Strompreis : Fast verdoppelt

Seit dem Jahr 2000 ist Strom für private Verbraucher um 92 Prozent teurer geworden. Und der Trend geht weiter nach oben.

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Teure Wende. Die Förderung von Solaranlagen, Windrädern und Biokraftwerken kostet die Verbraucher 6,24 Cent - je Kilowattstunde.
Teure Wende. Die Förderung von Solaranlagen, Windrädern und Biokraftwerken kostet die Verbraucher 6,24 Cent - je Kilowattstunde.Foto: picture-alliance

Die deutsche Energiepolitik geht zulasten der Verbraucher. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass sich seit dem Jahr 2000 die Strompreise für die Haushalte fast verdoppelt haben (plus 92 Prozent). Inzwischen kostet die Kilowattstunde gut 29 Cent, davon landen aber nur 7,3 Cent bei der Stromerzeugung und dem Vertrieb. Rund 52 Prozent des Preises machen Steuern, Abgaben und Umlagen aus, der Rest sind Netzentgelte, die von der bundeseigenen Netzagentur festgelegt werden. Von funktionierenden Märkten kann also knapp 20 Jahre nach der Liberalisierung der Energiewirtschaft keine Rede sein. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie, den die Bundesregierung nach Fukushima 2011 beschloss, und der die Abschaltung aller Akw bis 2022 vorsieht, ist der staatliche Einfluss noch größer geworden. Am spürbarsten wird das für die Verbraucher bei der Umlage für erneuerbare Energie, die in diesem Jahr 6,24 Cent je Kilowattstunde ausmacht. Perspektivisch kommen weitere Kosten auf die Verbraucher zu, wenn der Milliardenaufwand für neue Netze und Kapazitätsmärkte umgelegt werden muss. Auf den Kapazitätsmärkten sollen künftig die Betreiber konventioneller Kraftwerke ebensolche Kraftwerke in Reserve für den Fall vorhalten, dass die erneuerbaren Energien nicht ausreichend Strom erzeugen. Für diese Reserve wird dann eine Gebühr fällig.

Außer den privaten Haushalten mussten auch die industriellen Großabnehmer (plus 76 Prozent) und die kleineren Gewerbetreibenden (plus 79 Prozent) seit dem Jahr 2000 erheblich höhere Preise für Strom zahlen. Doch die Befreiung von der Ökostromumlage sowie die Möglichkeit zum direkten Stromeinkauf an der Börse oder zur Eigenerzeugung führten dazu, dass von 2008 bis 2014 der Preis für industrielle Großkunden nur um rund fünf Prozent gestiegen ist; im gleichen Zeitraum mussten die privaten Verbraucher 36 Prozent und kleine Firmen sogar 38 Prozent mehr zahlen.

Anlässlich der neuesten Preisstatistiken gab es wieder einmal die Forderung an die Politik, aktiv zu werden. „Die Bundesregierung muss endlich handeln und den staatlich fixierten Kostenblock, der auf dem Strompreis lastet, zurückfahren“, hieß es beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe das ja selbst schon ins Gespräch gebracht. Konkret in Sicht ist indes nichts.

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