Strecken in Europa geplant : In einem Fernbus nach Paris

Drei Jahre nach der Marktfreigabe ist der Fernbus für viele eine Alternative. In Deutschland stoßen die Anbieter auf den Hauptstrecken aber an Grenzen.

Burkhard Fraune
Das Fernbus-Netz in Deutschland ist in diesem Jahr noch dichter geworden. Die Zahl der Fernbuslinien stieg von Oktober 2014 bis Oktober 2015 um 74 auf 326.
Das Fernbus-Netz in Deutschland ist in diesem Jahr noch dichter geworden. Die Zahl der Fernbuslinien stieg von Oktober 2014 bis...Foto: dpa

Manchmal steigt selbst der Busunternehmer André Schwämmlein in ein Flugzeug, wenn er vom einen Sitz seines Unternehmens zum anderen muss - Berlin und München. Kurz vor Abflug am Flughafen Tegel zeigt er aber noch schnell die Bordkarten auf seinem Handy, damit kein falscher Eindruck entsteht: Die meisten tragen die Farben von MeinFernbus Flixbus, seinem Unternehmen.

Mit ihrem Zusammenschluss zu Jahresbeginn haben die beiden Anbieter die Machtverhältnisse auf dem boomenden deutschen Fernbusmarkt geklärt: Sie dominieren die Autobahnen - und zunehmend auch die Kreis- und Landesstraßen. „In Deutschland geht es jetzt darum, kluge Märkte zu finden“, sagt Schwämmlein. „Das heißt für uns Verkehr in Mittelstädte, teilweise auch kleinere Städte mit 20.000, 30.000 Einwohnern.“

Preise ziehen langsam an

Denn wer in Deutschland mit Fernbussen noch wachsen will, muss sich inzwischen was einfallen lassen. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren die Fahrgastzahl zwei Mal verdoppelt, bis auf 16 Millionen 2014. In diesem Jahr wird die Zahl um die 20 Millionen liegen“, sagt Christiane Leonard, die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer. Das heißt: Der Markt ist im dritten Jahr nach der Liberalisierung 2013 deutlich langsamer gewachsen.

Für die Kunden bedeutet das: Auch die allergrößten Preisschlachten sind wohl geschlagen. „Im laufenden Jahr sind die Preise langsam angestiegen, das ist für die Betreiber auch durchaus sinnvoll“, sagt Leonard.

Dass es deutlich teurer wird, müssen Fahrgäste aber wohl nicht fürchten. „Der Kunde definiert den Preis“, sagt Schwämmlein. Der Wettbewerb bleibe intensiv. Dass die Bahn in diesem Jahr Hunderttausende Fahrscheine für 19 Euro unters Volk warf, ärgert die privaten Fernbusanbieter durchaus. Und so lange Sprit so günstig ist, müssen Busse günstig sein, um mehr Menschen aus den Autos zu locken.

Köln verbannt Fernbusse aus der Innenstadt

Dafür sind zentrumsnahe Haltepunkte entscheidend, betont Megabus-Chef Edward Hodgson und fügt warnend hinzu: „Nur so kann das Angebot an Fernbus-Reisemöglichkeiten für die deutschen Verbraucher auch in Zukunft gewährleistet werden.“

Nicht überall sind die Straßenriesen willkommen. Köln etwa hat Fernbusse aus der Innenstadt an den Flughafen verbannt. MeinFernbus Flixbus fährt deshalb lieber gleich in die Nachbarstadt Leverkusen. Ähnliche Diskussionen gibt es in Ulm und Stuttgart. Die Branche hofft, dass daraus kein Flächenbrand wird.

Ihr Verband betont, man sei mit den meisten Städten im Konsens. Vor allem die mittelgroßen und die kleinen Städte gingen sehr offen auf die Unternehmen zu. Dorthin führten zuletzt immer mehr neue Linien abseits der großen Strecken wie Berlin-Hamburg.

Auch die Bahn mischt mit

Berlin Linien Bus, der Fernbus-Ableger der Deutschen Bahn, will sein Linienangebot bis Ende 2016 vervierfachen. Die Bahn ist wegen der Konkurrenz auf der Straße stark unter Druck. Dabei ist sie selbst auch mit der Marke IC Bus unterwegs und betreibt unterm Strich etwa jeden zehnten Fernbus-Kilometer in Deutschland.

„Es gibt noch viele weiße Flecken“, betont auch Schwämmlein. Jedoch: Ein Bus in kleinere Städte wie etwa Ravensburg sei nicht ganz so leicht zu füllen wie einer von Köln nach Berlin. Inzwischen erprobt das Unternehmen auch saisonale Angebote und fährt Skifahrer direkt in die Urlaubsorte der Alpen.

Bis zum Herbst stieg die Zahl der Fernbuslinien binnen Jahresfrist um knapp ein Drittel auf 326, wie das Berliner Marktforschungsinstitut Iges ermittelte. Der Markt wachse zwar langsamer, aber nachhaltiger, sagt Iges-Geschäftsführer Christoph Gipp. Inzwischen wüchsen die deutschen Busunternehmen auch durch inländische Verbindungen in den europäischen Nachbarstaaten.

Nächster Halt: Paris

„Unser Kerngeschäft ist der Fernbus in Deutschland. Und jetzt bauen wir da drumherum weiter“, sagt MeinFernbus FlixBus-Mann Schwämmlein. „Wir internationalisieren.“ Nach Frankreich, Italien, die Niederlande - wo immer sich eine Gelegenheit ergibt.

Ganz Europa habe einen hohen Bedarf an Fernbusverbindungen, heißt es bei Megabus. Seit Paris den Fernbusverkehr im August freigab, sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums eine halbe Million Menschen in die Busse gestiegen, drei Mal so viele wie im gesamten Vorjahr. Inzwischen fahren 600 Busse knapp 150 Ziele an. (dpa)

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