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Streit mit Zulieferern : Volkswagen und Prevent erzielen Einigung

Der Autokonzern und die Zulieferer Car Trim und ES Automobilguss sollen sich auf langfristige Partnerschaft verständigt haben. Die Lieferung von Teilen werde kurzfristig wieder aufgenommen, sagte ein VW-Sprecher.

Bald wieder gute Aussichten für VW?
Bald wieder gute Aussichten für VW?Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Lieferstreit bei Volkswagen gibt es eine Lösung. Das bestätigte ein Konzernsprecher am Dienstagvormittag den Agenturen dpa und AFP. Demnach soll Volkswagen schnell wieder Teile der Prevent-Firmen Car Trim und ES Automobilguss erhalten. Die vom Lieferstopp betroffenen VW-Werke bereiten demnach "schrittweise" die Wiederaufnahme der Produktion vor. Auch die "Hannoversche Allgemeine" berichtete von der Übereinkunft der Streitparteien. Sie hätten sich nun sogar auf eine langfristige Partnerschaft verständigt, hieß es in dem Bericht.

Zu Details der Verhandlungslösung äußerten sich beide Seiten nicht. "Über die Inhalte der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart", hieß es in der gemeinsamen Mitteilung von Volkswagen und den beiden zur Prevent-Firmengruppe gehörenden Unternehmen CarTrim und ES Automobilguss.

Niedersachsens Ministerpräsident und Volkswagen-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) begrüßte den Durchbruch. "Ich freue mich vor allem für die Beschäftigten, die nun rasch wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren können. Sie sind in den letzten Tagen Opfer eines Konfliktes geworden, der ohne Not auf ihrem Rücken ausgetragen worden ist", teilte er in Hannover mit. Zugleich äußerte er Kritik am Verhalten der Zulieferer aus Sachsen.

"Es bleibt bei mir ein Unbehagen über das Vorgehen der Prevent Group, die nicht bereit war, den in unserem Rechtsstaat vorgesehenen Weg einer Klärung vor den Gerichten zu gehen. Sie hat stattdessen einen Großkonflikt mit beträchtlichen Schäden eröffnet", erklärte Weil.

Griff zur Kurzarbeit stieß auf Kritik

Seit Montag hatten VW und die beiden Zulieferer fast ununterbrochen die Möglichkeit einer gütlichen Einigung ausgelotet. "Es gibt noch ein paar Detailpunkte, an denen es hakt", sagte der Sprecher der Prevent-Gruppe noch am Dienstagmorgen nach 19-stündigen Verhandlungen. Er bezeichnete die Chancen für eine Einigung zu diesem Zeitpunkt mit 50:50. Die beiden Lieferanten Car Trim und ES Automobilguss hatten die Lieferung von Bezügen für Autositze und Getriebegehäuse an VW eingestellt. Hintergrund war ein Streit wegen eines von VW gekündigten Auftrags.

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Zuvor war bekanntgeworden, dass die Zahlung von Kurzarbeitergeld für Beschäftigte von Volkswagen im aktuellen Streit die Beitragszahler rund zehn Millionen Euro pro Woche kosten könnte. Dies berichtete die "Bild" unter Berufung auf interne Schätzungen. Die Summe sei abhängig davon, wie viele der 28.000 bedrohten Mitarbeiter in den sechs VW-Werken letztlich in Kurzarbeit gehen. Die Produktion an den Standorten stoppte bereits am Montag. Bevor Kurzarbeitergeld ausgezahlt wird, müssen die Mitarbeiter zunächst Überstunden abbauen.

In der Politik war bereits Kritik an den Plänen von VW laut geworden. Der Konzern dürfe die Kosten für seinen Streit mit den Zulieferern nicht den Beitragszahlern der Sozialkassen aufbürden, hieß es in der Union. Mit Kurzarbeit können Unternehmen auf einen Auftragseinbruch reagieren, ohne gleich Mitarbeiter zu entlassen. Dafür wird vorübergehend die betriebliche Arbeitszeit gekürzt. Für den Verdienstausfall der Beschäftigten springt auf Antrag die Bundesagentur für Arbeit mit dem so genannten Kurzarbeitergeld ein, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Kurzarbeit ist keine Streikkasse für Unternehmen, die sich im Wirtschaftskampf befinden und eingegangene Verträge mutwillig nicht einhalten." Die Kosten des Streits zischen VW und den Zulieferern dürften nicht Dritten aufgebürdet werden. Ähnlich äußerte sich der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach: "Das Kurzarbeitergeld ist nicht dafür gedacht, dass man seine Nachfragemacht auf dem Buckel der Beitragszahler finanziell absichert", sagte er der "Rheinischen Post".

Der Mittelstandsbeauftragte der Grünen-Bundestagsfraktion, Thomas Gambke, argumentierte genauso: "Es ist nicht in Ordnung, dass der Beitragszahler belastet wird, weil ein Konzern mit seinen Zuliefererfirmen einen kaufmännischen Konflikt ausficht", sagte er dem Blatt. "Das geht gar nicht." (dpa, AFP, rtr)

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