Strom auf Vorkasse : Gericht zieht Schlussstrich unter Teldafax-Pleite

Die Pleite des Billigstromanbieters Teldafax ist einer der größten Firmenzusammenbrüche in Deutschland. Jetzt geht der Strafprozess gegen verantwortliche Manager nach zwei Jahren zu Ende. Doch die Kunden warten weiter auf ihr Geld.

Der Teldafax-Unternehmenssitz in Troisdorf bei Bonn. Am Mittwoch soll in Bonn das Urteil im Teldafax-Strafprozess verkündet werden.
Der Teldafax-Unternehmenssitz in Troisdorf bei Bonn. Am Mittwoch soll in Bonn das Urteil im Teldafax-Strafprozess verkündet...Foto: Oliver Berg/dpa

„Wo bleibt mein Geld?“ - Viele geschädigte Kunden des zusammengebrochenen Stromdiscounters Teldafax stellen immer wieder diese Frage und warten bis heute auf eine Antwort. Seit knapp sechs Jahren ist der ehemalige Billiganbieter von Strom und Gas aus Troisdorf bei Bonn pleite. Während der Insolvenzverwalter weiter Geld für die Gläubiger zusammenkratzt, beendet das Bonner Landgericht am Mittwoch mit dem Urteil im Strafprozess gegen verantwortliche Manager ein anderes Kapitel in der unrühmlichen Firmengeschichte. Für die mehr als eine halbe Million betroffenen Kunden wird die Entscheidung des Gerichts wohl keine neuen Erkenntnisse bringen - allenfalls die Genugtuung darüber, dass die Verantwortlichen eines Unternehmens zur Rechenschaft gezogen werden könnten, weil sie zu leichtfertig mit dem Geld ihrer Klienten hantierten.

Was war geschehen? Mit der Öffnung der Strommärkte Ende der Neunziger Jahre hatte der Wettbewerb im Energiebereich neue Anbieter in die Branche gelockt. Dabei entwickelte sich der Kampf um Kunden zu einem aggressiven Preiswettbewerb. Teldafax, das einige Jahre zuvor auf dem Telekommunikationsmarkt zu reüssieren versuchte, aber scheiterte, gehörte zu den wenigen Unternehmen, die günstige Strom- und Gaspreise über Vorauszahlungen bot. Viele Kunden bissen an. Doch das Geschäftsmodell war äußerst riskant. Günstige Preise konnte der Discounter nur mit einer immer größeren Anzahl von Vorauszahlungen halten. Die Endkundenpreise lagen dabei zum Teil unter den Einstandskosten. Als das Wachstum nachließ, traten die Probleme ans Licht. Das Geschäftsmodell brach zusammen.

"Mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer"

Die Stromhändler stellten die Lieferung ein, die Teldafax-Kunden fielen automatisch in die teure Grundversorgung ihres lokalen Anbieters zurück - und blieben auf den Mehrkosten sitzen. Der Insolvenzverwalter Biner Bähr soll chaotische Verhältnisse in der Zentrale in Troisdorf bei Bonn vorgefunden haben. Auf der ersten Gläubigerversammlung des Unternehmens stellte er unmissverständlich klar: „Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer.“ Flexstrom, ein anderer großen Anbieter mit Vorkasse-Modell, ereilte wenig später das gleiche Schicksal.

Auch hier warten Kunden bis heute auf Rückerstattung. Im Fall Teldafax nahm die Bonner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf und erhob wenig später Anklage gegen drei Manager. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug, Insolvenzverschleppung und Bankrottdelikte. 2015 begann der Prozess vor dem Landgericht Bonn. Doch nach vielen Verhandlungstagen und Zeugenvernehmungen brach die Anklage mehr und mehr in sich zusammen. Von den Anklagepunkten blieben am Ende nicht mehr viele, Mitte vergangenen Jahres gab das Landgericht dann eine Teileinstellung bekannt.

Es blieb die Insolvenzverschleppung und die Verletzung von Buchführungspflichten. Gegen einen Angeklagten wurde das Verfahren im vergangenen November gegen Geldzahlung eingestellt. Als sehr viel aufwendiger gilt die Arbeit des Insolvenzverwalters Bähr. Der hatte im November 2015 eine erste gute Nachricht für die Teldafax-Geschädigten: Bis dahin hatte er insgesamt 214 Millionen Euro eingesammelt, darunter eine dreistellige Steuerrückerstattung sowie Zahlungen vom Bundesligaclub Bayer 04 Leverkusen, der mit Teldafax einen Sponsorenvertrag vereinbart hatte.

Anfang 2016 sprach Bähr als Zeuge im Teldafax-Prozess schon von einem Betrag in Höhe von 250 Millionen Euro, den er bei Großgläubigern erstritten habe. Auch das soll noch nicht das Ende sein. „Das Verfahren wird weiterhin intensiv betrieben“, sagt ein Sprecher des Insolvenzverwalters, der sich nicht auf ein Ende des Verfahrens festlegen will. Gut möglich, dass am Ende die Teldafax-Kunden doch noch mit einem blauen Auge davon kommen. (dpa)

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