Streik der GDL-Lokführer : Die Bahn ist im Kommen

Heute wird auf den bundesdeutschen Bahnhöfen wieder gegen die Bahn gehetzt. Streik ist eben nur als demokratisches Prinzip eine feine Sache. In der Realität nervt er gewaltig. Und trotzdem gibt es zum Verkehr mit Bus und Bahn keine Alternative. Ein Kommentar.

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Umsteigen lohnt nicht: Die Bahn bleibt das bessere Verkehrsmittel. Foto: dpa
Umsteigen lohnt nicht: Die Bahn bleibt das bessere Verkehrsmittel.Foto: dpa

Unpünktlich, zu teuer, unflexibel - das Image der Deutschen Bahn ist oftmals kein gutes. Das wird sich heute noch einmal potenzieren, wenn die Lokführer der GDL den Dienst verweigern und Reisende zu Tausenden in den Weiten des Schienennetzes stranden. Das ist in vielen Fällen ein Problem und ärgerlich genug. Und es stimmt schon: Nicht alle Ziele, die die GDL mit diesem Arbeitskampf verfolgt, muss man gutheißen. Das Schlimmste daran ist aber, dass sich das angekratzte Image der Bahn - und das der S-Bahnen in vielen Großstädten gleich mit - weiter verschlechtert. Völlig zu unrecht.

Die Bahnen im Nah- und Fernverkehr sind deutlich besser als ihr Ruf. Das liegt an moderner Technik, sanierten Bahnhöfen, konkurrenzfähigen Preisen und Mitarbeitern, die sich in der großen Mehrheit tagtäglich anstrengen, um die Züge samt Passagiere pünktlich von A nach B zu bringen. Nur eben heute bis morgen früh für 14 Stunden nicht. Und die Krise der Berliner S-Bahn ist auch schon deutlich länger ausgestanden - zumindest gefühlt -, als es das anhaltende Gejammer auf den S-Bahnhöfen der Hauptstadt Glauben machen mag.

Der als bessere Alternative gepriesene Individualverkehr mit dem Auto wird nicht nur heute im kollektiven Stauerlebnis enden. Er tut es täglich. Zu bewundern zur Rushhour auf den großen Ein- und Ausfallstraßen der Städte und den vermeintlichen Schleichwegen. Ein besonderes Ereignis sind die Verkehrsmeldungen von Radiosendern in Ballungsräumen, die oftmals deutlich länger sind als der vorangegangene Wetterbericht. Nicht nur in Berlin.

Der öffentliche Personenverkehr in Nah und Fern bleibt trotz aller Imageschäden und Streiks das bessere Verkehrsmittel. Pünktlich, preiswert und flexibel. Der autoabhängige Individualverkehr wird - und muss - eine ähnliche gesellschaftliche Ächtung erfahren, wie es die Raucher in den vergangenen Jahren erleiden, erdulden mussten. Nicht grundsätzlich verbieten, aber auch nicht über die Maßen fördern. Die Bahn ist im Kommen.

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