Studie : Europas Topmanager sind in bester Laune

Laut einer neuen Studie hoffen die europäische Finanzchefs mehrheitlich auf eine positive Gewinnentwicklung ihrer Firmen. Der DIHK warnt indes vor Euphorie und sagt: „Der Aufschwung ist gedopt“.

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Über Europa geht die Sonne auf: Glaubt man den Finanzchefs europäischer Konzerne, dürften die Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten steigen.
Über Europa geht die Sonne auf: Glaubt man den Finanzchefs europäischer Konzerne, dürften die Unternehmensgewinne in den kommenden...Foto: 1xpert Fotolia

Egal ob der Schuldenstreit mit Griechenland, die Ukraine-Krise oder das umstrittene Programm der Europäischen Zentralbank zum Ankauf von Staatsanleihen: Für europäische Manager gäbe es derzeit viele Gründe, pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Doch das tun sie nicht – im Gegenteil. Wie aus einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Deloitte hervorgeht, die dem Tagesspiegel vorliegt, sieht mehr als ein Drittel der europäischen Finanzchefs die allgemeine finanzielle Lage ihrer Unternehmen insgesamt deutlich positiver als noch vor sechs Monaten.

Die Mehrheit der 1330 befragten Manager erwartet darüber hinaus, dass die Gewinne ihrer Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten steigen werden. Besonders optimistisch sind dabei die Manager aus Großbritannien und Italien: Jeweils 82 Prozent prognostizieren eine Gewinnsteigerung. Aber auch im krisengeplagten Spanien überwiegt mittlerweile der Optimismus. 77 Prozent der spanischen Manager hoffen laut Studie auf eine positive Gewinnentwicklung. Die Iberer liegen damit noch vor ihren deutschen Kollegen, von denen immerhin 74 Prozent von besseren Geschäften in den nächsten Monaten ausgehen.

Derzeit gibt es nur ein Land, in dem die Gewinnaussichten mehrheitlich pessimistisch eingeschätzt werden – die Schweiz. Die Nationalbank der Eidgenossen hatte im Februar gegen massive Widerstände aus der Wirtschaft die Bindung der Landeswährung an den Euro-Kurs aufgegeben – der Franken gewann daraufhin sprunghaft an Wert. „Der Wirtschaftsausblick in der Schweiz wurde durch die Aufwertung des Frankens und Sorgen hinsichtlich der Schweizer Wettbewerbsfähigkeit schwer getroffen“, heißt es nun in der Studie.

Auch neue Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeichnen ein positives Stimmungsbild der deutschen Wirtschaft. Der DIHK rechnet mit mehr Wachstum und erhöhte am Donnerstag seine Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 1,3 auf 1,8 Prozent. Zugleich rechnet der Spitzenverband der deutschen Wirtschaft jetzt mit 250 000 neuen Stellen – 50 000 mehr als noch zu Jahresbeginn geschätzt. „Das Wachstum zieht an“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Die Prognose des DIHK basiert auf einer Umfrage unter mehr als 23 000 Unternehmen. Diese schätzten im Frühjahr ihre Geschäftsaussichten deutlich besser ein als noch Anfang 2015. Demnach dürften die Exporte allmählich an Schwung gewinnen. „Gerade bisherige Sorgenkinder laufen besser“, sagte Wansleben angesichts der Erholung vieler Euro-Krisenländer wie Spanien. „Diese wichtigen Abnehmerländer setzen wieder verstärkt auf deutsche Erzeugnisse.“

Gleichzeitig warnte Wansleben vor zu viel Optimismus. „Euphorie bleibt allerdings aus. Denn das ist ein gedopter Aufschwung.“ Der geringere Ölpreis schiebe den Konsum an, die niedrigen Zinsen die Baukonjunktur, der schwache Euro die Exporte. Ohne diese Sonderfaktoren bliebe nicht mehr viel übrig vom Wachstum. Zudem verlören die Sondereffekte schon an Kraft. „Der Ölpreis steigt bereits wieder, und der Euro hat sich gefangen“, erklärte Wansleben. Ein Wachstum von zwei oder mehr Prozent sei 2016 nur drin, wenn wieder kräftiger investiert werde und der Staat bessere Rahmenbedingungen setze. Zuletzt sei aber das Gegenteil passiert: Rente mit 63 Jahren, Mütterrente, Mindestlohn, Frauenquote und Familienpflegezeit belasteten den Standort Deutschland. „Die Bundesregierung darf nicht nur anderen Ländern guten Rat geben, wie man die Wettbewerbsfähigkeit erhöht“, so Wansleben mit Blick auf die Schuldenkrise. „Wir sind auch im eigenen Land gefordert.“ mit rtr

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