Strafzinsen und Null-Zins-Kredite : Kluft zwischen Anlegern und Sparern wächst

Verrückte Welt: Die Commerzbank droht Mittelständlern mit Strafzinsen. Privatleute bekommen von Online-Portalen Kredite inzwischen umsonst.

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Die Strafzinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB einlagern, gibt die Commerzbank nun an noch mehr Kunden weiter.
Die Strafzinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB einlagern, gibt die Commerzbank nun an noch mehr Kunden...Foto: dpa

Strafzinsen für Anleger, Null-Prozent-Angebote für Kreditnehmer: Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt Wirkung. Bei der Commerzbank drohen nach den Großkunden nun auch mittelständischen Firmenkunden Strafzinsen. „Bei Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors, die hohe Guthaben als Einlagen bei uns parken, vereinbaren wir verstärkt für die überschüssige Liquidität eine individuelle Guthabengebühr“, teilte ein Sprecher am Montag mit.

Damit gibt die Commerzbank die Strafzinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, jetzt an eine breitere Kundenschicht weiter. Die Zentralbank erhebt einen Strafzins von 0,3 Prozent von Kreditinstituten, die ihr Geld zu ihr bringen. Bei der Commerzbank betont man aber, Ziel sei es nicht, die Gebühr zu erheben, sondern „in Gesprächen mit den Kunden gemeinsam alternative Anlagekonzepte zu entwickeln.“ Privatkunden sollen von den Negativzinsen weiter verschont bleiben.

Diskussionen auch bei der Deutschen Bank

Das sagt auch die Deutsche Bank. Das Institut „plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Kosten für Einlagen an die Kunden weiterzugeben“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Mit institutionellen Kunden, die einen zusätzlichen Bedarf an Einlageprodukten habe, sei die Bank aber im engen Dialog, „um passende Anlagealternativen oder Kompensationsmodelle zu vereinbaren.“

Während Großkunden und institutionelle Anleger mit Negativzinsen rechnen müssen, sehen Verbraucherschützer für Privatkunden eine solche Gefahr nicht. „Wir erwarten keine Strafzinsen für Privatanleger“, sagte Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dem Tagesspiegel. Falls eine Bank den Schritt wage, „werden wir das rechtlich prüfen“, betonte der Verbraucherschützer. Bisher erhebt nur die Deutsche Skatbank Strafzinsen bei Privatleuten – allerdings erst ab Einlagen von 500 000 Euro.

Kritik an Nullzins-Krediten

Die EZB will die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln und die Inflation anheizen. Mit niedrigen Zinsen will sie den Kreditfluss beleben. Davon profitieren auch Verbraucher – mit Nullzins-Krediten. Bislang waren Null-Prozent-Finanzierungen nur beim Kauf von Fernsehern oder Möbeln ein Thema – nun wird auch Geld gratis verliehen. Seit Wochen liefern sich die Online-Portale Check24 und Smava eine Preisschlacht, um möglichst viele Kreditkunden mit dem Lockangebot zu gewinnen. Check24 leitet die Kunden dabei an die Santander Bank weiter. Smava arbeitet mit der Münchner Fidor Bank zusammen. Smava war schon Ende 2015 mit den Kampfkonditionen auf den Markt gegangen, im Januar zog Check24 nach und rührte die Werbetrommel für einen zinslosen Kredit von 1000 Euro bei 36 Monaten Laufzeit. Ursprünglich sollte das Angebot nur bis Ende Januar gehen, wurde aber bis Mitte Februar verlängert. Konkurrent Smava verlängerte bis Ende Februar.

Geld verdienen die Banken damit nicht. Im Gegenteil: Sie zahlen wegen der Kosten für die Erfassung und Verwaltung der Kredite erst mal drauf. „Null-Prozent-Finanzierungen sind im Grunde nichts anderes als Marketingaktionen zur Neukundengewinnung“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Auf lange Sicht kann sich nach Einschätzung von Experten keine Bank derartige Konditionen leisten: „Mir fehlt jede Fantasie, wie solche Angebote auf einer seriösen Produktkalkulation beruhen können“, meint Jürgen Gros, Vorstand in der Dachorganisation der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken. Eine Sprecherin der Santander Bank verteidigt das Angebot: „Generell gilt, dass Null-Prozent-Finanzierungen derzeit nicht ungewöhnlich sind. Im Warenfinanzierungsbereich sind diese Konditionen seit Langem gang und gäbe.“

Den Vergleichsportalen geht es mit Null-Zins-Angeboten darum, viele Kunden auf ihre Internetseiten zu locken. Für die Kunden ist der Abschluss der Lockangebote aus Sicht der Stiftung Warentest unproblematisch: „Kreditnehmer können sich Geld leihen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Einen Haken hat das Angebot nicht“, urteilte die Zeitschrift „Finanztest“ nach einer Überprüfung des Smava-Angebots im Dezember. Das Problem: Wenn der Kredit ausläuft und man neues Geld braucht, wird es teurer. Wahrscheinlich. (mit dpa)