Studie der TK : Die Arbeit 4.0 muss gesünder werden

So wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, brauchen Unternehmen ein anderes Gesundheitsmanagement. Stressfreier wird es in Zukunft nämlich nicht.

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Mobiles Arbeiten, etwa von zu Hause aus, braucht auch Gesundheitsmanagement.
Mobiles Arbeiten, etwa von zu Hause aus, braucht auch Gesundheitsmanagement.Foto: picture alliance / dpa

In einer immer digitaler werdenden Arbeitswelt bedeutet Gesundheitsmanagement im Unternehmen mehr als rückengerechte Bürostühle und gesundes Kantinenessen. Technische Prozesse würden die Arbeit zwar oft erleichtern, erklärte der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, am Mittwoch. Sie stellten aber auch höhere Ansprüche an die Mitarbeiter.

Nicht nur die Menge an Informationen und die Komplexität der Arbeit nähmen zu, sondern auch die ständige Erreichbarkeit, Mobilität und ablenkende Störfaktoren. Beschäftigte benötigten künftig „eine noch höhere Stresstoleranz“. Für eine gesunde Arbeit 4.0 müssten Unternehmen deswegen verstärkt auf eine psychische Gefährdungsbeurteilung, auf Achtsamkeit und Erholung setzen, heißt es in einer von der TK und vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) vorgestellten Studie mit rund 800 Befragten, die in Betrieben für dieses Thema zuständig sind.

Gesunde Führung ist entscheidend

In jedem elften Unternehmen gibt es der Studie zufolge gar keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Knapp drei von zehn Betrieben haben einzelne Angebote. Nur ein gutes Drittel verfügt über ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement oder baut dieses gerade auf. Baas sieht vor allem bei kleinen bis mittelgroßen Unternehmen, und damit auch bei Start-ups noch „Luft nach oben“. Neun von zehn Befragten sind der Ansicht, dass es an den Führungskräften liegt, ob auf ein gesundes Arbeiten geachtet wird. Sie seien wichtiger als das Budget, das dafür zur Verfügung steht.

So wie die Digitalisierung der Grund für ein anderes Gesundheitsmanagement ist, sei sie gleichzeitig eine Chance für bessere Methoden: Mit Fitnessarmbändern könnten die Mitarbeiter beispielsweise leicht und spielerisch sehen, wie viele Schritte sie an einem Bürotag zurücklegen. Mit Apps könnten sie testen, wie Burn-out-gefährdet sie bereits sind und sich mit dem Smartphone sogar psychotherapeutisch helfen lassen.

Kognitive Fitness wird immer wichtiger

Ein besserer Schutz der Arbeitnehmer sei nicht zuletzt deswegen wichtig, weil sich die Lebensarbeitszeit durch den demografischen Wandel verlängere. „Und wir wollen uns ja nicht über die Ziellinie quälen“, sagte Baas. Noch beschränke sich die Gesundheitsförderung meist darauf, die körperliche Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu wahren. Die neuen Technologien und Arbeitsweisen erforderten aber vor allem kognitive Fitness. Nach Meinung der Befragten ist der Punkt „lebenslanges Lernen“ daher auch das allerwichtigste Zukunftsthema – noch vor sämtlichen Maßnahmen gegen Überforderung, Stress und Erkrankungen.

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