Streik der Lokführer : Jetzt wird's unverschämt!

Streik in der Ferienzeit, der Fernverkehr der Bahn wird lahm gelegt. Mit Arbeitskampf hat das nichts mehr zu tun. Jetzt ist auch die Politik gefragt. Ein Kommentar.

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Die Lokführer Streiken. Die Fahrgäste warten. Dieses Bild wurde während des letzten Warnstreiks am vergangenen Mittwoch aufgenommen. Foto: dpa
Die Lokführer Streiken. Die Fahrgäste warten. Dieses Bild wurde während des letzten Warnstreiks am vergangenen Mittwoch...Foto: dpa

Dass die Bahn für „Verzögerungen im Betriebsablauf“ um Verständnis bittet und nicht um Entschuldigung, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Dass die Lokführer-Gewerkschaft GdL nun mit der gleichen Dreistigkeit auch für ihre Streiks um Verständnis wirbt, grenzt an eine Verhöhnung der Fahrgäste.

Sicher hat die GdL das Recht zu streiken – für höhere Löhne und weniger Arbeitszeit. Doch der aktuelle Streik ist nur eine PR-Aktion, eine Machtdemonstration, die der GdL neue Mitglieder bescheren und Konkurrenzgewerkschaften wie die EVG schwächen soll.

Hunderttausende Reisende müssen unter diesem Machtkampf nun leiden. Das ist unverschämt. Die GdL legt ihren „Warnstreik“ nun auch noch im Personenverkehr an den Beginn der Ferienzeit legt und bestreikt nicht etwa nur den Güterverkehr. Damit hätte sie die Bahn zwar finanziell unter Druck setzen können, die Fahrgäste aber weniger in Geiselhaft genommen. Der letzte Rest von Verständnis für das Vorgehen der Gewerkschaft erlischt damit.

Abhilfe naht. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will mit einem Gesetz zur Tarifeinheit den außer Kontrolle geratenen Konkurrenzkampf unter den Teilgewerkschaften beenden. Ein entsprechender Entwurf soll im November vorgestellt werden. Das ist gut und richtig.

Doch es kommt zu spät. Im aktuellen Konflikt ist nun auch die Politik gefragt, klare Worte zum Verhalten der Gewerkschaften zu finden. Nachdem GdL-Chef Claus Weselsky und Bahn-Chef Rüdiger Grube sich nicht einmal mehr zur Begrüßung die Hand geben wollen, geschweige denn in der Lage sind, vernünftig zu verhandeln, müsste von politischer Seite aber zumindest vermittelnd eingegriffen werden.

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