiß niemand. Auf 400 Milliarden Euro schätzt die Deutsche Steuer-Gewerkschaft die Summe, die Deutsche außer Landes gebracht haben. Allein in Luxemburg würden 40 bis 50 Milliarden Euro deutscher Staatsbürger schlummern. Im Bundesfinanzministerium will man sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Hier verweist man einzig auf die Steuern, die Luxemburg und Österreich aus den Kapitalerträgen deutscher Anleger nach Deutschland überweisen. 61,4 Millionen Euro flossen danach allein aus Luxemburg in die deutsche Staatskasse, 42,4 Millionen Euro aus Österreich.

Österreich wartet ab

Die Alpenrepublik hält mittlerweile als einziges Land innerhalb der EU krampfhaft an ihrem Bankgeheimnis fest. Zwar zeigen sich beide Regierungsparteien offen für Verhandlungen zur Bekämpfung der internationalen Steuerkriminalität, aber am Bankgeheimnis will Finanzministerin Maria Fekter nicht rütteln: „Wir werden für unser Bankgeheimnis kämpfen, wir sind keine Steueroase“, sagte sie nach dem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel.

Geld zurückholen

Zumindest für die Menschen, die ihr Geld in Luxemburg versteckt haben, stellt sich jetzt die Frage: Was tun? Soll man das Kapital auf eine Reise um die Welt schicken, etwa auf die Cayman-Inseln oder nach Singapur? Dort dürfte es sicherlich noch eine Weile vor dem Fiskus verschont sein, aber auch der eigene Zugriff auf das Geld wird schwieriger. Viele, vor allem kleinere Sparer dürften daher spätestens nun überlegen, ob sie der Flucht nicht ein Ende setzen und den Weg in die Ehrlichkeit wagen sollen.

Beim Finanzamt melden

Der Weg dahin geht über die Selbstanzeige. Diese ist möglich, so lange die Steuerhinterziehung noch nicht entdeckt ist. „Der Steuerbeamte darf noch keine Verknüpfung der Daten zum Steuerzahler vorgenommen haben“, warnt Steuerberater Wolfgang Wawro. Im Fall der neuen „Offshore-Leaks“-Datensätze wäre eine Selbstanzeige daher jetzt noch problemlos möglich. Vorteil der Selbstanzeige: Wer sich selbst beim Finanzamt anschwärzt, bleibt straflos. Man muss jedoch die Steuern nachzahlen, die man dem deutschen Fiskus schuldet. Dass man diese stattdessen in Luxemburg oder Österreich gezahlt hat, spielt keine Rolle. „Es gilt das Wohnortprinzip“, betont Wawro. Das heißt: Maßgeblich für die Steuerschuld ist immer der Ort, an dem man lebt. Zwar kann man sich die in Österreich oder Luxemburg gezahlte Steuer anrechnen lassen – aber nur, wenn man das deutsche Finanzamt darüber informiert. Übrigens: Stimmt der Kunde einem Informationsaustausch zu, wird die Quellensteuer im Ausland gar nicht erst erhoben. In diesem Fall bleibt es bei der deutschen, niedrigeren Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Doch: Dann könnte man sein Geld auch gleich in Deutschland anlegen, daher macht das kaum jemand.

Konsequenzen

Nach einer Selbstanzeige muss man nicht nur für die letzten zehn Jahre sämtliche Steuern zurückzahlen, sondern auch noch Verzugszinsen von sechs Prozent im Jahr. All das muss man in kurzer Zeit – meist sind es vier Wochen – aufbringen. Das Problem: Viele Anleger sind damit überfordert. „Es kann sein, dass das Geld dafür nicht mehr reicht“, warnt Wawro.

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