Studentische Unternehmensberatung : Studenten helfen Gründern auf die Sprünge

Zwei Berlinerinnen produzieren Tofu aus regionalen Zutaten. Um langfristig davon leben zu können bekommen sie nun Unterstützung von einer studentischen Strategieberatungsfirma.

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Made in Berlin: Elena Grimm (l.) und Franzi Schauren produzieren Tofu aus regionalen Zutaten.
Made in Berlin: Elena Grimm (l.) und Franzi Schauren produzieren Tofu aus regionalen Zutaten.Foto: promo

Helle Hemden, dunkle Anzüge, schmale Krawatten. Die beiden jungen Männer wirken ein wenig deplatziert im schäbig-schicken Friedrichshain. „Wir haben ein regionales Start-up gesucht, dem wir mit unserem Angebot helfen können“, sagt Sascha Grumbach, einer der beiden Männer und Vorsitzender der studentischen Unternehmensberatung BCPro. Mit den beiden jungen Frauen, die ihnen an diesem April-Morgen im Café gegenüber sitzen, und ihrer Firma Tofu Tussis haben sie es gefunden. Elena Grimm und Franzi Schauren stellen Tofu her und verkaufen ihn. In den kommenden Monaten werden die Studenten und die Unternehmerinnen daran arbeiten, dass sie mit ihrer Idee auch Geld verdienen.

Natur oder geräuchert, Mango, Erdnuss, Curry, provenzalisch – wie der Tofu schmecken soll, dürfen die Käufer selbst entscheiden, die Tofu Tussi produzieren nach Wunsch. Wer nicht so kreativ ist, findet auch eine Auswahl von Tussi-Kreationen. „Wir sind beide Vegetarier und hatten beim Grillen die Idee, unseren Tofu so zu machen, dass er uns schmeckt“, erzählt Grimm. Ihr Wissen holten sie sich aus einem Buch und probierten es aus. Der selbstgemachte Fleischersatz kam bei Freunden gut an und die beiden Frauen beschlossen, aus dem Hobby eine Existenz aufzubauen. Die erste Handpresse war selbstgebaut, andere Maschinen mussten sie aus China bestellen. „So etwas gibt es hier einfach nicht zu kaufen“, sagt Schauren. In einer Küchen-WG in Friedrichshain entstanden die ersten Kreationen. Sie verkaufen im Online-Shop, auf dem Wochenmarkt am Boxhagener Platz, in Geschäften wie Original Unverpackt. Ihr Ziel: von der Tofurei den Lebensunterhalt bestreiten.

Die Studenten beraten Gründer, Mittelständler oder Konzerne

„Diesem Ziel sind wir inzwischen deutlich näher gekommen“, sagt Grimm jetzt, Anfang August. Wenn sie es erreichen, hat auch das Team von BCPro seinen Anteil daran. „Der Businessplan, den wir mit den Beratern erstellt haben, sieht vor, dass wir in absehbarer Zeit beide von unserem Geschäft leben können“, erläutert Grimm.

Businesspläne schreiben, damit kennen sich Grumbach und seine rund 65 Kollegen bei BCPro aus. Qualitätsmanagement, IT-Beratung, Personalmanagement, Vertrieb und Marketing – das Spektrum, in dem die Studenten ihre Leistungen anbieten, ist breit. Die Vereinsmitglieder studieren an unterschiedlichen Hochschulen, zum Beispiel der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), der Humboldt-Uni, der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) oder auch der der Uni Potsdam. Ein dreiköpfiger Vorstand führt die Geschäfte. Meist sind die Kunden Mittelständler, aber auch Großunternehmen wie die Commerzbank oder Institute wie Fraunhofer sind darunter. Auch große Unternehmensberatungen kommen mit kleineren Projekten auf die Studenten zu. Der größte Teil der Honorare landet bei den Beratern selbst, ein kleinerer Teil in der Vereinskasse.

Für die Unternehmer ist die Beratung kostenlos

Die Tofu Tussis zahlen keinen Cent. Sie hatten sich um eine kostenlose Beratung im Wert von 10 000 Euro beworben, ausgelobt von BCPro. „Es gibt sehr viele spannende Start-ups in Berlin“, sagt Grumbach. „Und sehr viele, die sich so eine professionelle Beratung nicht leisten können.“ Aus der zweistelligen Zahl der Bewerber wählte das Team die Tofu Tussis aus. „Ein Unternehmen aus Berlin, noch ganz am Anfang, und ein angesagtes Produkt mit viel Potenzial“, erläutert er, warum die Entscheidung auf Grimm und Schauren fiel.

Regional, frisch, bio und individuell – damit liegen die Tofu Tussis im Trend. Nach Zahlen der GfK ist der Umsatz mit Fleischersatzprodukten wie Tofu hierzulande mit 213 Millionen Euro (2014) zwar noch überschaubar. Doch innerhalb von vier Jahren stieg er um drei Viertel, wie die Nürnberger Konsumforscher weiter ermittelt haben. Inzwischen bieten selbst große Fleischverarbeiter wie Rügenwalder und Wiesenhof vegetarische Produkte an. Für die Tofu Tussis ist das höchstens eine Bestätigung ihrer Arbeit, aber auf keinen Fall Konkurrenz. In einer Marktanalyse fand das fünfköpfige Projektteam von BCPro heraus, dass Grimm und Schauren gute Alleinstellungsmerkmale haben. Zwar gibt es im Berliner Raum einige Tofumanufakturen. Keine von diesen erreiche jedoch den Standard der Tussi-Produkte. Zum Beispiel verzichten die Grimm und Schauren vollständig auf Konservierungsmittel.

Vier Monate arbeiten die Gründer mit den Studenten zusammen

Ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt, fanden die studentischen Berater in der rund viermonatigen Zusammenarbeit heraus. Weil die Produkte frisch und ohne Zusätze sind, müssen sie aber schnell beim Kunden landen. Sie sind nur eine Woche haltbar. Ein Ergebnis der Beratung ist deshalb: Die Tofu Tussis werden sich beim Vertrieb künftig ganz auf die Region beschränken. Nur so lasse sich die Logistik rentabel gestalten.

Auch die Herstellung ist inzwischen deutlich professioneller geworden. Mit 14 000 Dollar, die die beiden schon vor dem Projekt mit BCPro über Crowdfunding eingesammelt hatten, haben sie den Umzug in eine eigene Küche und neue Maschinen grundlegend finanziert.

Und der neue Standort – im Untergeschoss der Markthalle Neun in Kreuzberg – bietet auch gleich neue Vertriebswege. Zum einen nutzen die Tofu Tussis den Lieferservice des Betreibers. Zum anderen planen sie einen eigenen Stand auf dem angesagten Food-Markt.

Derzeit verhandeln Grimm und Schauren nach eigenen Angaben mit Großhändlern. „Gemeinsam mit BCPro haben wir uns auf einen Pitch im Rahmen einer Messe vorbereitet“, erzählt Grimm. Das habe dann so gut funktioniert, dass daraus der Kontakt zu den möglichen Handelspartnern entstanden sei. Sowohl die Unternehmerinnen als auch ihre Berater gehen davon aus, dass sie nun, nach Ende des Projekts, weiter zusammenarbeiten. „Wir würden das gerne fortführen – müssen es uns aber auch leisten können“, sagt Grimm.

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